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07. August 2008: Den Forderungen mancher Literaturkritiker zum Trotz: Es ist nicht seine Wahlheimat Frankfurt, die dem Krimi-Schriftsteller Jan Seghers einen Literaturpreis verleiht, sondern die Nachbarstadt Offenbach. Jan Seghers, mit bürgerlichem Namen Matthias Altenburg, wird für die kommenden zwei Jahre Offenbachs elfter Schriftsteller im Bücherturm und tritt damit die Nachfolge von Jan Koneffke an.

Schon jetzt kennt sich der 1958 in Fulda geborene Autor in Offenbach gut aus, ist regelmäßig mit dem Fahrrad in der Region unterwegs – zum sportlichen Ausgleich, aber auch auf der Suche nach Schauplätzen für seine Bücher, deren authentische Beschreibung einen Teil der Klasse seines Schreibens ausmacht. „Wenn man Orte findet, braucht man sie nicht zu erfinden. Mir ist lieber, wenn mir etwas auffällt, als dass mir etwas einfällt“, sagt Altenburg, der in der kritischen Auseinandersetzung mit der deutschen Gegenwartsliteratur für einen neuen Realismus eintritt.

Im Stadtgebiet von Offenbach ist ihm unter anderem bereits der Schultheisweiher aufgefallen. Drei Mal war er schon da und hat die Umgebung erkundet. Und hat beschlossen, ihn in die Handlung seines vierten Kriminalromans einzubauen, der momentan in Arbeit ist und im kommenden Jahr erscheinen soll. Auch das Kickers-Stadion am Bieberer Berg könnte eine Rolle spielen. Die Einladung von Oberbürgermeister Horst Schneider zu einem Kickers-Heimspiel inklusive sachkundiger Einführung in die Fanrituale nahm Matthias Altenburg jedenfalls gerne an. Denn die sorgfältige Ausarbeitung seiner Romanfiguren ist ebenfalls ein Charakteristikum seines Werks. Und das ist eine Gemeinsamkeit mit Henning Mankell, was ihm den Ruf eingebracht hat, eine Art deutscher Mankell zu sein. Der Vergleich habe ihn sehr geehrt, so Altenburg, denn Mankell habe den europäischen Kriminalroman erneuert, die Handlung zu Gunsten der Spannung verlangsamt. Und er beweise, dass ihn die Menschen in seinen Romanen wirklich interessieren.

Obwohl in seinen Krimis ein Frankfurter Hauptkommissar ermittelt, sieht sich Altenburg nicht als typischer „Regio-Krimi-Autor“. Frankfurt eigne sich allerdings gut als Ausgangspunkt, denn die Stadt sei groß genug, um alles Erdenkliche dort geschehen zu lassen, und gleichzeitig klein genug, um alles für die Handlung Notwendige zu recherchieren.

Seit 23 Jahren lebt Matthias Altenburg inzwischen schon in Frankfurt und beschreibt sein Verhältnis zu der Stadt wie das Verhältnis unter Geschwistern: Streitbar, doch gegenüber Angriffen von außen durchaus loyal. Den Einfluss des Finanzwesens auf die Politik und die Atmosphäre seiner Wahlheimat findet Altenburg zu groß. Da komme ihm Offenbach mit seiner Sozialstruktur vertrauter vor. Denn Altenburg ist in der Industriestadt Baunatal aufgewachsen, hat sein Abitur in Kassel abgelegt, bevor er zum Studium der Literaturwissenschaft und der Kunstgeschichte nach Göttingen zog.

Würde er am Band arbeiten, wäre er wahrscheinlich am besten in der Frühschicht aufgehoben: Denn Altenburg liebt es nach eigenem Bekunden, bereits um vier Uhr früh aufzustehen. Einträge in sein Internet-Tagebuch „Geisterbahn. Tagebuch mit Toten“, das er seit Mai 2006 unter www.janseghers.de führt, nimmt er in der Regel morgens zwischen fünf und sechs Uhr vor.

Und obwohl er gerne abends schon um halb neun zu Bett geht, darf sich das literaturinteressierte Publikum in und um Offenbach auf die eine oder andere Lesung mit Altenburg/Seghers freuen. Am 26. September wird er auf dem Literaturschiff zu den Hessischen Literaturtagen mitfahren.

Die Stadt Offenbach vergibt den Literaturpreis „Schriftsteller im Bücherturm“ seit 1979. Der mit 12.500Euro dotierte Preis wird zu gleichen Teilen von der Kulturstiftung der Sparkasse Offenbach und von Alfred Clouth, Präsident der IHK, gestiftet.

Folgende Kriminalromane von Jan Seghers sind bisher erschienen

Ein allzu schönes Mädchen
Die Braut im Schnee
Partitur des Todes

Mehr unter www.janseghers.de