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22. Dezember 2009: Der Wirtschaftsstandort Offenbach behauptet sich in der gegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftskrise. Das belegt der aktuelle Jahresbericht der städtischen Wirtschaftsförderung. Zwar gab es 2009 auch Insolvenzen zu beklagen. Insgesamt ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gegenüber dem Vorjahr jedoch leicht auf insgesamt 45.144 gestiegen. 130 Firmen siedelten sich neu in Offenbach an. Damit verbunden sind 600 Arbeitsplätze. Nach Ansicht von Oberbürgermeister Horst Schneider eine „enorme Zahl“. Er führt den Erfolg vor allem auf das hoch effiziente Team um den städtischen Wirtschaftsförderer Jürgen Amberger zurück.

„Jeder Kontakt eines Unternehmens zur Verwaltung ist ein Stück Wirtschaftförderung“, ist Amberger überzeugt. Denn bei jedem Kontakt vermittelt die Stadt einen Eindruck, und der kann positiv oder negativ sein. Offenbach versucht in der Standortkonkurrenz nach wie vor durch eine höchst flexible und dienstleistungsorientierte Verwaltung zu punkten. Mit Erfolg: Die Abwanderung der AXA-Versicherung wurde verhindert. Das Unternehmen zog ins Haus der Wirtschaft. Damit sind 330 Arbeitsplätze in Offenbach gesichert. Dies sei nach einer intensiven Prüfung mehrerer Standorte außerhalb Offenbachs erfolgt. Schließlich seien alle mit der Entscheidung betrauten Personen von den Vorzügen Offenbachs überzeugt gewesen, heißt es im Bericht der Wirtschaftsförderung. Und für die Erstplatzierung im Standort-Ranking spielen mitunter auch vermeintlich unbedeutende Aspekte eine Rolle, wie der, dass die AXA-Mitarbeiter künftig die Rathaus-Kantine mitnutzen können.

Gute Bestandssicherung ist aus Ambergers Sicht die beste Werbung um Neuansiedlungen. Und die Fachwelt teilt seine Einschätzung. Für einen Standort spricht nach Auffassung von Experten vor allem, ob die ansässigen Unternehmen gehalten werden können. „Offenbach ist groß genug, dass wir eine gute Infrastruktur bieten können, und klein genug, dass wir diese Strukturen noch durchschauen“, so Amberger. Kontaktpflege ist das A und O, denn es gilt, frühzeitig zu intervenieren, wenn in einem Unternehmen die Zeichen auf Veränderung stehen.

Viel Bewegung im Einzelhandel

Größte Neuansiedlung mit insgesamt 250 Arbeitsplätzen: Das KOMM (Kaufhaus Offenbach/Main-Mitte) mit Marken-Shops, die bisher noch nicht in Offenbach vertreten waren. Die Einzelhandels-Landschaft hat auch außerhalb des KOMM einige Neuzugänge zu verzeichnen, wie Esprit, Reno-Schuhe, my shoes oder essence-Kosmetik. Auch die Wirtschafts- und Strukturbank Hessen hat sich in Offenbach angesiedelt. In Offenbachs Büro-Standort Nummer 1, dem Kaiserlei, stehen damit bloß noch einige Restflächen leer. Auch in der Branche Kreativ-Wirtschaft, um deren Förderung sich die Stadt Offenbach besonders bemüht, gab es Neuansiedlungen, darunter die Firma Sensory Minds, die aus Sicht des Wirtschaftsförderers ein erstklassiges Aushängeschild für den Standort Offenbach darstellt. Die Firma hat am Nürburgring den weltweit größten Touchscreen realisiert. „Die Firma hat zwar nur 20 Mitarbeiter, aber sie schwimmt in einem Bassin, wo sonst nur große schwimmen“, sagt Amberger. Eine Expansion von rund 1000 auf perspektivisch etwa 1500 Mitarbeiter erhofft sich Oberbürgermeister Schneider von der Firma Siemens Sector Energy, die Flächen im neu gebauten Gebäude M2O im Kaiserlei angemietet hat. 100 Arbeitsplätze hat die Firma K&K Getränke von Hanau nach Offenbach gebracht. Und die Firma Falken Tyre hat im City-Tower ihre Europa-Zentrale eröffnet.

Um Offenbach als Kreativ-Standort noch besser zu vermarkten, hat der Magistrat jüngst beschlossen, die Offenbacher Werbeagentur Hilt Griesbaum mit der Erstellung eines Marketing-Konzepts zu betrauen. 60 Offenbacher Agenturen waren zum Ideen-Wettbewerb eingeladen, 14 hatten sich laut Amberger beteiligt. Einschließlich 100.000 Euro für Marketing-Aktivitäten zu Gunsten der Kreativ-Wirtschaft sowie 35.000 Euro, mit denen die Stadt die neue Stiftungsprofessur an der Hochschule für Gestaltung unterstützt, um die Kreativ-Wirtschaft auch wissenschaftlich zu flankieren, hat das siebenköpfige Team der städtischen Wirtschaftsförderung im kommenden Jahr einen Etat in Höhe von rund 200.000 Euro zur Verfügung. „Bei der Offenbacher Wirtschaftsförderung stehen Input und Output in einem grandios positiven Verhältnis“, so OB Schneider.

Erstmals Investoren-Frühstück

Das Team um Amberger lässt sich stets neu, wirkungsvolle Aktionen einfallen: Sehr geschätzt wird die Top100-Veranstaltung im Capitol, die 2009 mit 150 Gästen einen neuen Rekord verzeichnet hat. Laut Amberger ist die Veranstaltung eine wichtige Kommunikationsarena in Offenbach. Firmen nutzen sie, um Partner zu finden, die zur erfolgreichen Auftragsabwicklung nötig sind. Erstmals wurde 2009 das Investoren-Frühstück veranstaltet. Für Makler, Projektentwickler und Unternehmensberater hatte die Wirtschaftsförderung extra in Zusammenarbeit mit dem städtischen Vermessungsamt eine DVD produziert, auf der alle wichtigen Standort-Informationen enthalten sind.

Bedauerlich ist aus Ambergers Sicht die Insolvenz des Golden Tulip Hotels im Stadtteil Kaiserlei, wo ein Hotel dieser Größenordnung gebraucht werde. Bedauerlich auch, dass die lange befürchtete Entscheidung der Firma Clariant, den Standort in Offenbach gänzlich aufzugeben, inzwischen offiziell ist. Zum 31. März 2010 wird auf dem ehemaligen Hoechst-Gelände am Main auch die Reflexblau-Produktion eingestellt. Ein Teil der Mitarbeiter wird darüber hinaus noch für drei Monate weiterbeschäftigt, um den Produktionsstandort komplett abzuwickeln, 60 Mitarbeiter werden in eine Transfergesellschaft überführt. Schneider und Amberger gehen davon aus, dass Clariant das Gelände perspektivisch verkaufen wird. Um die künftige Nutzung der 30 Hektar großen Fläche zu beeinflussen, bereitet die Stadt gerade die Aufstellung eines Bebauungsplans vor, der dort auch in Zukunft einen chemischen Gewerbepark vorsieht – unter anderem mit Pellet-Produktion.