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18. Juni 2009: Profi-Fußball kann in Offenbach auch in Zukunft gedeihen. Ein Grundsatzbeschluss des Magistrats schafft die Voraussetzungen für den Neubau eines Stadions am Bieberer Berg. Das neue Stadion soll das geeignete Umfeld für einen Spielbetrieb der Offenbacher Kickers in der zweiten Liga bieten. Oberbürgermeister und Sportdezernent Horst Schneider rechnet damit, dass das vorliegende Konzept in der Stadtverordnetenversammlung eine breite Mehrheit findet. „Schon die Vorbereitungen haben bewiesen: Wenn wir in Offenbach alle Kräfte bündeln, dann können wir Dinge auf den Weg bringen, die noch vor wenigen Monaten als aussichtslos galten“, so Schneider. „Als Traditionsverein und Imageträger gehören die Kickers einfach zu unserer Stadt. Dafür sind wir bereit zu investieren.“

„Für uns ist das ein sehr guter Tag“, sagte OFC-Vizepräsident Thomas Kalt. Denn für den Drittligisten ist nun ein bedrohliches Damokles-Schwert entschärft: Der Ligaverband DFL habe dem Verein bereits signalisiert, dass das bestehende Stadion am Bieber Berg für die Zweite Liga nicht zugelassen werde. Im Falle eines Aufstiegs hätte man in ein anderes Stadion ausweichen müssen. Nun, da ein Neubau absehbar sei, werde die DFL wohl eine Ausnahmegenehmigung erteilen, falls die Kickers in der kommenden Saison aufsteigen sollten. „Allen, die an der bestehenden Sportstätte festhalten, sei gesagt, sie sollen die Diskussion beenden“, so Kalts Appell an die Fans.

Das vorliegende Konzept geht von Baukosten in Höhe von rund 25 Millionen Euro aus. Darin enthalten sind auch Kosten in Höhe von rund einer Million Euro, die dadurch entstehen, dass der Spielbetrieb während des Baus weiterläuft. Bauherrin soll die neu zu gründende Stadiongesellschaft Bieberer Berg sein, eine hundertprozentige Tochter der Sport und Freizeit GmbH (SFO), die ihrerseits eine Tochtergesellschaft der Stadtwerke Offenbach Holding (SOH) ist. Die Stadiongesellschaft wird das Stadion für jährlich 450.000 Euro an den OFC vermieten, der dafür seine Profiabteilung in eine spezielle Kapitalgesellschaft ausgliedern wird.

Für 18.000 Zuschauer - Aufstockung möglich
Das neue Ein-Rang-Stadion soll 18.000 Zuschauer fassen. Auf der Gegentribüne sind 8000 Stehplätze vorgesehen. Ohne großen baulichen Aufwand ließe sich das Stadion bei Bedarf um 3000 Sitzplätze erweitern, indem unter dem Dach zusätzliche Zuschauerbalkone aufgehängt werden. Für OFC-Vizepräsident Kalt ist dies keine Notlösung. „Wir haben ein Modell der Vernunft konstruiert.“ Kalt rechnet damit, dass das knappe Platzangebot den Verkauf von Dauerkarten steigern wird. Das neue Stadion werde sich sicherlich besser vermarkten lassen. Dass der künftige Mietpreis über dem heutigen liege, lasse sich durch die höhere Energieeffizienz des neuen Stadions gut verkraften. Gegenüber dem, was andere Zweitligisten für ihre Spielstätte aufbringen müssten, sei der Mietpreis sogar günstig, was dem Verein perspektivisch Wettbewerbsvorteile bringe.

SFO-Geschäftsführer Dieter Lindauer, der die Stadion-Konzeption maßgeblich vorangetrieben hat, hält den Mietpreis für auskömmlich, um die Aufwendungen der Betreibergesellschaft zu decken. „Uns war es wichtig, keine dauerhaften Verluste zu riskieren“, so Lindauer, der auch die Geschäfte der neuen Stadiongesellschaft führen soll. Sie wird das Stadion auch in Zukunft für Konzerte und andere Großveranstaltungen vermarkten.

Detailplanung steht noch aus
Bauliche Details sind noch nicht bekannt. Denn mit Unterstützung des Instituts für Sportstättenberatung (IFS) strebt die Stadiongesellschaft einen kombinierten Bau- und Planungswettbewerb an. Das bedeutet, dass Bauunternehmen, die sich um die Ausführung des Neubaus bewerben, eine eigene Planung zur Erfüllung der funktionalen Anforderungen vorlegen müssen. Von der Angebotsabgabe bis zum Zuschlag werden nach Schätzung von IFS-Geschäftsführer Dr. Claus Binz mindestens drei Monate vergehen. In dieser Phase werde auch noch heftig über die tatsächlichen Baukosten verhandelt.

Binz und Lindauer halten die aktuelle Kostenschätzung allerdings für sehr zuverlässig, denn der Betrag orientiere sich an vergleichbaren Stadion-Neubauten und beziehe marktübliche Preise für die erforderlichen Bauleistungen mit ein.

In den 25 Millionen Euro enthalten sind rund 17,6 Millionen für das neue Stadion, 1,6 Millionen Euro für Abrissarbeiten, 2,5 Millionen Euro für Baunebenkosten sowie 1,8 Millionen Euro für Infrastruktur und Außenanlagen.

Verhandlungen über Landeszuschuss
Fünf Millionen Euro will die Stadt Offenbach in den kommenden Jahren an Haushaltsmitteln beisteuern, mit weiteren fünf Millionen Euro beteiligt sich die SOH an den Baukosten. 15 Millionen Euro sollen durch Bankdarlehen, Fördermittel und Zuschüsse gedeckt werden. Über einen möglichen Zuschuss verhandelt die Stadt bereits mit dem Land Hessen.

Die Spielfläche soll am bisherigen Standort bleiben. Die Tribünen werden voraussichtlich näher ans Spielfeld heranrücken. Die Atmosphäre im traditionsreichen Stadion Bieberer Berg soll damit künftig noch dichter, das Spielgeschehen für die Zuschauer noch intensiver erlebbar werden.

„Wenn wir in den kommenden fünf Jahren keinen Neubau hinkriegen, dann ist der Profi-Fußball in Offenbach tot“, hatte OB Host Schneider 2007 prognostiziert. Dieses Ende könnte nun erfolgreich abgewendet sein. „Wir können und wollen uns ein Scheitern nicht mehr vorstellen“, sagt OFC-Vize Kalt. Der Vorsitzende des Sportkreises Offenbach, Peter Dinkel, bezeichnete den geplanten Neubau als wichtig für die Sportstadt Offenbach. Die Hoffnung sei nun greifbare Realität geworden.

Nach dem letzten Heimspiel der kommenden Saison, also im Sommer 2010, soll der Neubau beginnen und noch vor Beginn der Spielsaison 2011/2012 vollendet sein. „Wir zeigen Offenbach“ steht auf dem Kickers-Trikot, das Vize-Präsident Thomas Kalt dem bekennenden Kickers-Fan Horst Schneider anlässlich der Konzeptvorstellung für den Neubau überreichte. Und Schneider versprach: „Zum Eröffnungsspiel werde ich es tragen.“

Weitere Berichte zum Thema finden sich online beim OFC-Fanradio und dem Hessischen Rundfunk.