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27. April 2009: Den Wasserfreu(n)den am Schultheis-Weiher steht nichts mehr im Wege: Am 1. Mai begann in dem Offenbacher Naturschutzgebiet offiziell die Badesaison. 2008 war der Weiher wegen der ökologischen Sanierung für den Badebetrieb gesperrt. „Wir hoffen, dass die Wasserqualität jetzt hält“, sagte Bürgermeisterin und Umweltdezernentin Birgit Simon. Eine Garantie dafür gebe es allerdings nicht.

In dem „wunderbaren Naherholungsgebiet“ sei der durch Wasservögel verunreinigte Sand am Seeufer komplett ausgetauscht worden, kündigte Simon an. Erste Sandburgen am Strand kündeten schon von freudigen Familienausflügen an den Weiher. Und ab 1. Mai sorgen nun ein Schwimmmeister der stadteigenen Gebäudemanagement GmbH und sein Gehilfe dafür, dass die Besucher gefahrlos im Wasser planschen und schwimmen können.

Für den Badebetrieb sieht das Offenbacher Stadtgesundheitsamt „alles im grünen Bereich“, betonte dessen Leiter Dr. Michael Maiwald. Die Wasserproben, die alle 14 Tage entnommen werden, seien „hervorragend“. Von den Blaualgen oder Cyano-Bakterien, die voriges Jahr das Hauptproblem darstellten, wurden 15 Mikrogramm pro Liter gemessen – behandlungsbedürftig ist ein Gewässer laut EU-Badewasserrichtlinie erst ab 40 Mikrogramm Blaualgen je Liter. Maiwalds Zwischenfazit: „Wir haben eine sehr gute bakteriologische Qualität.“

Zu verdanken ist dies der ökologischen Sanierung des Sees, die das Amt für Umwelt, Energie und Mobilität 2006 begonnen hat. Ziel des auf fünf Jahre angelegten Projekts ist es, die Selbsthilfekräfte des Ökosystems im Schultheis-Weiher zu stabilisieren, um wieder eine möglichst natürliche Struktur herzustellen.

„2008 haben wir das Gewässer akut bearbeitet“, sagte Amtsleiterin Heike Hollerbach. So wurde der hohe Phosphatanteil im Seewasser und im Sediment durch chemische Fällungsprozesse gebunden; das entzieht den Blaualgen die Nährstoffgrundlage. Abfischaktionen dezimierten vor allem die Zahl der Graskarpfen – sie fressen zu viele Wasserpflanzen, die der Weiher für ein stabiles Ökosystem braucht. Nun seien diese für den See überlebensnotwendigen Pflanzen schon sehr dicht und sehr früh gewachsen, erläuterte der Gewässerökologe Christian Schuller: „Das ist ein gutes Zeichen im Wettrennen zwischen Blaualgen und Wasserpflanzen.“ Gebremst werden sollen die Cyano-Bakterien zudem durch eine neue mobile Absauganlage.

Um den idyllischen Ausflugsort weiter aufzuwerten, haben das städtische Forstamt und die gemeinnützige Offenbacher Ausbildungs- und Beschäftigungsgesellschaft (GOAB) viele Bereiche, Wege und Plätze freigeschnitten und den Anglerzaun an der Liegewiese entfernt. Von 1. Mai bis 15. September wird hier nun zwischen 11 und 22 Uhr kontrolliert, ob die Besucher die Regeln des Naturschutzgebiets – z.B. keine Hunde, kein Feuer – einhalten, ein Bewachungsbetrieb regelt außerdem wie gewohnt die Freihaltung der Zufahrten.

Die Bürgerinnen und Bürger haben ihre traditionell hohe Akzeptanz des Areals auch in diesem Jahr bereits bewiesen: An Karfreitag tummelten sich auf der Liegewiese mehr als 350 Menschen. Nun werde sich zeigen, wie der Weiher den Badebetrieb im „Echt-Test“ verkraftet, meinte Heike Hollerbach. Bei derzeit 15 Grad Wassertemperatur lässt der wahre Ansturm aber wohl noch etwas auf sich warten.