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21. Oktober 2009: Das Land Hessen hat die Stadt Offenbach als Modellregion Integration ausgewählt. Damit hat Offenbach als eine von landesweit sechs Kommunen Anspruch auf Fördermittel des Landes, um ihre bisherigen Anstrengungen zur Integration von Einwandererfamilien zu vertiefen und auszuweiten. Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Birgit Simon begrüßt die Initiative der Landesregierung: „Das Land Hessen stellt sich seiner Verantwortung und unterstützt die Integrationsleistung der Kommunen“, so Simon.

Die finanzielle Ausstattung des Programms ist noch nicht abschließend geklärt. Die Rede ist von einer jährlichen Fördersumme in Höhe von 1,2 Millionen Euro von 2010 bis 2013, wobei die geförderten Kommunen jeweils auch einen Eigenanteil aufbringen müssen. Unklar ist auch, mit welcher Summe die Stadt Offenbach rechnen kann, denn die Förderrichtlinien sind noch in Arbeit. Laut Matthias Schulze-Böing, Leiter des Amtes für Arbeitsförderung, Statistik und Integration, ist für kommende Woche ein Gespräch in Wiesbaden geplant. Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn hat angekündigt, die Kommunen könnten ab 1. Januar 2010 Anträge auf Fördermittel einreichen.

Neben den Städten Wetzlar, Wiesbaden und Kassel sowie den Landkreisen Hochtaunus und Main-Kinzig wurde Offenbach vor allem ausgewählt, weil der Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund mehr als 45 Prozent beträgt und damit überdurchschnittlich hoch ist. Besorgnis erregend ist aus Sicht der Landesregierung auch der hohe Anteil an ausländischen Jugendlichen, die die Hauptschule ohne Abschluss verlassen. Dies unterstreiche die Notwendigkeit einer engagierten Integrationspolitik, heißt es aus dem hessischen Ministerium für Justiz, Integration und Europa. Gleichzeitig erkennt das Ministerium das außerordentliche Engagement der Stadt Offenbach an.

Dieses Engagement zielt laut Sozialdezernentin Simon vor allem darauf ab, den Bildungsstand unter Migrantinnen und Migranten zu heben und die Arbeitslosenquote zu senken. Denn nur daraus erwachse wirkliche gesellschaftliche Teilhabe, so Simon.

In ihrer Bewerbung für das Förderprogramm hat die Stadt Offenbach fünf Handlungsfelder skizziert: Die Stärkung der Selbstorganisation von Migrantinnen und Migranten, die Förderung aktiver bürgerschaftlicher Teilhabe, die Entwicklung von Quartieren mit hohem Migrantenanteil, die Verbesserung der Bildungschancen und eine verbesserte Gesundheitsvorsorge.

Zu jedem Handlungsfeld enthält die Bewerbung einen Projektvorschlag: So sollen etwa Eltern in einer Art „Elternschule“ für die Unterstützung der Schullaufbahn ihrer Kinder qualifiziert werden. Integrationslotsen sollen Brücken zu den Gemeinschaften von Migranten schlagen. Mit der Einrichtung von Quartiersbüros sollen die guten Erfahrungen aus dem Hegiss-Projekt in der östlichen Innenstadt auf andere Stadtteile übertragen werden. Laut Simon geht es nicht darum, lauter neue Projekte zu installieren. Sie strebt vielmehr an, den Erfolg von Mikroprojekten zu verstetigen, da deren Wirksamkeit bisher sehr stark vom Engagement einzelner, zum Teil ehrenamtlicher Personen abhänge. Deren Professionalität gelte es zu stärken. Um die Koordinierung zu verbessern sieht die Bewerbung Offenbachs daher auch zusätzliches Personal vor, darunter eine Projektleitung, zwei Mitarbeiter für Koordination sowie eine Verwaltungsfachkraft und Trainer zur Unterstützung ehrenamtlicher Kräfte. Für ihre Vorhaben hat die Stadt Offenbach jährlich Kosten in Höhe von 1,25 Millionen Euro veranschlagt. In den Gesprächen auf Landesebene werde es nun sicher auch darum gehen, die finanzielle Ausstattung des Programms mit Mitteln des Bundes oder der EU aufzustocken.

Als zentrales Instrument der Offenbacher Integrationspolitik nennt Simon das Kompetenzteam Zusammenleben, das seit zwei Jahren besteht, und dem neben dem Vorsitzenden des Ausländerbeirats auch die Spitzen der ausländischen Gemeinden und Vereine angehören.

„Die Auswahl Offenbachs als Modellregion für Integration ist eine Würdigung der großen Anstrengungen, die die Stadt in den vergangenen Jahren auf diesem Feld unternommen hat. Vieles, was wir in Offenbach praktizieren, gilt in der Tat als Modell für andere Städte und Regionen“, so Sozialdezernentin Simon. Die Bildung eines Netzwerks aus besonders kompetenten Kommunen könne dazu beitragen, Integration in ganz Hessen wirksamer und nachhaltiger zu gestalten.

In Offenbach wird das Amt für Arbeitsförderung, Statistik und Integration alle weiteren Aktivitäten im Rahmen des Förderprogramms koordinieren. Hessenweit hatten sich 17 Kommunen um Anerkennung als Modellregion Integration beworben.