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27. April 2010: Die Stadt Offenbach erhöht weiter ihr Betreuungsangebot – vor allem für Kinder unter drei Jahren. Nachdem der Magistrat einen entsprechenden Grundsatzbeschluss gefasst hat, muss nun die Stadtverordnetenversammlung zustimmen, damit bis 2013 weitere 459 Plätze für die Kleinsten geschaffen werden können. Mit 1280 Plätzen wären voraussichtlich 35 Prozent aller unter Dreijährigen versorgt. Diese Quote entspricht einer Empfehlung der Bundesregierung. Bürgermeisterin und Jugenddezernentin Birgit Simon ist aber skeptisch, ob der Bedarf in Offenbach damit tatsächlich gedeckt sein wird. Sie kritisiert, dass Bund und Land die Kommunen in Sachen Kinderbetreuung zum Spielball machen.

Ab 2013 soll jedes Kind unter drei Jahren den gesetzlichen Anspruch auf einen Betreuungsplatz haben. So will es der Gesetzgeber. Laut Berechnung des Eigenbetriebs Kindertagesstätten Offenbach (EKO) müsste die Stadt 3658 Plätze anbieten, wenn sie jedes berechtigte Kind versorgen wollte. Das ist nicht zu schaffen. Der Bund habe deshalb pauschal eine Quote von 35 Prozent empfohlen. Simon geht jedoch davon aus, dass die Nachfrage im Ballungsraum Rhein-Main höher sein wird als in ländlichen Gebieten. „Wir denken schon jetzt darüber nach, wie wir eine höhere Quote schaffen können“, sagt sie.

Vor nicht allzu langer Zeit habe der Bund noch eine 22-prozentige Quote bis Ende 2010 gefordert, so die Bürgermeisterin. Wäre es dabei geblieben, hätte Offenbach 2009 die geplante Ausbaustufe um 16 Plätze übertroffen. 821 Plätze waren Ende 2009 vorhanden. Im Laufe dieses Jahres sollen weitere 134 Plätze hinzukommen, davon 90 in Einrichtungen. Kirchengemeinden, ASB und StartHaus hätten die Bereitschaft zum Ausbau ihrer Kapazitäten signalisiert, so Simon. 44 weitere Plätze soll es in der Tagespflege geben. In den folgenden Jahren bis 2013 sollen jeweils 108 bis 109 zusätzliche U3-Plätze geschaffen werden.

Für die Drei- bis Sechsjährigen will Simon das Betreuungsangebot auf 98 Prozent erhöhen. Laut aktueller Beschlusslage der Stadtverordnetenversammlung sind 85 Prozent ausreichend. Doch das tatsächliche Angebot liegt schon jetzt um 395 Plätze darüber. Für 4090 Plätze gab es laut EKO Ende 2009 eine Betriebserlaubnis. Um 95 Prozent aller Drei- bis Sechsjährigen zumindest eine Vormittagsbetreuung anbieten zu können, müssen noch 171 Plätze geschaffen werden. Um eine 100-prozentige Versorgung sicherzustellen, müssten noch 258 Plätze her.

Auch in der Hortbetreuung für Grundschulkinder gibt es noch Nachholbedarf. Ende 2009 gab es 178 Plätze zu wenig – gemessen an der angestrebten Quote von 25 Prozent. Aktuell gibt es für 967 der insgesamt 4579 Grundschüler in Offenbach eine Hortbetreuung. Angestrebt sind 1145 Plätze. 55 sollen im Laufe des Jahres hinzukommen, wobei Jugendamt und EKO mit den Schulen kooperieren, beispielsweise bei der Einrichtung von Ganztagsklassen, wie es sie inzwischen an mehreren Grundschulen gibt.

Aktuell wird die Offenbacher Planung von der so genannten Mindestverordnung überschattet, mit der das Land Hessen Qualitätsstandards in der Kinderbetreuung festschreiben will. Laut einer Aussage von Familienminister Jürgen Banzer will Hessen die Mehrkosten nur noch jenen Kommunen erstatten, die bessere Personalausstattung und kleinere Gruppen erst nach dem 1. September 2009 umgesetzt haben. Alle Kommunen, die der Mindestverordnung zuvorgekommen sind, sollen hingegen leer ausgehen. Das betrifft laut Bürgermeisterin Birgit Simon zum Teil auch Offenbach. Denn die Stadt hat von sich aus den Betreuungsschlüssel auf 1,75 bis 1,78 Fachkräfte pro Gruppe erhöht. Nach der Mindestverordnung sind 1,75 Fachkräfte gefordert. Die Gruppenstärke soll statt 25 nur noch 15 bis 25 Kinder betragen. Laut Simon zieht dies enorme Personalkosten und außerdem Investitionskosten für zusätzliche Räume nach sich.

In Krippen für die unter Dreijährigen müssen pro Gruppe zwei Erzieherinnen vorhanden sein und die Gruppen dürfen nicht mehr als zehn Kinder umfassen.
Fachlich nicht gerechtfertigt findet Simon die Größenvorgabe für Hortgruppen. Die sollen künftig maximal 20 Kinder umfassen, also sogar kleiner sein als eine Kindergartengruppe. „Eine solche Vorgabe ist nicht logisch begründet“, sagt Simon. Sie hält es für sinnvoller, dass eine Kommune ihre eigenen Qualitätsmaßstäbe setzt und auch die Gruppen verkleinert, um einem erhöhten Bildungsbedarf der Kinder Rechnung zu tragen oder die Integration von Zuwandererkindern zu erleichtern. Simon: „Offenbach braucht keine Qualitätsvorgaben, Offenbach braucht finanzielle Unterstützung bei der Umsetzung.“