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29. April 2010: Bessere Atemluft für Offenbach. Darauf zielt ein ganzes Bündel von Maßnahmen ab, die das Umweltamt der Stadt Offenbach zusammengestellt hat. Bürgermeisterin und Umweltdezernentin Birgit Simon verspricht sich davon eine Verringerung der Schadstoffbelastung in der Luft. Der Maßnahmenkatalog ist Teil der Fortschreibung des Luftreinhalteplans für den Ballungsraum Rhein-Main. Das hessische Umweltministerium wird die Vorschläge nun auf ihre Wirksamkeit prüfen. Erste Schritte könnten noch in diesem Jahr erfolgen, sagt Simon. Sie ist überzeugt: „Offenbach hat einen sehr qualifizierten Plan vorgelegt.“

Insbesondere geht es darum, den Gehalt an Feinstaub und Stickstoffdioxid (NO2) in der Luft zu senken. Stickstoffdioxid schädigt die Atemwege und begünstigt Herz- und Kreislauferkrankungen. Hauptverursacher sind Kraftfahrzeuge. Und so dreht sich der Offenbacher Maßnahmenkatalog ausnahmslos um Verkehrsfragen.

An vier neuralgischen Punkten in Offenbach lag der NO2-Durchschnittswert im vergangenen Jahr erheblich über den Grenzwerten. Statt der zulässigen 40 Mikrogramm pro Kubikmeter wurden in der Bieberer Straße 55 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen, in der Mainstraße waren es 57 Mikrogramm pro Kubikmeter. Der Wert in der Grenzstraße lag bei 47 und in der Waldstraße bei 44 Mikrogramm pro Kubikmeter. Das Umweltamt geht davon aus, dass es an anderen stark belasteten Hauptstraßen im Stadtgebiet zu ähnlichen Grenzwertüberschreitungen kommt.

Damit die Stadt ihre Vorschläge zur Schadstoffreduzierung umsetzen kann, muss das Land nicht nur die Wirksamkeit bescheinigen. Es erfolgt auch eine Abstimmung mit dem Verkehrsministerium hinsichtlich der Zumutbarkeit. Es findet also ein Abwägungsprozess statt. Und eine solche Abwägung hat auch das städtische Umweltamt bereits im Vorfeld vorgenommen. Einige Vorschläge muten deshalb vergleichsweise geringwertig an, sollen ihre Wirkung jedoch in der Summe entfalten, wie die verantwortliche Mitarbeiterin beim Offenbacher Umweltamt, Dr. Irene Haas, betont.

So soll beispielsweise in der Bieberer Straße (zwischen Hebestraße und Berliner Straße) sowie in der Mainstraße (zwischen Arthur-Zitscher-Straße und Kaiserstraße) Tempo 30 eingeführt werden – allerdings nur während der Nachtstunden. Wenn die Bevölkerung sich daran gewöhnt habe, könne man das Tempolimit eventuell auf den ganzen Tag ausdehnen, so Simon. „Tempolimits bringen immer etwas“, sagt Diplom-Chemikerin Haas. Umso mehr ärgert es die Umweltdezernentin, dass die Landesregierung kürzlich das Tempolimit auf der Autobahn 661 in Höhe Offenbachs aufgehoben hat. Denn dies sorge für eine stärke Belastung des Stadtgebiets. Und so müsse die Stadt jetzt noch größere Anstrengungen unternehmen, um die Belastung zu senken.

Sie schlägt für die Nachtstunden auch ein Lkw-Fahrverbot in der Mainstraße vor. Dort sorgt außerdem die Schiffsanlegestelle für eine starke Belastung der Anwohner. Öl- oder Kohle-Transportschiffe liegen dort regelmäßig über Nacht vor Anker. Zwar ist bisher nicht bekannt, für welches Maß an Emissionen allein die Schiffe verantwortlich sind. Bürgermeisterin Simon geht aber davon aus, dass das Landesumweltamt nun entsprechende Messungen vornimmt. Sollte sich bestätigen, dass von den ankernden Schiffen eine erhebliche Belastung ausgeht, wie dies die Anwohner vermuten, müsste die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes die Verlegung der Anlegestelle prüfen.

In der Unteren Grenzstraße und in der Waldstraße schlägt die Stadt eine Optimierung der Ampelschaltung vor, damit der Verkehr nach Möglichkeit durchgehend fließt und es nicht durch ständiges Stopp and Go zu vermehrtem Schadstoffausstoß kommt. Der neue Verkehrsrechner der Stadt Offenbach würde aus Sicht der Bürgermeisterin auch ermöglichen, die Ampelphasen stärker dem jeweiligen Verkehrsaufkommen anzupassen.

Außerdem soll Offenbach Umweltzone werden, um auf diese Weise auch die Feinstaub-Belastung einzudämmen. Gerne hätte sich Offenbach dem Start der Umweltzone in Frankfurt angeschlossen, wie Birgit Simon erklärt. Und auch die Stadt Frankfurt habe dies für sinnvoll erachtet. Der gemeinsame Start sei jedoch am Einspruch der Landesregierung gescheitert, weil für Offenbach noch keine ausreichenden Messergebnisse vorgelegen hätten. Nun hat die Stadt Offenbach zwei Varianten vorgeschlagen – ein große Umweltzone einschließlich der Stadtteile und eine kleine, die nur die Innenstadt umfasst. Das Landesumweltamt werde nun die nötigen Berechnungen anstellen. Die Landesregierung habe ihr zugesagt, die größere Variante anzuordnen, wenn die Bevölkerung der Stadtteile dies wünsche. „Die Umweltzone kann 2011 eingeführt werden“, sagt Simon.

Zum Maßnahmenkatalog der Stadt gehören auch Vorschläge, die darauf abzielen, den Individualverkehr zu verringern und den öffentlichen Nahverkehr zu stärken. Doch nicht allein das Umsteigen auf den Bus soll den Offenbacherinnen und Offenbachern schmackhaft gemacht werden. Auch das Umsteigen auf Fahrrad soll attraktiver werden – durch die Öffnung von Einbahnstraßen für den Radverkehr, durch den weiteren Ausbau des Radwegenetzes und eine verbesserte Infrastruktur mit mehr Fahrradabstellplätzen, Fahrradstadtplänen und Wegweisern.

Schließlich soll auch in der Siedlungsentwicklung stärker auf Fußgänger und Radfahrer und weniger auf Kfz-Verkehr abgestellt werden.

Bis Ende des Jahres soll der neue Luftreinhalteplan für die Region stehen. Die Stadt Offenbach erwartet bis Ende Mai eine Rückmeldung der Landesregierung auf ihre Vorschläge.