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06. Mai 2010: Die MainArbeit wendet sich Alleinerziehenden mit einem speziellen Angebot zu: Seit März existiert ein sechsköpfiges Expertenteam, das sich speziell um die Beratung und Vermittlung von alleinerziehenden SGB II-Bezieherinnen kümmert. Denn die haben es am Arbeitsmarkt besonders schwer. Eine Haupthürde: Die passgenaue Kinderbetreuung. Für dieses und andere Probleme sucht das Expertenteam der MainArbeit individuelle Lösungen. Mit Erfolg. Seit 1. März 2010 konnten bereits 20 Alleinerziehende in Arbeit vermittelt werden.

Lange bevor Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen die Förderung von Alleinerziehenden zur Chefsache machte, begegnete man dieser Gruppe in Offenbach mit speziellen Maßnahmen. Denn laut Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Birgit Simon sind Alleinerziehende einem erhöhten Armutsrisiko ausgesetzt. Weil sie die Verantwortung für ihre Kinder alleine tragen, sind sie am Arbeitsmarkt schwerer vermittelbar. Bei Krankheit des Kindes fallen Alleinerziehende schneller aus als Mütter in geteilter Elternschaft. Die Folge dieser Vermittlungshürde: Alleinerziehende beziehen länger Hartz IV und rutschen ab in die Langzeitarbeitslosigkeit.

„Die Betreuungsmöglichkeiten sind stark angewachsen“, sagt Bürgermeisterin Simon. Mit speziell geschulten Tagesmüttern kann die MainArbeit inzwischen sogar Betreuung in Randzeiten vermitteln. Auch die Kita Potzblitz bietet Randzeitenbetreuung an – für Kinder im Alter von sechs Monaten bis zwölf Jahren. Doch Kinderbetreuung ist nicht das einzige Thema, das es zu beackern gilt. Auch die Effizienz der Vermittlungsstrukturen wurde auf den Prüfstand gestellt. „Die Gruppe der Alleinerziehenden ist sehr bunt. Die Biografien und Qualifikationen sind sehr unterschiedlich“, sagt Charlotte Buri, Leiterin des Bereichs Beratung und Vermittlung bei der MainArbeit.

Das Expertenteam kooperiert unter anderem mit „Goldmarie“, einem Projekt des städtischen Jugendamtes, das sich speziell an junge Mütter unter 25 wendet. Viele von ihnen haben keine Berufsausbildung. Ebenfalls speziell ist die Lebenssituation vieler Migrantinnen, die im Alter von rund 30 Jahren häufig ebenfalls keine Ausbildung vorweisen können und zwei bis drei, oftmals kleine Kinder haben.

Régine Bozon, Leiterin des Projektes Alleinerziehende bei der Main Arbeit, unterstreicht das ständige Bestreben des Projektteams, für jeden Einzelfall eine nachhaltige und stabile Lösung zu suchen.

Nie habe es so viele institutionelle Hilfen gegeben wie heute, so Bürgermeisterin Birgit Simon. Doch gehe es auch darum, private Netzwerke zu stärken. Mehrgenerationenhäuser, aktive Nachbarschaftshilfe oder auch Strukturen in den Stadtteilen könnten Alleinerziehenden die Aufnahme einer Tätigkeit erleichtern. „Kinderbetreuung alleine reicht nicht aus“, so Birgit Simon. Denn für Alleinerziehende, die versuchten, Beruf und Kind zu vereinbaren, sei die Belastung enorm. Viele Alleinerziehende seien zudem sozial isoliert und verfügten nicht über soziale Netzwerke, die ihnen zusätzlich Stabilität verschaffen könnten. Mit niederschwelligen Angeboten wie dem Elternfrühstück im Mehrgenerationenhaus Sandgasse wird versucht, die Isolation aufzubrechen und wohnortnah den Austausch zu fördern.

Das Expertenteam berät Alleinerziehende auch bei der Planung des beruflichen Wiedereinstiegs, denn wenn das jüngste Kind drei Jahre alt ist, gilt die Mutter im Regelfall wieder als erwerbsfähig. Karin Dörr, Frauenbeauftragte der Stadt Offenbach, fordert ein allgemeines Umdenken: Auch die Vermittlung einer Teilzeitstelle könne als Erfolg gelten. Bei Jobcentern und Arbeitsagenturen werde dies oft nicht so gesehen.

Dass man sich nicht allein aus sozialpolitischen Gründen für die Alleinerziehenden engagiert, sondern auch wirtschaftspolitische Erwägungen eine Rolle spielen, hebt Dr. Mathias Schulze-Böing, Geschäftsführer der MainArbeit hervor. Perspektivisch sei mit einem Fachkräftemangel zu rechnen, dem mit entsprechenden Qualifizierungsmaßnamen und Anreizen bereits jetzt begegnet werden könne.

Und dass die Sorge mancher Mutter über den frühen Wiedereinstieg in das Berufsleben unbegründet ist, bestätigt die Brigitte-Studie von 2008 mit dem Titel „Frauen auf dem Sprung“: Nachweislich sind Kinder berufstätiger Mütter zufriedener als andere.