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06. Juni 2010: Die Tagespflege ist zusätzlich zu institutionellen Kindertagesstätten ein wichtiges Standbein, um die Zahl der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren zu steigern. Ziel der Stadt Offenbach ist es, bis zum Jahr 2013 für 35 Prozent der unter Dreijährigen einen Betreuungsplatz bereit zu stellen. Neben der notwendigen quantitativen Entwicklung steht die Qualität der Betreuungsangebote im Mittelpunkt, die durch das geförderte „Aktionsprogramm Kindertagespflege“, einem Modellvorhaben des Eigenbetriebs Kindertagesstätten (EKO), gesichert wird.

Da die Tagespflege vom Gesetzgeber als Regelversorgungssystem vorgesehen ist, kommt aus Sicht von Bürgermeisterin Birgit Simon der Qualitätsentwicklung und -erhaltung besondere Bedeutung zu: „Es geht nicht nur um Betreuung, sondern immer auch um Bildung und qualifizierte Entwicklungsförderung der Kinder.“

Das Programm zur Qualifizierung von Tagesmüttern und –vätern setzen das Jugendamt der Stadt Offenbach und der Eigenbetrieb Kindertagesstätten in Kooperation mit der Volkshochschule, der Bundesagentur für Arbeit und der MainArbeit GmbH um. Die Qualifizierung erfolgt nach dem vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) entwickelten Curriculum zur Fortbildung von Tagespflegepersonen. Das Curriculum umfasst insgesamt 160 Unterrichtseinheiten von je 45 Minuten, die ein Kursteilnehmer bei der vhs Offenbach durchläuft. Dabei werden alle relevanten Aspekte der Erziehung und des Umgangs mit Kleinkindern abgedeckt und intensiv beleuchtet. Vor Einführung des Curriculums Anfang 2010 waren 60 Unterrichtsstunden für die Ausbildung Standard.

Vor Beginn der Maßnahme durchlaufen die potenziellen Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein intensives Vorscreening zur Eignungseinschätzung, an dem alle Institutionen des Kooperationsverbundes beteiligt sind. Das Screening erfolgt in fünf Schritten: Durch das Jugendamt festgelegte Ausschlusskriterien, Psychologischer Test durch den Psychologischen Dienst der Agentur für Arbeit, Schnupperpraktikum in einer städtischen Kindertagesstätte mit Reflexion der dort gesammelten Eindrücke und Erfahrungen, Gespräch und Hausbesuch sowie Gesundheitsüberprüfung sind Voraussetzung zur Teilnahme an dem Kurs, dienen der Eignungsfeststellung der angehenden Tagespflegepersonen und sind ein wichtiger Aspekt der Qualitätssicherung.

Ein weiterer Baustein des Programms ist die Unterstützung durch in Kitas des EKO eingerichtete „Qualitätsinseln“. Sie übernehmen die Funktion von Austausch- und Informationsplattformen zwischen dem pädagogischen Fachpersonal in der Kindertagesstätte und den Tagesmüttern und -vätern. Sechs Kitas haben sich dazu bereit erklärt und bieten regelmäßige Termine an.

Der erste Kurs der vhs Offenbach mit neun Teilnehmerinnen konnte bereits am 02.02.2010 starten und endete Anfang April. Der zweite Kurs mit insgesamt zwölf Teilnehmern, darunter zehn Frauen und zwei Männer, begann am 25.05.2010 und läuft bis zum 16.07.2010. Ein dritter Kurs ist vom 18.10.2010 bis 10.12.2010 mit zehn bis 15 Auszubildenden geplant. Die Kurse sind für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kostenfrei und werden durch die Agentur für Arbeit, die MainArbeit GmbH, den öffentlichen Träger der Jugendhilfe sowie aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds gefördert. Voraussetzung für die Förderung durch die Agentur für Arbeit ist, dass die Interessierten arbeitslos oder arbeitssuchend gemeldet sind.

Im Zeitraum Januar 2006 bis Mai 2010 stieg die Anzahl der Kinder in Tagespflege von 44 auf 328. Das Gesamtplatzpotential liegt derzeit bei 350 Plätzen gegenüber 314 Plätzen zum 31.12.2009. Mit Hilfe des „Aktionsprogramms Kindertagespflege“ ist die Ausbauvorgabe der Stadtverordnetenversammlung von 44 neuen Plätzen in 2010 bis auf noch acht zu schaffende Plätze zum gegenwärtigen Zeitpunkt bereits erreicht. 224 Plätze werden im Mai 2010 von Kindern unter drei Jahren genutzt, gegenüber noch 208 im März und 218 im April 2010. Die Steigerung in diesem kurzen Zeitraum zeigt, wie dringlich der Ausbau von Betreuungsplätzen für diese Altersgruppe ist

Die Netto-Ausgaben für Tagespflege im Haushalt der Stadt Offenbach beliefen sich im Jahr 2009 auf insgesamt rund 1,5 Mio. Euro. Die Landesförderung der Tagespflegestellen im Rahmen des Programms BAMBINI in Höhe von rund 670.000 Euro hinzugerechnet, brachte die öffentliche Hand in Offenbach rund 2,17 Mio. Euro im Jahr 2009 auf. Die Ausbauziele zeigen, dass hier noch erheblich steigende Ausgaben zu erwarten sind.