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21. Januar 2010: Zarte Folie wölbt sich über die Bühne im Jacques-Offenbach-Saal des Büsing-Palais´, richtet sich langsam auf zu voller Größe. Und begleitet von ätherischer Klangmalerei des Künstlers Franz Fendt entfaltet sich ein Luftschloss und bietet einen zwar verletzlichen und dennoch behaglichen Raum. „OF – atmet“ hat Eva Giersiepen vom Bund Offenbacher Künstlerinnen und Künstler (BOK) die szenische Installation genannt. Sie war das Dankeschön des BOK für den Kulturpreis der Stadt Offenbach, den Heide Khatschaturian und ihre Vorstandskolleginnen im Rahmen des diesjährigen Kulturempfangs aus der Hand von Oberbürgermeister und Kulturdezernent Host Schneider entgegennahmen. Schneider würdigte die Leistungen der Vereine für das kulturelle Leben in Offenbach und gab einen Überblick über jüngste Veränderungen innerhalb der städtischen Kulturinstitutionen und geplante Projekte.

Dass die Stadt Offenbach ihr kulturelles Angebot mit einem „extrem schmalen Budget“ realisieren muss, wie Schneider zu Beginn seiner Rede hervorhob, ist allen Kulturschaffenden in Offenbach bewusst. Dennoch, so Schneider, habe die Stadt den Kulturetat in den vergangenen Jahren sukzessive aufgestockt. Denn die Stadt wolle sich nicht darauf beschränken, ein Minimum vom Nötigsten zu bieten. Vielmehr sei man bestrebt, „mit schmalem, aber klug eingesetztem Budget sowohl am Ort Ereignisse und Erlebnisse zu bieten als auch kulturelle Angebote zu schaffen, die eine eigene Position in der Region einnehmen und die Bedeutung unserer Stadt deutlich über die Stadtgrenzen hinaus unterstreichen“.

„Schon seit vielen Jahrzehnten ergänzen sich in Offenbach die Kulturinstitutionen und –projekte der Stadt intensivst mit dem ehrenamtlichen Engagement der Bürgerinnen und Bürger“, so Schneider weiter und nannte exemplarisch die zum Teil hochkarätigen Chöre sowie Vereine, die den interkulturellen und interreligiösen Dialog in Offenbach fördern.

Der Kulturdezernent wies auf den neuen Kurator im Haus der Stadtgeschichte, Dr. Marcus Frings, hin, der den Leiter des Museums, Dr. Jürgen Eichenauer, bei der Aufarbeitung der Themen Migration sowie der Offenbacher Kunst- und Künstlergeschichte der vergangenen 100 Jahre unterstützen wird. Ein weiterer Ausblick: Das Archiv im Haus der Stadtgeschichte unter der Leitung von Anjali Pujari bereitet für Herbst 2010 eine Ausstellung über die in Offenbach geborene Olympia-Fechterin Helene Meyer vor. In Zusammenarbeit mit dem Klingspor-Museum sei ein groß angelegtes Ausstellungsprojekt über den Offenbacher jüdischen Bürger, Juristen und Kunstmäzen Siegfried Guggenheim geplant.

Schneider wies auch auf Projekte des Forums Kultur und Sport unter der Leitung von Dr. Ralph Philipp Ziegler hin. „Kommunales Kino“ und „Kunsthalle“ sind Projekte, die das Forum im Rahmen des Prozesses „Aktive Innenstadt“ verfolgt.

„Die Künstlerinnen und Künstler unserer Stadt liegen uns am Herzen, und zwar nicht nur als schönes Accessoire“, so Schneider mit Blick auf den Kulturpreisträger 2009, den BOK, einer Vereinigung von 47 bildenden Künstlerinnen und Künstlern. Sie seien ein integraler Bestandteil der Stadtgesellschaft, die Inspirationen aus der Stadt aufnehmen und Inspirationen aussenden. Jede Künstlerin und jeder Künstler lasse ein Stück neue Weltsicht entstehen. „Darauf können und wollen wir nicht verzichten“, so Schneider.

Die Stadt Offenbach beweise mit der Verleihung des jährlichen Kulturpreises, dass sie ihre Kulturlandschaft pflege, äußerte der Kunstkritiker Dr. Roland Held in seiner Laudatio zum Kulturpreis 2009. Er charakterisierte den BOK als eine pragmatische Künstlervereinigung, die eher durch ihren Anspruch an künstlerische Qualität als durch eine Ideologie zusammengehalten werde. Die Mitglieder des BOK zögen sich nicht in einen elitären Elfenbeinturm zurück, sonst bemühten sich entschieden um Öffentlichkeit, beispielsweise durch die jährlich etwa acht Gruppenausstellungen im Salon 13. „Künstler sind nicht allein Kosmetik für eine graue urbane Welt. Ihr Wirken verwandelt eine Stadt“, so Held. Künstlerinnen und Künstler demonstrierten durch ihr Wirken, dass das Leben nicht allein aus dem „schnöden Austausch von Waren und Leistungen“ besteht. Eine Gesellschaft empfange aus der Kunst Alternativentwürfe zur gegenwärtigen Realität. Der Stadt Offenbach attestierte Held: „Ihr scheint diese Wirkung der Kunst bewusst zu sein.“