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21. April 2010: Der Schultheisweiher im Mainbogen zwischen Bürgel und Rumpenheim ist ein ganz besonderer Ort – gerade im Frühling, wenn ringsum an Bäumen und Sträuchern das junge Grün sprießt und man die Natur ganz in Ruhe genießen kann. Aus Sicht von Bürgermeisterin und Umweltdezernentin Birgit Simon macht die Natur mit einer besonderen Artenvielfalt den hohen Freizeitwert des Schultheisweihers aus. Am 1. Mai beginnt am See die Badesaison. Bis dahin wird die Stadt Offenbach die Sanierung des Gewässers abgeschlossen haben, die über fünf Jahre beharrlich, aber behutsam betrieben wurde. Experten sind sich sicher, dass der See sein ökologisches Gleichgewicht wiedererlangt hat. Nun wird sich zeigen müssen, ob die Wasserqualität einen durchgehenden Badebetrieb zulässt.

Eine zu hohe Konzentration an giftigen Cyanobakterien, besser bekannt als Blaualgen, hatte im vergangenen Sommer wiederholt dazu geführt, dass der See für den Badebetrieb geschlossen werden musste. Dabei hatten sich schon 2009 entscheidende Sanierungserfolge gezeigt, wie der Biologe Helmut Teichmann-Kucharskis erläutert. Er ist beim städtischen Umweltamt der Projektleiter für den Schultheisweiher. Nur in der Badebucht habe die Blaualgenkonzentration die zulässigen Grenzwerte überschritten. Weiter draußen im See sei das Wasser wunderbar klar gewesen.

Man wird abwarten müssen, wie sich das Gewässer den Sommer über entwickelt. Bis Ende April will die Stadt insgesamt 8,8 Tonnen Kaliumchlorid in den See eingebracht haben. Mitarbeiter der Gemeinnützigen Offenbacher Ausbildungs- und Beschäftigungsgesellschaft (GOAB) verteilen das Salz im Wasser. So wird der Kaliumgehalt von den üblichen sieben Milligramm pro Liter auf etwa 27 Milligramm pro Liter erhöht. Laut Christian Schuller, der die Sanierung als unabhängiger Gewässerökologe begleitet hat, ist Kaliumchlorid ungiftig, hemmt aber das Wachstum von Blaualgen.

Zur ökologischen Stabilisierung des Sees galt es auch ein verträgliches Gleichgewicht der Fischarten herzustellen: 2,5 Tonnen Fisch wurden abgefischt, darunter 640 Kilogramm Graskarpfen. Dieser Art wurde laut Schuller mit „großer Geduld und Zielstrebigkeit nachgestellt“. Der Bestand ist nun fast vollständig beseitigt. Graskarpfen fressen Wasserpflanzen und ein zu starker Pflanzenschwund leistet wiederum dem Blaualgenwachstum Vorschub. Wünschenswert ist hingegen ein großer Bestand an Hechten. Ende Mai sollen 10.000 Junghechte in den Schultheisweiher eingesetzt werden. Und weil Hechte bei Anglern beliebt sind, gibt es laut Umweltamtsleiterin Heike Hollerbach Absprachen mit den heimischen Angelvereinen. Während der Laichzeiten müssen Hechte geschont werden und die gefangenen Tiere müssen mindestens 50 Zentimeter lang sein. Auch darf jeder Angler pro Tag nur einen Hecht angeln.

In den Rumpenheimer Bürgeler Kiesgruben, wie der Schultheisweiher offiziell heißt, versucht die Stadt von jeher einen besonderen Spagat, nämlich das Nebeneinander von Naturschutz und Naherholung. „Der See ist kein Schwimmbad“, verdeutlicht Heike Hollerbach. Badegäste werden deshalb um Rücksicht gebeten. In einem Flyer, der ab sofort öffentlich verteilt wird, weist die Stadt auf die besonderen Baderegeln hin: Wasservögel und Fische dürfen nicht gefüttert werden. Und Badegäste sollen unbedingt die WC-Anlagen benutzen. Beides entlastet den See von Nährstoffen, die das Wachstum von Blaualgen begünstigen könnten. Zum Schutz von Tieren und Pflanzen sind Teile des Ufers gesperrt.

Laut Amtsarzt Dr. Michael Maiwald misst die Stadt während der Sommermonate alle 14 Tage die bakteriologische Qualität des Wassers, den pH-Wert und besonders die Blaualgenkonzentration.

Für die kommende Saison, die bis zum 15. September andauert, hat die städtische Gesellschaft GBM das Management des Badebetriebs übernommen: Die GBM pflegt die Grünanlagen, beseitigt den Abfall, reinigt die sanitären Anlagen und stellt die Badeaufsicht, die täglich von 10 Uhr bis 20 Uhr vor Ort ist.

Rund 300.000 Euro hat die Stadt insgesamt für die Sanierung des Schultheisweihers aufgewendet. Künftig will man sehr genau beobachten und frühzeitig gegensteuern, wenn das ökologische Gleichgewicht des Sees erneut zu kippen droht. Die Therapie ist erfolgreich abgeschlossen, sagen die Experten. Fortwährende Pflege ist allerdings notwendig, um die Balance dauerhaft zu halten.