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14. Juni 2011: „Gastwirte sind sauer“, titelte die Lokalpresse am 11. September 1987. Und die Gastronomen standen mit ihrer Skepsis nicht alleine. „Offenbach braucht kein neues Fest“, „Wer soll all die vielen Bratwürste essen, die an den Ständen angeboten werden?“ Die Offenbacher Volksseele köchelte in den Wochen vor dem ersten Mainuferfest. Achtzig Offenbacher Gruppierungen hatten sich zum ersten Fest der Vereine am 12. und 13. September 1987 angemeldet. Und die Vorbereitungen für die Premiere begannen mit einem dicken Fauxpas. Der ursprünglich vorgesehene und bereits kommunizierte Termin vor den Sommerferien musste hastig storniert werden, weil er mit dem Datum der Lederwarenmesse kollidierte. Der Mainuferparkplatz wurde gebraucht.

Matthias Müller, damals seit vier Monaten Leiter des Amtes für Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Offenbach und Initiator der Veranstaltung: „Weil ich noch neu im Amt war, wurde mit mir noch Nachsicht geübt. Mein damaliger Chef, Oberbürgermeister Wolfgang Reuter, hat mir den Rücken freigehalten“. Diese Unterstützung war auch notwendig. Müller: „Als wir uns zu einer ersten Vorbesprechung mit den Ämtern vor Ort am Büsingpalais trafen, erklärten mir über vierzig Kolleginnen und Kollegen aus diversen Ämtern, was aus ihrer Fachsicht nicht möglich ist“. Gleichzeitig hatten wir einen riesigen Stress mit unserer Organisationsabteilung, weil wir uns illegal den ersten PC innerhalb der Stadtverwaltung besorgt hatten. Ohne den wäre die Organisation unmöglich gewesen.
Der Aufbau am Samstagmorgen war chaotisch. Die Angaben über die Standlängen waren oft ungenau. Oft reichte der Platz nicht um ein Zelt aufzubauen. Ich bin von Stand zu Stand gerannt, um Konflikte zu schlichten. Auf dem Festgelände gab es einen Verkehrsstau. Die Lieferanten kamen aus allen Richtungen und konnten nicht mehr aneinander vorbeifahren, weil die Stände die Fahrbahn verengten.

Aber das Engagement der Offenbacher Vereine in Verbindung mit einem ungewöhnlich warmen Septemberwochenende hat dem Fest einen nicht erwarteten Erfolg beschert. Bis in die späte Samstagnacht belebten 25.000 Menschen die Parks und Straßen rund um das Büsingpalais. Das Angebot im Jahr eins vor dem Frankfurter Museumsuferfest (erstmals 1988) war für Freiluftveranstaltungen jener Zeit ungewöhnlich. Eine vielfältige Speisekarte, Mitmachaktionen auf der Straße vom Judo über Schach bis zum Kegeln und Informationen satt über das Offenbacher Vereinsleben. Auf den Straßen tanzten Griechen und Bayernverein Sirtaki und Schuhplattler, Künstler portraitierten Besucher und in der Toreinfahrt zum Bernardbau zeigten die Amateurfilmer alte Streifen aus Offenbach.

Die Mischung faszinierte: der Verein zur Verbesserung der Lebenssituation von Homosexuellen neben einer eher konservativen Religionsgemeinschaft, Motorsport-Fans in Nachbarschaft zu Waldschützern oder das Maingoldcasino zusammen mit Hardrockern. Matthias Müller: „Mein Sohn war gerade vier Jahre alt. Ich habe damals selbst erfahren, wie wichtig in einer Großstadt die Gemeinschaft in einem Verein für die Entwicklung eines Kindes ist. Meine Idee war, diesem Engagement in den Vereinen eine Plattform zu geben. Und ich wollte, dass es eine Veranstaltung in Offenbach gibt, die Brücken zwischen den sehr heterogenen Milieus schlägt, die aber gleichzeitig das Bürgertum in der Stadt anspricht“.

Dennoch: die Manöverkritik war deftig. Viele Pannen konnten nur mit viel Improvisationstalent der Beteiligten überwunden werden. Besonders ärgerlich: die Toilettenfrauen schlossen um 10 Uhr abends die Klowagen ab. Müller „Die Wirte der umliegenden Lokale standen am Montag nach dem Fest in Kompaniestärke bei mir im Büro. Und ich konnte sie verstehen“.

Beim zweiten Mainuferfest wurden die Anlaufschwierigkeiten überwunden. Die Vereine begannen Konflikte beim Aufbau selbst zu regeln, versetzten ihr Zelt kurzerhand, wenn es beim Nachbar klemmte. Die Kirchgasse entwickelte sich bald in Richtung Partymeile, im Gegenzug platzierte das Organisationsteam die kleinen Vereine in der Herrnstraße und in der Mainstraße. Die Zahl der teilnehmenden Gruppen stieg in den folgenden Jahren auf 140 und der verstorbene Fernsehjournalist Herbert Kranz moderierte viele Jahre die Aufführungen der Vereine im Innenhof des Büsingpalais.

Zu jener Zeit war der Parkplatz am Mainufer noch Teil der Veranstaltungsmeile. Hier zeigten Feuerwehr und die Hilfsdienste ihre Einsatzfahrzeuge. Hier balancierten Motorräder zwischen den Stangen eines Parcours, hier starteten Hubschrauberflüge über die Stadt, hier dampfte während des Festes die Lokalbahn und hier konnten die Teilnehmer auch einmal den Nervenkitzel beim Bungeespringen spüren. Der Parkplatz als Ort des Feierns wurde in den neunziger Jahren aufgegeben. Der Maindamm war eine zu große Hürde. Die Besucher scheuten den Weg über die Treppe. Einige Jahre noch zündete das THW für die späten Gäste ein großes Lagerfeuer an.

In den nächsten Jahren wuchs die Zahl der Besucher stetig auf 50.000. Meist blieb das Fest von Regenperioden verschont. Eine Zeit diente der Platz vor dem Isenburger Schloss als Bühne für den Offenbacher Oldie Club. Für Aufregung sorgte 1990 eine Entscheidung des Magistrats, Parteien von der Teilnahme am Mainuferfest abzuraten. Eine Klage gegen diesen Beschluss wurde vom Verwaltungsgericht negativ beschieden.

Zum jährlich wiederkehrenden Thema machten die Gazetten die Toilettensituation. In jener Zeit mussten Gäste und Teilnehmer mit zwei altersschwachen Toilettenwagen vorlieb nehmen und in der damalige WC-Anlage im Maindamm vor dem Isenburger Schloss, die übers Fest regelmäßig reaktiviert wurde, brachen in regelmäßigen Abständen die Abflussrohre.
Seit Mitte der neunziger Jahre mietet die Stadt Offenbach für die menschlichen Bedürfnisse Container an. Die Zahl der Beschwerden sinkt seit dieser Zeit. Um die Müllberge nach dem Fest einzudämmen, müssen die Vereine seit Mitte der neunziger Jahre Pfand für Geschirr und Becher verlangen. Matthias Müller: „Die Zahl der Auflagen nimmt zu. Beim ersten Mainuferfest konnten wir die Regeln noch auf zwei DIN-A-4-Seiten niederlegen. Heute verteilen wir an die Vereine ein kleines Buch mit Geboten und Verboten“. Vieles ist aber auch notwendig, beispielsweise zum Hygieneschutz oder um Brände zu verhindern. Und manchmal gibt es auch Bußgelder, weil trotz Verwarnung noch lange nach ein Uhr nachts Bier ausgeschenkt wurde.“

Neue Vereine kamen hinzu, andere zogen sich vom Festgeschehen zurück, viele blieben. Matthias Müller: „Oft hängt die Teilnahme am Engagement von zwei oder drei Personen. Bei manchen Gruppen, die wenig Nachwuchs rekrutieren können, ist auch zu beobachten, wie der Verein älter wird bis es den Mitgliedern unmöglich ist, einen Stand zu besetzen“. Immer wieder gibt es auch Hinweise, dass nicht der Verein, sondern ein Wirt das Geschäft an einem Stand macht. Müller: „Das kommt vor. Wir haben auch in diesem Jahr zwei Tarnorganisationen die Teilnahme verweigert. Aber meist hilft der Wirt der Vereinsgaststätte und die Einnahmen sind bitter notwendig, beispielsweise für die Jugendarbeit“. Seit ungefähr 15 Jahren dürfen in der nördlichen Herrnstraße und im mittleren Teil der Mainstraße keine Bierwagen mehr stehen und elektronisch verstärkte Musik ist untersagt, um auf rund der Hälfte der Fläche ein Zeichen zu setzen, um in diesem Bereich die Vereine wieder stärker in den Mittelpunkt zu rücken.

Seit dem Jahr 1995 arbeitet Michèle Latzke für das Amt für Öffentlichkeitsarbeit. Sie betreut heute das Mainuferfest und ist Ansprechpartnerin für die Vereine. Matthias Müller: „Bei ihr ist das Fest in den richtigen Händen. Sie erledigt die Aufgabe mit großem Engagement. Da muss ich nicht mehr in vorderster Front agieren“. Eine ihrer Hauptaufgaben ist der Aufbau der so genannten Kulturmeile in der Herrnstraße gemeinsam mit dem Forum Kultur und Sport.
Müller: „Wir wollen hier den vielen kleinen Kulturinitiativen ein Forum geben und unterstützen sie mit dem notwendigen Equipment. Die Kultur muss als ein Markenkern des Mainuferfestes sichtbar bleiben“.

Mittlerweile haben sich je nach Witterung die Besucherzahlen bei dem Mainuferfest bei 40.000 bis 50.000 eingependelt. Auch bei Regen ist der Platz voll. In diesem Jahr wird Oberbürgermeister Horst Schneider am Samstag den Vereinen, die von Anfang an dabei waren, mit einem Oscar danken. Es werden über zwanzig Gruppierungen sein. Und auch vom Technischen Hilfswerk haben neun Helfer vom ersten Mal an mitgemacht.