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06. Juli 2011: „An der operativen Sanierung führt kein Weg vorbei.“ Klare Worte spricht Hans-Ulrich Schmidt, Geschäftsführer der Klinikum Offenbach GmbH und gemeinsam mit dem Betriebsrat will er bis 2013/2014 den „turnaround“ geschafft haben. Rund 150 Stellen stehen dabei in Technik und Verwaltung zur Disposition.

Die konsequente Weiterführung des Sanierungsprogramms ist allerdings nur ein Schritt in Richtung Konsolidierung. Für die nächsten fünf Jahre rechnet Stadtkämmerer Michael Beseler mit einem Liquiditätsbedarf in Höhe von 75 bis 80 Millionen EURO, davon alleine für Tilgungen rund 53 Millionen EURO von 2011 bis 2015. Aber auch wenn eine operative schwarze Null (ohne Zinsen und Abschreibung) in 2013/2014 möglich ist – mit einem positiven Gesamtergebnis inklusive Zinsen und Abschreibungen ist mit den nächsten fünf Jahren nicht zu rechnen.

Fünf unterschiedliche Gutachten haben in den vergangenen Jahren die Wirtschaftlichkeit des Hauses geprüft Noch im Mai 2010 kam Roland Berger zu dem Ergebnis, dass die Sanierungsfähigkeit des Klinikums gegeben ist. Ein Jahr ist es her, seit die Patienten in das neue kommunale Klinikum umgezogen sind, das den Bau von 1974 ersetzt und zwölf alte Bestandsgebäude „in sich aufnimmt“. Mehr als 70.000 Patienten können dort pro Jahr auf höchstem medizinischem Niveau stationär und ambulant behandelt werden. Mit dem Klinikum erfüllt die Stadt Offenbach den staatlichen Versorgungsauftrag und in der Hessischen Krankenhausplanung hat das Klinikum Offenbach den Status der Unverzichtbarkeit für die Notversorgung. Von den Investitionskosten für den Neubau in Höhe von 160 Millionen EURO trägt das Land Hessen rund 50 Millionen EURO in zehn Tranchen.

Aus der finanziellen Situation ergeben sich derzeit vier verschiedene Szenarien: „Gleitende Entschuldung“ des Klinikums durch Umschuldungen und ein jährlicher Zuschuss der Stadt Offenbach zur Sicherstellung der Liquidität als Handlungsoption, die, so Beseler, allerdings der Genehmigung durch den Regierungspräsidenten bedarf und nur in enger Abstimmung mit der Kommune erfolgen kann. Eine weitere Möglichkeit wäre die zusätzliche Bereitstellung von Kapital durch das Land. Dies erfordere aber auch die Klärung der Zielvorstellung auf Landesebene, inwieweit kommunale Kliniken und damit die optimale Versorgung der Bürger gewünscht sei. Bis Ende des Jahres wünscht sich Beseler eine entsprechende Aussage. Parallel wird nach wie vor über Kooperationen nachgedacht, auch mögliche Fusionen sind aktuell noch im Gespräch. Auch ein Verkauf wird in Erwägung gezogen, allerdings würde dies keine spürbare Erleichterung bringen: Der Kaufpreis bewegt sich maximal beim einfachen des Jahresumsatzes, also rund 140 bis 160 Millionen EURO. Dem stehen Verbindlichkeiten von rund 240 Millionen EURO gegenüber, die eine sofortige Entschuldung erforderlich machen und unterm Strich die Verschuldung der Stadt um 60 bis 80 Millionen EURO erhöhen.
„Verkauf ist keine Option“, meint Beseler. Zudem: das Klinikum soll kommunal gehalten werden, schließlich soll auch weiterhin eine optimale Versorgung der Bürger gewährleistet sein. Aber wenn es bis Ende 2011 kein mittelfristiges Finanzierungskonzept gibt, muss tatsächlich über einen Verkauf nachgedacht werden.