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24. November 2011: In einer schwierigen Gemengelage arbeitet die Stadt Offenbach weiter am Ausbau einer bedarfsgerechten Kinderbetreuung. Der Magistrat hat jetzt der aktuellen Fortschreibung des Bedarfsplans zugestimmt. Demnach sollen im kommenden Jahr insgesamt 350 zusätzliche Plätze für Klein- und Vorschulkinder sowie für Grundschüler geschaffen werden. Es geht um die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie und um bestmögliche Förderung des Nachwuchses. Für die Stadt Offenbach bedeutet es einen enormen finanziellen Kraftakt.

Zum 1. Juli 2013 sollen Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz auch für unter Dreijährige erhalten. Bundesweit gilt die Empfehlung an die Kommunen, dass dieser Rechtsanspruch voraussichtlich mit einer Versorgungsquote von 35 Prozenterfüllt werden könne. Doch in Offenbach ist man sich ziemlich sicher, dass dies nicht reichen wird. Bürgermeisterin Birgit Simon strebt zusammen mit dem Eigenbetrieb Kindertagesstätten Offenbach (EKO) eine Versorgungsquote von 45 Prozent an. Doch die wird bis 2013 nicht zu schaffen sein. 122 U3-Plätze sind in diesem Jahr hinzu gekommen. Im kommenden Jahr soll die Zahl um weitere 100 steigen, 2013 dann um 76. Jeder U3-Platz kostet die Stadt jährlich rund 9650 Euro. 2012 steigen die Kosten für die Betreuung der unter Dreijährigen demnach um 965.000 Euro, 2013 um weitere 735.000 Euro. Um die 45-Prozent-Quote zu erreichen, sollen ab 2014 weitere 371 Plätze geschaffen werden. „Wir müssen abwarten, wie sich die Nachfrage tatsächlich entwickelt“, sagt Bürgermeisterin Simon im Hinblick auf das geplante Betreuungsgeld, das vielleicht dazu führen wird, dass mehr Eltern ihre Kinder bis zum dritten Lebensjahr zu Hause betreuen.

Ende 2013 wird es in Offenbach 1298 U3-Plätze geben, davon 829 in Einrichtungen und 469 in der Tagespflege. Die meisten Betreuungsplätze für die jüngste Altersgruppe wurden seit 2007 von freien Trägern geschaffen, darunter Arbeiter-Samariter-Bund, evangelischer Kirchengemeindeverband oder starthäuschen e.V. Zur Förderung der Investitionen gibt es ein Bundesprogramm, das allerdings 2012 ausläuft. So flossen von 2007 bis heute rund zwei Millionen Euro Bundesmittel über das Land Hessen nach Offenbach, um insgesamt 671 Plätze zu schaffen. Bei den Betriebskosten sind Land und Bund aber weitgehend außen vor. Wünschenswert wäre laut Bürgermeisterin Simon, dass das Land ein Drittel der Betriebskosten trägt. Tatsächlich sind es in Hessen aber laut EKO-Betriebsleiter Hermann Dorenburg höchstens zehn Prozent – eine im Bundesvergleich sehr niedrige Quote. Und so kommt es, dass die Stadt Offenbach rund 70 Prozent der Kita-Betriebskosten alleine schultert – unabhängig davon, ob es sich um städtische Kitas oder um Kitas freier Träger handelt. Und obendrein muss die Stadt einspringen, wenn Familien den Elternbeitrag nicht aufbringen können.

Statt die Kommunen zu entlasten, hat das Land Hessen die Situation weiter erschwert: durch den Erlass der Mindestverordnung, wonach unter anderem U3-Gruppen nur noch zehn statt zuvor 13 Kinder umfassen dürfen. Der Platzbedarf wurde durch die Verordnung weiter erhöht. Im Namen einiger Städte hat der hessische Städtetag Grundrechtsklage erhoben, um eine finanzielle Beteiligung des Landes an den Kosten nach dem Konnexitätsprinzip („Wer bestellt, bezahlt“) zu erwirken.

Knapp 200 Plätze sollen bis Ende 2013 für Kinder zwischen drei und sechs Jahren entstehen. Sofern die Stadtverordneten dem aktuellen Bedarfsplan zustimmen, bedeutet dies, dass die Stadt ihr Versorgungsziel offiziell von 85 Prozent auf 98 Prozent erhöht. Man habe gerade unter Migrantenfamilien massiv darum geworben, dass Vorschulkinder eine Kindertagesstätte besuchen, so Simon. Nicht zuletzt um die Sprachkompetenzen vor dem Schuleintritt zu verbessern. In den kommenden zwei Jahren soll es insgesamt rund 200 zusätzliche Plätze geben. Der städtische Haushalt wird pro Platz jährlich mit rund 6200 Euro belastet.

400 Grundschüler stehen in Offenbach aktuell auf der Warteliste für einen Hortplatz. „Der Ausbau der Ganztagsschule kommt nicht schnell genug voran“, sagt Bürgermeisterin Simon. Sie weiß, dass damit die Stadt gefordert ist. Denn für berufstätige Eltern sei es nicht akzeptabel, wenn mit Eintritt in die Grundschule plötzlich eine Betreuungslücke entstehe. Also plant die Stadt im kommenden Jahr 150 neue Hortplätze einzurichten. Weitere 451 Plätze sieht der Bedarfsplan für die folgenden Jahre vor. Der EKO setzt dabei stark auf den Ausbau der Ganztagsklassen in Kooperation mit den Grundschulen. Auch unter den Eltern sei dies das bevorzugte Modell. Aktuell gibt es Ganztagsklassen laut Hermann Dorenburg an fünf Offenbacher Schulen. Mitunter bestünden sogar zwei Klassen pro Jahrgang. 500 Kinder profitieren gegenwärtig von diesem Modell. An einigen Schulen seien die räumlichen Kapazitäten allerdings so begrenzt, dass ein weiterer Ausbau nicht möglich sei. Deshalb, so Simon, werde es weiterhin auch traditionelle Hortplätze sowohl in städtischen als auch in freien Kindertagesstätten geben.