Sprungmarken
Suche
Suche

05. Mai 2011: Kann ein geschicktes Verkehrsmanagement die Luftqualität in Offenbach verbessern? Diese Frage beantwortet die TU Darmstadt eindeutig mit Ja. Das Team von Professor Dr.-Ing. Manfred Boltze vom Fachgebiet Verkehrsplanung und Verkehrstechnik hat im März und April 2010 umfangreiche Untersuchungen an zwei hoch belasteten Punkten im Stadtgebiet geführt. Messstellen befanden sich im Bereich des Knotenpunkts Rhönstraße/Untere Grenzstraße/Bieberer Straße. Und die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss: Veränderte Ampelschaltungen sorgen für weniger Staus und verringern so die Schadstoffkonzentration in der Luft.

Die Untersuchung kam auf der Basis eines Kooperationsvertrags zu Stande, den die Stadt Offenbach vor vier Jahren mit den TU Darmstadt abgeschlossen hat. Laut Professor Boltze handelt es sich um eine bundesweit einmalige Erhebung. Offenbach stellte sich als Modellkommune zur Verfügung. Oberbürgermeister Horst Schneider begrüßt den wissenschaftlichen Ansatz der Untersuchung: Mobilität sei ein Teil der Lebensqualität und ein wichtiger Beitrag zur Prosperität der Region. Luftreinhaltung müsse daher mit Mobilitätsbedürfnissen vereinbart werden. Dies habe die Stadt auch berücksichtigt, als sie 2007 als erste Kommune einen integrierten Verkehrsmanagementplan beschlossen hat.

Finanziert wurde die rund 60.000 Euro teure Untersuchung von IVM (Integriertes Verkehrsmanagement Rhein-Main), einer Regionalgesellschaft, in deren Aufsichtsrat OB Horst Schneider als stellvertretender Vorsitzender fungiert. Die Untersuchung habe neben Feinstaub auch die Stickoxide berücksichtigt, lobt IVM-Geschäftsführer Dr. Jürg Sparmann. „Wir engagieren uns als regionale Gesellschaft, weil das Problem der Luftreinhaltung nicht von einzelnen Kommunen alleine gelöst werden kann. Das ist eine regionale Aufgabe.“ Kommunen müssten berücksichtigen, dass Einzelmaßnahmen zwar zu einer lokalen Entlastung führen könnten, andernorts die Belastung aber möglicherweise erhöhten.

Alle Beteiligten sind sich einig: Luftreinhaltung bedarf mehrerer Maßnahmen. Einzelne Maßnahmen reichen nicht aus, um die Schadstoffgrenzwerte einzuhalten. Aber die TU Darmstadt hat ermittelt, dass auch befristete Verkehrsregelungen einen wichtigen Beitrag leisten können.

Im Rahmen der Untersuchung haben Professor Boltze und sein Team sowohl an der Bieberer Straße als auch an der Rhönstraße im Fünf-Sekunden-Takt Messungen vorgenommen. Gemessen wurden Witterungsfaktoren wie Windgeschwindigkeit, Windrichtung, Temperatur und Niederschlag, sowie Feinstaub- und Stickoxid-Werte. Auch die Verkehrsstärke, die Zahl der Lastwagen sowie die Länge der Rückstaus wurden erhoben. In der Unteren Grenzstraße verkehren täglich rund 330.000 Fahrzeuge, in der Bieberer Straße sind es im Durchschnitt 290.000 Fahrzeuge pro Tag.

Die Untersuchung zeigt erstmals, inwieweit die Witterungsbedingungen die Schadstoffkonzentration an den Hotspots beeinflussen. Und die Wissenschaftler konnten beweisen, dass allein durch Verkehrslenkung die Stickoxid-Konzentration an der Bieberer Straße bis zu 20 Prozent, die Feinstaub-Konzentration bis zu 15 Prozent gesenkt werden kann.

Die Lösung: Wenn die Witterung und das Verkehrsaufkommen es erfordern, also zum Beispiel im morgendlichen Berufsverkehr, wird die Ampelphase an der Y-Tangente auf Höhe des Stadions verlängert. So strömt aus Richtung Obertshausen (B 448) weniger Verkehr auf die Bieberer Straße stadteinwärts. „Diese Maßnahme entfaltet auch dann eine vergleichsweise große Wirkung, wenn sie nur vorübergehend und bei Bedarf erfolgt“, so Professor Boltze. Er plädiert dafür, nur einzugreifen, „wenn es auch etwas bringt“. OB Schneider hält es ebenfalls für sinnvoll, Staus an den Ortsrand zu verlagern, wenn so die Anwohner an der Bieberer Straße entlastet werden können. Und für die Pendler sei es kein Unterschied, ob sie nun auf der Tangente oder weiter stadteinwärts im Stau stehen.

Klar ist aber auch, dass der Vorschlag lediglich zu einer Umverteilung der Belastung führt. Daneben müsse natürlich versucht werden, den Gesamtausstoß erheblich zu verringern. An den Hotspots sei mittels Verkehrslenkung allerdings mit wenig Aufwand ein positiver Effekt zu erzielen.

Als nächstes wird zu klären sein, ob das Team um Professor Boltze ein Gesamtkonzept für verkehrslenkende Maßnahmen zur Luftreinhaltung für die Stadt Offenbach erstellt. Die IVM hat dafür bereits finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt.