Sprungmarken
Suche
Suche

Ergänzende Informationen für alle Kolleginnen und Kollegen, die am Pressetermin am 11. Juli nicht anwesend sein konnten.

Probleme ansprechen und bestenfalls auch lösen – das ist eine der zentralen Aufgaben des Quartiersmanagements, wie es seit 2002 in Offenbach praktiziert wird. Denn neben einer guten Infrastruktur aus Einkaufsmöglichkeiten, Spielplätzen und Kindergärten wird ein gutes Wohnumfeld durch das menschliche Miteinander maßgeblich mitbestimmt. Damit Nachbarschaftsdispute nicht in größeren Streits enden, Müll in der Tonne und nicht auf der Straße landet und Bewohner Verantwortung für ihr Umfeld übernehmen, bringt Quartiersmanager Marcus Schenk verschiedene Akteure an einen Tisch und sorgt mit seinen Rundgängen für ein ordentliches Stadtbild. Der Sozialpädagoge ist seit 2005 dabei und kümmert sich mit seinen Mitarbeitern inzwischen um die drei Quartiere Mathildenviertel, Nordend und Lauterborn.

„Es hat sich viel bewegt“, bilanziert daher auch Dr. Matthias Schulze-Böing, Leiter des Amtes für Arbeitsförderung, Statistik und Integration, bei der Vorstellung des Sachstandsberichts des Quartiersmanagements für 2010 und 2011. Denn seit die Stadt Offenbach mit Fördermitteln aus der Hessischen Gemeinschaftsinitiative Soziale Stadt (HEGISS) mit ersten Aktivitäten in der Östlichen Innenstadt, dem heutigen Mathildenviertel, begann, hat sich das ehemalige „Sorgenkind“ zu einem lebendigen Quartier für Studenten und junge Menschen gewandelt. Der Strukturwandel in der Stadt hatte vor allem in dem klassischen Arbeiterviertel seine Spuren hinterlassen, die Mieterstruktur veränderte sich, Gebäude verkamen und die Kriminalitätsrate stieg.
Mit zahlreichen Aktivitäten und gemeinsamen Anstrengungen unterschiedlicher Akteure gelang es in den letzten Jahren, das Mathildenviertel aufzuwerten. Der Bau des Gründerzentrums Ostpol und des Boardinghaus in der Hermann-Steinhäuser-Straße gaben wichtige architektonische Impulse, aber auch viele Einzelgespräche mit Hauseigentümern und Mietern, die Initiierung von Straßenfesten und anderen gemeinsamen Aktivitäten waren richtungsweisend. Zudem wurde mit dem Stadtteilbüro am Mathildenplatz ein zentraler Anlaufpunkt für die Bewohner geschaffen: hier hat das Quartiersmanagement immer ein offenes Ohr für die Bewohner, es gibt eine Migrationsberatung, Platz zum Treffen und Klönen und vor allem Räume für die Aktivitäten der Bewohner. „Wir wollen mit unseren Angeboten Impulse geben und das Bürgerengagement befördern“, meint Quartiersmanager Marcus Schenk. „Die Bewohner sollen Verantwortung übernehmen und ihr Umfeld mitgestalten.“ Dass sie das durchaus wollen, beweisen die Belegungspläne der Stadtteilbüros: das Interesse an den Räumen ist groß, aber auch die eigenen Veranstaltungen des Quartiersmanagements werden gut angenommen. Denn mit Kunstausstellungen oder kleinen Konzerten schaffen Schenk und seine Mitarbeiter regelmäßig Anlässe für die Bewohner, miteinander ins Gespräch zu kommen. Auch das Stadtteilfest am Mathildenplatz findet seit 2005 auf Initiative des Quartiersmanagements regelmäßig statt und ist inzwischen eine feste Institution, bei dem Schulen, Kindertagesstätten, Vereine, soziale Träger, Kirchengemeinschaften und Initiativen gemeinsam zum Programm beitragen. Auch für die Stadtteilfeste im Nordend und im Lauterborn, die seit 2010 stattfinden, übernimmt das Quartiersmanagement die Organisation und Koordination der beteiligten Partner.
Dass das Quartiersmanagement einen wichtigen Beitrag leistet, nämlich Kommunikation, sozialen Kitt, eben das, was eine Gesellschaft im Innersten zusammenhält, meint auch Michael Beseler, Kämmerer der Stadt Offenbach: „Die bisherige Entwicklung zeigt, dass die Stadt Stück für Stück vorankommt“ und verweist beispielsweise auf Deutschkurse für Mütter aus der Goetheschule, die im unmittelbaren Umfeld der Menschen stattfinden. Das sei auch eines der Geheimnisse der Erfolgsgeschichte des Quartiersmanagements, nämlich die Menschen dort abzuholen, wo sie sich aufhalten, ergänzt Schenk. Insgesamt 5 Festangestellten, 6 Bürgerarbeitern sowie 14 Arbeitsgelegenheiten sind in den drei Quartieren präsent, als Ansprechpartner im Büro oder als Rundgänger auf den Straßen. Die positiven Rückmeldungen der Bürger bestätigen das Konzept: „weniger Müll und Beschädigungen und ein verbessertes Sicherheitsgefühl sprechen für sich“, so Schenk.
Daher sind die Verantwortlichen zuversichtlich, dass es gelingt, die Finanzierung des Quartiersmanagements langfristig zu sichern. Mit 300.000 EURO im Jahr, also 100.000 EURO pro Standort, sind die Kosten kalkuliert. Das Quartiersmanagement Nordend wird aus Mitteln des Projektes „Besser leben in Offenbach“ finanziert, das auch einen Beitrag zu den Kosten des Quartiersmanagements im Lauterborn trägt, als weiterer Partner leistet die ansässige Wohnungswirtschaft einen Beitrag für die Lebensqualität des Quartiers. „Denn eine Investition zur rechten Zeit hilft größere Folgekosten vermeiden“, weiß auch Stadtkämmerer Beseler. Weitere Mittel zur Finanzierung des Quartiersmanagements im Lauterborn kommen aus dem Städtischen Haushalt für Mietzahlungen des Seniorenclubs Lauterborn, der im Stadtteilbüro zahlreiche Aktivitäten anbietet. Die Fördermittel des Programms HEGISS für das Mathildenviertel laufen allerdings Ende des Jahres aus, „aber“, so Dr. Schulze-Böing, „wir sind bereits auf der Suche nach einer Folgefinanzierung.“
Dies gilt auch für die südliche Innenstadt: der Antrag für Projektmittel der Sozialen Stadt ist ausgearbeitet und liegt dem zuständigen Ministerium vor. Denn auch für den Bereich rund um das ehemalige MAN Roland Werk in der Senefelder Straße haben die Verantwortlichen Handlungsbedarf ausgemacht. Statt eines Stadtteilbüros soll dort mit einem „Stadtteilkiosk“ die Arbeit im „Senefelder Quartier“ fortgesetzt werden, die mit ersten Aktivitäten im Hauptbahnhof im vergangenen Jahr begonnen hat. Dort hatten die Stadtwerke Offenbach Holding GmbH (SOH) im Rahmen des Projektes „Besser leben in Offenbach“ unter Federführung von Projektleiterin Sabine Süßmann damit begonnen, das Bahnhofsgebäude wieder mit Leben zu füllen: In einem ersten Schritt wurden die Räumlichkeiten der ehemaligen Bäckerei angemietet, in der bis Ende des Jahres regelmäßig Ausstellungen und Vorführungen stattfanden. Außerdem gab es Sprechstunden für Anwohner und Interessierte. „Das temporäre Engagement wurde gut angenommen, wir wollen die Arbeit gerne verstetigen“, so Süßmann. Langfristig soll der Dreiklang des Quartiersmanagements mit einer weiteren Anlaufstelle in der südlichen Innenstadt ergänzt werden.