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Ergänzende Informationen im Nachgang zur PK vom 06. September.

Die Schuleingangsuntersuchung hat in Offenbach eine jahrzehntelange Tradition, mittels einiger Tests gibt sie Aufschluss über die Schulfähigkeit der Kinder. Seit 2006 werden die Offenbacher Kinder neun Monate vor der Einschulung nach dem „Sreening des Entwicklungszustandes“ (S-ENS) untersucht, dabei werden neben Gewicht, Fein- und Grobmotorik auch Seh- und Hörvermögen, die allgemeine Entwicklung, Impfstatus und Deutschkenntnisse abgefragt. „Zielsetzung ist es“, so Dr. Barbara Schneider vom Stadtgesundheitsamt, „das die Kinder die Schullaufbahn ohne Probleme durchlaufen können.“

Rund 150 Seiten umfasst die aktuelle Auswertung und nimmt dabei auch die Veränderungen in den letzten fünf Jahren in den Blick. Insgesamt 1238 Kinder wurden 2011 untersucht, 1174 waren es 2007. Durchschnittlich zehn Prozent der Kinder werden als Folge der Untersuchung zurückgestellt, auf die bestehenden Vorschulklassen verteilt oder eine sonderpädagogische Überprüfung empfohlen, berichtet die Ärztin. Knapp ein Viertel der untersuchten Kinder zeigte Auffälligkeiten, wobei hierbei zwischen neu gefundenen, bereits behandelten oder grenzwertigen differenziert wird.

Oftmals sei aber auch ein Infekt für ein Testergebnis verantwortlich, dann sei beispielsweise eine Folgeuntersuchung durch einen Hals-Nasen-Ohrenarzt nötig, um zu einer eindeutigen Diagnose zu kommen. Das gilt auch für sprachliche Defizite: „Die Stadt Offenbach hat einen Sprachheilbeauftragten, der genau untersucht, ob ein behandlungsbedürftiger Sprachfehler vorliegt oder mangelnde Deutschkenntnisse für das Testergebnis verantwortlich sind“, erläutert Dr. Schneider.

Vor allem im Bereich der Sprachkenntnisse gab es in den letzten Jahren positive Entwicklungen: während Kinder mit Migrationshintergrund in den Jahren 2007 bis 2010 geringfügige bis deutliche Sprachauffälligkeiten zeigten, gab es im Jahr 2011 keinen signifikanten Unterschied. Bei rund 82 Prozent der untersuchten Kinder konnten 2011 keine Auffälligkeiten festgestellt werden. „Der Besuch des Kindergartens wirkt sich aus“, schlussfolgert auch Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß aus diesem Befund. „Vor allem in den ersten Jahren sind die Fördermöglichkeiten in den Einrichtungen enorm und es zahlt sich aus, dass wir in den vergangenen fünf Jahren viel Geld für die Fortbildung in Erzieherinnen investiert haben.“ Daher gelte es die Angebote in den Krabbelstuben auszubauen, fordert Weiß.
Neben der Sprachkompetenz wirkt sich ein Migrationshintergrund deutlich in der Physis der Kinder aus: bei durchschnittlich 18 bis 21 Prozent der Kinder mit Migrationshintergrund diagnostizierte die Ärztin Übergewicht - 8 bis 12 Prozent waren es bei jenen ohne Migrationshintergrund.

In den Bereichen Grob- und Feinmotorik sind die Ergebnisse über die letzten Jahre hinweg ungefähr gleich geblieben, circa 13 Prozent der Kinder zeigten 2011 grobmotorische Auffälligkeiten, bei den feinmotorischen Auffälligkeiten ließ sich sogar ein Rückgang um 4 Prozent verzeichnen. Jungs schnitten etwas schlechter ab als Mädchen, der Migrationshintergrund spielte keine Rolle.

Zugenommen hat die Impfbereitschaft der Eltern, 78 Prozent der untersuchten Kinder waren geimpft. In den Vorjahren waren es durchschnittlich 68 Prozent. Auch in puncto Vorsorge zeigen sich erste positive Ergebnisse der seit 2008 eingeführten Pflicht: von 53,8 in 2008 stieg der Anteil der Kinder mit kompletten Vorsorgestatus (U1-U9) auf 63,7 Prozent. „Inzwischen wird engmaschig kontrolliert, ob die jeweilige Untersuchung durchgeführt wurde“, so Schneider „und die Eltern müssen gute Gründe vorbringen, weshalb diese nicht stattgefunden hat.“