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Gemäß Beschluss der Stadtverordnetenversammlung wird seit 2005 alljährlich der Offenbacher Denkmalschutzpreis verliehen.

Dieses Jahr wird der Preis (für das Jahr 2011) zum siebten Mal überreicht:

Am Montag, 17. 12., wird den beiden Preisträgern, Frau Sabine Heimen und dem ESO (Eigenbetrieb Stadt Offenbach – Städtische Friedhöfe) im Stadtverordnetensitzungssaal im Rathaus um 17 Uhr jeweils eine Urkunde und eine Plakette verliehen.

Kriterien für die Auswahl der Preisträger sind u.a.:

1. Der Denkmalschutzpreis wird für denkmalpflegerische Leistungen (Bau- und Kunstdenkmalpflege, Gartendenkmalpflege, archäologische Denkmalpflege) verliehen, die über das denkmalschutzrechtlich Gebotene in vorbildlicher Weise hinausgehen und beispielgebend für den Umgang mit Denkmälern in der Stadt Offenbach sind.

2. Preisträger können u.a. Einzelpersönlichkeiten, Eigentümer, bürgerschaftliche Initiativen und Körperschaften des öffentlichen Rechts sein.

3. Die Preisträger erhalten eine Urkunde und eine Plakette


Nachdem für das Jahr 2010 kein Preis vergeben wurde, werden nun zwei Vorhaben prämiert:

1. Strackgasse 24
Ausgezeichnet wird die Eigentümerin des Fachwerkhauses Strackgasse 24 in Offenbach-Bürgel, Frau Sabine Heimen.
Das Gebäude, inmitten des denkmalgeschützten Ortskerns, wurde von ihr bereits 1997 erworben und innerhalb der letzten Jahre schrittweise grundlegend saniert.
Vor den eigentlichen Bauarbeiten wurde eine umfängliche Schadensanalyse durchgeführt. Dabei kamen teilweise erhebliche Substanzschäden zutage, die das weitere Vorgehen bestimmten. Das stattliche Gebäude stammt aus dem frühen 18. Jhd. Unter späteren Putzschichten trat ein anspruchsvolles Schmuckfachwerk zutage, das repariert und ergänzt wurde. Der Dachstuhl ist als sog. liegender Stuhl ausgeführt, was zu einem komplett stützenfreien Dachraum führt. Im Inneren entstanden zwei Wohneinheiten, die durch Wegfall zahlreicher Innenwände großzügige zeitgemäße Raumfolgen erhielten. Sowohl innen wie auch außen wurden traditionelle Techniken und Materialien angewandt bzw. verwendet, so z.B. Lehmsteine und Lehmputz, Kalkkasein – und Leinölanstriche. Es wurde großer Wert auf den Erhalt der historischen Substanz gelegt, so wurden z.B. nahezu im gesamten Obergeschoss alte Dielenböden aufgearbeitet bzw. neu verlegt.
Auch aufgrund dieser Tatsachen wurde das Gebäude von einem in einer Gesamtanlage geschützten Objekt zu einem Einzelkulturdenkmal nach hessischem Dankmalschutzgesetz – d.h. es genießt nun vollumfänglichen Denkmalschutz – innen wie außen.
Das Wohnhaus ist heute ein aktiv genutztes Schmuckstück im alten Ortskern Bürgels und trägt maßgeblich zur Erscheinung der denkmalgeschützten Gesamtanlage „Alter Ortskern Bürgel“ bei.

Ein wichtiges Kriterium bei der Entscheidung für die Strackgasse 24 war die Tatsache, dass hier privates und sehr persönliches Engagement ausgezeichnet werden kann, das weit über das übliche Maß hinausgeht. Besonders in Hinblick auf den desolaten Ausgangszustand und das daraus hervorgegangene Ergebnis kann dieses Objekt für andere Eigentümer von Baudenkmälern oder Interessenten eine Ermutigung und Herausforderung darstellen.

Der Offenbacher Denkmalschutzpreis zeichnet dieses weit über das Gebotene hinausgehende vorbildliche Engagement mit einer Urkunde und Plakette aus. Daneben wird noch der Rotary-Club Offenbach die Eigentümerin mit einem eigens gestifteten Geldpreis würdigen.


2. Grabmal Heinrich Krumm
Ausgezeichnet wird der ESO (Eigenbetrieb Stadt Offenbach – Städtische Friedhöfe) für die Instandsetzung des Grabmals Heinrich Krumm auf dem Alten Friedhof Offenbach.
Das sog. Mausoleum Krumm wurde ab 2007 mit Bundes- und Landeszuschüssen saniert.
Auch hier erfolgte eine grundlegende Schadensanalyse und die Erarbeitung eines kontinuierlich fortgeschriebenen Maßnahmenkonzepts.
Das Gebäude diente als Grablege für Heinrich Krumm, Bruder des Gründers der Marke Goldpfeil, und wurde 1912 nach Plänen des Leiters der Kunstgewerbeschule, Hugo Eberhardt, errichtet. Es stellt eine seltene Mischung antiker Elemente – der Bauform Rundtempel – mit „modern“ anmutenden Materialien – Kalkstein – und Schmuckelementen des beginnenden Jugendstils dar und ist insofern von nationaler Bedeutung. Im Innenraum finden sich Skulpturen und in der Kuppel ein Sternenhimmel aus Glasmosaik. Die über eine Treppe erreichbare Gruft ist mit Marmor und Goldmosaiken gestaltet.
Das Gebäude wurde trockengelegt (die Gruft stand unter Wasser) und von Bewuchs befreit. Baumaufwuchs auf der Kuppel hatte erhebliche Schäden und Undichtigkeiten hervorgerufen.
Schäden am Naturstein wurden behoben, Fehlstellen behutsam ergänzt, die Mosaike wurden gefestigt, Metallteile gereinigt und konserviert. Der Zugang zur Gruft wurde erneuert, um sie auch für Besucher im Rahmen von Führungen zugänglich zu machen.

Ein wichtiges Kriterium bei der Entscheidung für das bereits mit dem Hessischen Denkmalschutzpreis ausgezeichnete Mausoleum Krumm war die Tatsache, dass auch hier ein Engagement ausgezeichnet werden kann, das weit über das übliche Maß hinausgeht. Zu beachten ist das besondere auch persönliche Engagement der mit dem Vorhaben betrauten Mitarbeiter des ESO. Hier wurde ein national, wie auch stadtgeschichtlich äußerst wertvolles Zeugnis der Sepulkralkultur instandgesetzt und zugänglich gemacht. Besonders in Hinblick auf seinen ursprünglich sehr individuellen Zweck und die damit verbundene praktische „Nutzlosigkeit“ verdient dieses beispielhafte Engagement besonderen Respekt und kann eine Ermutigung zu weiteren Maßnahmen dieser Art darstellen.

Der Offenbacher Denkmalschutzpreis zeichnet dieses weit über das Gebotene hinausgehende vorbildliche Engagement mit einer Urkunde und Plakette aus.