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Offenbach und Leder, das weiß man. Aber Offenbach und Münzen? Dabei war Offenbach sowohl im Mittelalter als auch in der Neuzeit eine recht bedeutende Münzstätte. Das Haus der Stadtgeschichte rückt diese historische Rolle Offenbachs jetzt wieder stärker ins Bewusstsein: Durch den Ankauf von vier Goldgulden aus dem frühen 15. Jahrhundert. Damit verfügt das Haus der Stadtgeschichte nun über elf von 17 bisher bekannten Goldgulden-Typen Offenbacher Prägung. Ein finanzieller Beitrag der Kulturstiftung der Städtischen Sparkasse hat den Ankauf ermöglicht.

Zwei der vier neu erworbenen, so genannten Trierer Goldgulden wurden zwischen 1410 und 1414 ist Offenbach angefertigt, die anderen beiden zwischen 1414 und 1417. Auftraggeber war der Erzbischof von Trier, Werner von Falkenstein. Zwar gehörte Offenbach nicht zu seinem Erzbistum. Es war jedoch Bestandteil der Grafschaft Falkenstein, die Werner 1409 erbte. Und dem Erzbischof war es erlaubt, an jedem beliebigen Ort seines Herrschaftsbereichs zu münzen.

Dass in Offenbach eine Münzstätte für Goldprägung eingerichtet wurde, obwohl es zu dieser Zeit nicht mehr war als ein kleines Dorf, lag an der Nähe zum Handelsplatz Frankfurt. Da das Erzbistum Trier nicht über den Rohstoff Gold verfügte, kam das Edelmetall meist durch Handel in Form bereits geprägter Goldmünzen ins Land, die dann umgeprägt wurden.

Vom Trierer Erzbischof Werner von Falkenstein weiß man, dass er während seiner 30-jährigen Regierungszeit von 1388 bis 1418 eine außerordentlich große Zahl verschiedener Münzen prägen ließ. In Offenbach wurde der erste Goldgulden im Frühjahr 1409 geschlagen. Man vermutet, dass in der Anfangszeit eigens Arbeiter und Beamte der Koblenzer Münze nach Offenbach kamen, damit hier der Münzbetrieb rechtzeitig zur Frankfurter Frühjahrsmesse anlaufen konnte. Die Koblenzer Münze wurde später zu Gunsten der Offenbacher aufgegeben.

Dass die einfachen Leute damals einen solchen Goldgulden höchst selten einmal in Händen halten konnten, weiß Hans Möller. Der leidenschaftliche Numismatiker hat von 1998 bis 2010 die Münzsammlung im Haus der Stadtgeschichte betreut und geordnet. Ihm ist es auch zu verdanken, dass die vier Münzen jetzt überhaupt in städtischen Besitz gelangen konnten, denn er war es, der in einem Fachkatalog auf das Angebot aufmerksam wurde.

50 Goldgulden: Im 15. Jahrhundert entsprach das dem Jahresverdienst eines guten Handwerkers. Die einfachen Leute rechneten damals eher in Pfennig, wobei man hier im Frankfurter Raum von Heller sprach. 30 bis 40 Heller verdiente ein Handwerker am Tag. 216 Heller waren ein Goldgulden. Ungefähr zwölf Gulden kostete ein Pferd.

Heute haben die vier zarten güldenen Plättchen einen Sammlerwert von insgesamt 2165 Euro. 1000 Euro hat das Haus der Stadtgeschichte selbst aufgebracht, den Rest des Betrags steuerte die Kulturstiftung der Sparkasse Offenbach bei.

Die vier Münzen finden jetzt Eingang in die Sammlung von fast 4000 Münzen, die das Haus der Stadtgeschichte sein Eigen nennt. Darunter befindet sich beispielsweise auch ein so genannter „Charonspfennig“. Die ein Gramm leichte Münze wurde um 650 n. Chr. in der Nähe von Mainz oder Trier geprägt. Bei Bauarbeiten fand man sie 1968 in einem fränkischen Gräberfeld im Bereich der Herder- und Uhlandstraße. Man hatte dem Toten die Münze in den Mund gelegt – gleichsam als Obulus für die Überführung ins Jenseits.

Die städtische Münzsammlung wird inzwischen hauptamtlich betreut von Dorothea Held, die dabei nach wie vor auf den fachlichen Rat von Hans Möller zurückgreifen kann. Und der behält den Münzmarkt weiterhin aufmerksam im Auge. Denn es könnte sein, dass es auch noch mehr als 17 verschiedene Typen von Offenbacher Goldgulden gibt.

Dennoch kann das Haus der Stadtgeschichte nicht jedes Stück erwerben, und sei es noch so bedeutend. 2004 entging der Stadt Offenbach ein kurpfälzischer Taler. Mit einem Verkaufswert von 25.000 Euro war es laut Dr. Jürgen Eichenauer, Leiter des Hauses der Stadtgeschichte, die teuerste Münze, die jemals in Offenbach geprägt wurde. Die Stadt musste bei dieser Summe passen.

Umso mehr freut sich Eichenauer über den aktuellen Erwerb. Offenbach wird darauf natürlich als Münzort erwähnt – in einer Schreibweise mit „v“. Den Stadthistoriker veranlasst dies zu einer Spekulation: Die Verwandlung vom „V“ zum „U“ gehört zu jenen Veränderungen, die das römische Alphabet während des Mittelalters im westeuropäischen Sprachraum erfuhr. Und urkundlich wird Offenbach erstmals 970 als „Ouenbach“ erwähnt. Aus Eichenauers Sicht könnten die neu erworbenen Münzen also einen weiteren Hinweis dafür liefern, dass Offenbach ursprünglich Auenbach hieß, benannt nach seiner Lage in den Mainauen.