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Die Bäume auf dem Grundstück der Beethovenschule müssen in den kommenden Sommerferien gefällt werden. Der Grund: Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Brand- und Sprengbomben sowie Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg unter den Wurzeln der Bäume Leben und Gesundheit von Schulkindern, Anwohnern und Lehrern gefährden. Oberbürgermeister Horst Schneider hat die Notwendigkeit der Maßnahme am Donnerstag, 14. Juni, im Ausschuss Umwelt, Bauen, Planen detailliert begründet.

Schneider: „Bäume sind in einer so dicht besiedelten Gebiet wie es Offenbach ist wichtig für das Stadtbild und das Kleinklima. Die Entscheidung die Bäume zu entfernen, ist nicht leicht gefallen. Wir haben in den vergangenen Wochen viele Alternativen geprüft und den Rat des Kampfmittelräumdienstes beim Regierungspräsidenten eingeholt. Dieser Rat ist eindeutig. Wir haben uns entschieden, mögliche Risiken für Erwachsene und Kinder auszuschließen“.

Alle Planungen und Beschlüsse von Magistrat und Parlament, so Schneider weiter, hatten beim notwendigen Neubau der Beethovenschule den weitgehenden Schutz der Bäume zum Ziel. Die Planer hätten eine mögliche Kampfmittelbelastung des Geländes vom ersten Tag an in die Überlegungen mit einbezogen. Denn Luftbilder, die dem Regierungspräsidenten vorliegen, belegen eindeutig: auf das Gelände sind während des Krieges Bomben gefallen. Ende der vierziger Jahre wurde das Grundstück mit Kriegsschutt verfüllt. Das Risiko, dass unter der Fläche Blindgänger liegen, ist hoch. Auch die Bäume wachsen auf diesem Schutt.

In engem Kontakt mit dem Kampfmittelräumdienst des zuständigen Regierungspräsidenten in Darmstadt hat die Stadt Offenbach im Frühjahr das Gelände sondiert. Zum Schutz der Bäume blieben die Wurzelbereiche zunächst unangetastet. Die Restflächen wurden ausgekoffert und von Fachleuten detektiert. Die Arbeiter legen die Wurzelbereiche per Handschachtung soweit wie möglich frei. Aus den Ergebnissen der Sondierung sollten Rückschlüsse gezogen werden, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass Bomben unter den Bereichen der Wurzeln liegen. Trotz Handschachtung können die Bereiche unter den Wurzeln nicht vollständig untersucht werden. Sonden sprechen wegen des Geflechtes nicht zuverlässig an. Sollten auf den kontrollierten Flächen keine Kampfmittel gefunden werden, wäre das Restrisiko überschaubar und könnte zugunsten des Baumerhalts eingegangen werden.

Die Ergebnisse der Untersuchung haben die schlimmsten Befürchtungen übertroffen. 23 Bomben mussten auf dem Gelände entfernt werden. In der Baugrube wurden bisher in dreißig bis fünfzig Zentimeter Tiefe 14 Flüssigkeitsbrandbomben und zwei Stabbrandbomben entdeckt. Im Außenbereich des künftigen Schulhofs hat der Kampfmittelräumdienst bislang fünf Flüssigkeitsbrandbomben und zwei Stabbrandbomben gefunden.

Der Fund dieser Vielzahl von explosionsgefährdeten Gegenständen zwinge, so Schneider, die Stadt Offenbach zur Änderung der ursprünglichen Zielsetzungen. Um jedes Gefährdungsrisiko für die Schüler, Lehrer und Passanten auszuschließen, müsse nun auch die Fläche unter den Bäumen frei gelegt werden. Es sei deshalb zwingend erforderlich, die Bäume zu fällen.

Dieser Entscheidung stimmt das Regierungspräsidium zu. Es schreibt an die Stadt Offenbach: „Ich teile Ihre Auffassung, dass ein gänzlicher Ausschluss des potentiell vorhandenen Restrisikos nicht ohne Fällung des Baumbestandes erfolgen kann. Die bisher auf dem Objekt gefundenen Brandbomben und Brandbombenteile rechtfertigen die Maßnahme.“ Im Schadensfall liegt so die Verantwortung bei der Stadt Offenbach, auch bei ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Ein Risiko besteht besonders dann, wenn Bäume wegen einer nicht offensichtlichen Erkrankung, eines Blitzschlages oder eines Sturms entwurzelt werden.

Die Stadt Offenbach und das von ihr mit dem Schulneubau beauftragte Unternehmen Hochtief werden ab dem 02. Juli 21 Bäume auf dem unmittelbaren Schulhofgelände fällen. Nach dem Abbau der Interimsklassenräume müssen auch die restlichen Bäume entfernt werden, um an dieser Stelle Risiken auszuschließen. Eine entsprechende naturschutzrechtliche Genehmigung des Amtes für Umwelt, Energie und Mobilität liegt vor. Auflage der Genehmigung ist die Neupflanzung von Bäumen zum Ausgleich. Diese solle möglichst quartiersnah erfolgen.

Die Stadt Offenbach hat am heutigen Freitag, Vertreter des Kollegiums und des Elternbeirates informiert. Alle Eltern und Lehrer erhalten am Montag per Brief eine entsprechende Mitteilung. Alle weiteren Schritte werden eng mit Eltern, Lehrern und Kindern abgestimmt. Eine Chronologie der Untersuchungen der Stadt Offenbach für den Baumerhalt steht im Internet unter der Adresse www.offenbach.de.

Anwohner, Schüler und Lehrer können per Mail Fragen an folgende Adresse schicken: neubau-beethovenschuleoffenbachde .