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Eine ausgezeichnete „von Haus zu Haus“- Beratung, Solarkataster, Klimaschutzkonferenzen: mit zahlreichen Aktivitäten versucht das Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz die Bürger der Stadt Offenbach über Möglichkeiten zum Energiesparen, energetische Gebäudesanierungen und Alternativen zum Auto aufzuklären. Und auch wenn sich der bewusste Umgang mit den Ressourcen Strom, Öl und Gas meist auch im Portemonnaie bemerkbar macht: „Klimaschutz ist eine herausfordernde Aufgabe“, weiß Heike Hollerbach, Leiterin des Amtes „die nur gemeinsam gelingen kann.“

Bereits 2006 hat die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Offenbach die Erstellung eines „Städtischen Klimaschutzprogramms zur messbaren Reduzierung der CO₂-Emissionen“ beschlossen. Dieses umfasst insgesamt 66 Maßnahmen, mit denen, so Heike Hollerbach, Leiterin des Amtes für Umwelt, Energie und Klimaschutz, „die jährlichen Emissionen bis 2030 um 495.000 t reduziert werden müssten.“ Denn langfristiges Ziel der Aktivitäten ist die Reduktion des CO₂-Ausstoßes um 50% bis 2030 in Relation zum Basisjahr 1990. Nach einer ersten Energie- und CO2-Bilanz für die Jahre 2005 und 2006 wurde nun die Fortschreibung für die Jahre 2005 bis 2010 vorgestellt.
Der Umbau vom Produktions- zum Dienstleistungsstandort ist nicht nur im Stadtbild sichtbar, sondern lässt sich auch in der Energie- und CO₂-Bilanz anhand des Industriepark Allessa nachvollziehen: dessen Anteil betrug 2005 noch 80 Prozent des gesamten Energieverbrauchs im Bereich Industrie, nach der Schließung des Parks sank dieser um 96 Prozent. Entsprechend nahmen auch die CO₂-Emissionen um 71 Prozent ab. Gleichzeitig jedoch stieg im Auswertungszeitraum der Stromverbrauch im Gewerbe an. Regenerative Energien haben einen geringen Anteil am Energieträgermix aus Strom, Öl (erfasst nach Heizöl, Benzin, Diesel, Kerosin), Erdgas, Fernwärme, Holz, Pflanzenöl und Sonnenkollektoren in Offenbach. Insgesamt kommen 4,7 Prozent des Gesamtstromverbrauchs aus erneuerbaren Energien. Dabei entfallen 8 Prozent auf Photovoltaik-Anlagen, 14 Prozent werden im Biomasse-Bioheizkraftwerk erzeugt und 78 Prozent durch Wasserkraft in der Staustufe. Der Anteil der Photovoltaik-Anlagen in Offenbach lag 2010 bei 0,36 Prozent, davon entfielen 37 Prozent auf Anlagen auf städtischen Dachflächen.
Bei der Planung und Sanierung öffentlicher Gebäude übernimmt die Stadt eine Vorbildfunktion, daher werden beispielsweise erforderliche Neubauten in vielen Fällen im Passivhausstandard geplant und wird bei der Sanierung von Schulen der Standard der Energiesparverordnung um mindestens 30 Prozent unterschritten. Entsprechend positiv fällt die Bilanz kommunaler Gebäude aus: so sind die Energieverbräuche in Schulen und Kitas sowie in sanierten Gebäuden deutlich gesunken und lässt sich ein deutlicher Rückgang der CO₂-Emissionen im Bereich Heizenergie durch Gebäudesanierung feststellen. Der Stromverbrauch hingegen steigt.

Insgesamt hat der Stromverbrauch in Haushalten, Industrie und Gewerbe um 2,7 Prozent zugenommen. Trotzdem ist der Energieverbrauch in Offenbach um 15,5 Prozent zurückgegangen. Dazu beigetragen hat ein Rückgang des Erdgas-Verbrauchs um 40 Prozent. Trotz des niedrigen Energieverbrauchs sind die CO₂-Emissionen mit 9,3 t CO₂ pro Kopf im Jahr 2010 höher als in der Startbilanz. „Eine Konsequenz aus der Evaluation ist es daher, die Energieeffizienz zu steigern“, bilanziert Dr. Anna-Christine Sander, Fachreferentin des Amtes bei der Vorstellung der Daten. Eine weitere ist der Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs und eine Förderung des Radverkehrs. Denn die CO₂-Emissionen im Verkehr wurden ebenfalls untersucht. Auch wenn in der Großstadt Offenbach im Bundesdurchschnitt vergleichsweise weniger Autos angemeldet sind, so weist die Stadt mit 38,0 Prozent (Fahrer) beziehungsweise 14,4 Prozent (Mitfahrer) einen hohen Autoverkehrsanteil auf. Zudem nutzen 38 Prozent aller Offenbacher das KFZ in der Freizeit gerne für Strecken unter 5 Kilometer – in Frankfurt sind es „nur“ 28 Prozent. Der „Umweltverbund“ aus Fuß (26,1 Prozent) , Fahrrad (9,2 Prozent) und Öffentlichem Nahverkehr (12,3 Prozent) macht mit 47 Prozent weniger als die Hälfte aus und ist hier zudem geringer als in vergleichbaren Großstädten.

Aus diesen Zahlen ergeben sich die aktuellen Handlungsfelder, so Heike Hollerbach: „Wir müssen mehr Energieeffizienz erreichen.“ Daher startet das Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz gemeinsam mit den Partnern von Industrie- und Handelskammer (IHK), Wirtschaftsförderung und Kreishandwerkerschaft am 18. Juni eine Unternehmensinitiative für den Klimaschutz. Ähnlich der beim Wettbewerb „Kommunaler Klimaschutz 2012“ mit 20.000 Euro Preisgeld ausgezeichneten „Von Haus zu Haus“ Aktion, bei der Hausbesitzer eine kostenlose Energieberatung und Thermografie erhielten, werden Unternehmern Möglichkeiten zur Energieeffizienz und Kostensenkung aufgezeigt.