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Ergänzende Informationen für alle Kolleginnen und Kollegen, die am Pressetermin, 13. November, nicht teilnehmen konnten.

Eine überraschende Eigendynamik hat das Projekt „Stadtteilzentren als Integrationsräume für Familien“ seit dem Start im Frühjahr 2011 entwickelt. Angestoßen durch die Förderung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) entstand in den Räumen der beiden Stadtteilbüros im Nordend und im Mathildenviertel mit wenigen Handgriffen ein einladender Treffpunkt für Mütter mit kleinen Kindern, aus dem sich weitere gemeinsame Aktivitäten entwickelt haben.

Sprache ist der Schlüssel zur Welt: Bis zum Alter von 36 Monaten entwickeln Kinder einen Zugang zur Sprache, der über den emotionalen kognitiven Spracherwerb hinausgeht. Dann können sie sich über die Muttersprache hinaus sukzessive eine weitere Sprache erschließen. Dies ist häufig der Fall, wenn muttersprachig nicht-deutsche Kinder ab drei Jahren eine deutschsprachige Kindertagesstätte besuchen. Frühstmögliche Sprachförderung und eine Begegnungsstätte für Mütter mit Migrationshintergrund schaffen: Hier setzt das im Rahmen des Modellprojektes „Orte der Integration im Quartier“ des Forschungsprogramms Experimenteller Wohnungs- und Städtebau („ExWoSt“) des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) an, das Stadtentwicklung und Bildungspolitik miteinander verknüpft: „Das Bauministerium hat erkannt, dass man zum Erlernen der Zielsprache Deutsch Räume schaffen muss“, so Jugendamtsleiter Hermann Dorenburg, „mit kleinkindgerechtem Mobiliar und einem Wickeltisch haben wir die bestehende Infrastruktur der Stadteiltreffs für die Bedürfnisse der Zielgruppe ergänzt.“ Dann begann die Kernerarbeit, mit Mund-zu-Mund-Propaganda und Informationszetteln wurde der Treffpunkt im Stadtteilbüro bekannt gemacht. „Wir haben bewusst einen nicht-institutionellen Ort gewählt, die Stadtteilzentren sind so etwas wie ein Marktplatz in den Quartieren“: Projektleiterin Sebnem Erhan-Dammasch von der Fachstelle Frühe Hilfen setzte von Anfang an auf ein niedrigschwelliges Angebot, zudem habe man mit dem DRK einen bekannten überkonfessionellen Partner im Boot, dessen Pendant „Roter Halbmond“ auch im Islamischen Raum anerkannt ist.

Die gute Resonanz gibt den Initiatoren des Projektes recht, denn: „nachdem der Stein ins Rollen gekommen war, hatten wir sehr schnell einen regelmäßigen Teilnehmerinnenkreis. Die Mütter wussten ihre Kinder gut betreut und begannen sehr schnell damit, den angebotenen Raum selber zu gestalten“, berichtet Beatrix Duttine-Eberhardt vom DRK Kreisverband Offenbach e.V. Während die Kinder angeleitet von einer deutschsprachigen pädagogischen Fachkraft Fingerspiele machen, Lieder singen und spielerisch deutsch lernen, treffen sich die Frauen nebenan und tauschen sich aus. Diese Treffen gehen inzwischen über den ursprünglich intendierten Rahmen hinaus, viele bleiben statt der geplanten Stunde den gesamten Vormittag, berichtet Duttine-Eberhardt: „Das gesamte Projekt hat sich zwischenzeitlich verselbstständigt, aus der Gruppe sind auch ein Nähkurs und „Deutsch lernen mit Film“ entstanden.“ Damit sich auch der Nähkurs verstetigen kann, hat Quartiersmanager Marcus Schenk Mittel aus dem Projekt „Modellregion Integration“, das Ende des Jahres ausläuft, organisiert. Damit wurden Nähmaschinen angeschafft, die nun unter Anleitung einer vom DRK finanzierten Kraft genutzt werden. Den Raum stellt Schenk den Frauen kostenlos zur Verfügung. So greift eines ins andere und Dorenburg ist sich sicher, damit auch im Sinne des Bauministeriums zu handeln: „Wir machen offensichtlich etwas richtig, denn mit dem Projekt erreichen wir Frauen, die sonst kaum sichtbar waren.“ Inwieweit der gewonnene Ansatz auch auf andere Quartiere, Städte oder Akteure übertragbar ist, wird die Studie des Berliner Forschungsinstituts „empirica“ zeigen, die alle acht bundesweit ausgewählten Modellvorhaben begleitet und evaluiert.

Bildunterschrift:
Jugendamtsleiter Hermann Dorenburg, Projektleiterin Serhan Ebner-Dammsch, Beatrix Duttine-Eberhardt, DRK Kreisverband Offenbach e.V. und Quartiersmanager Marcus Schenk mit dem Wickeltisch im Stadtteilbüro Nordend.