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Mit der Eröffnung der neuen S-Bahnlinien 1 und 2 sind Stadt und Kreis vor zehn Jahren näher zusammen gerückt. Die Fahrgastzahlen haben sich seitdem verdoppelt. Viele Pendler sind vom Auto auf die S-Bahn umgestiegen. Der Dienstleistungs- und Einkaufsstandort Offenbach ist für Tausende von Menschen schnell und bequem erreichbar geworden.

Für den Hessentag 2001 in Dietzenbach kam das lang erwartete Beförderungsangebot nicht mehr rechtzeitig. Zu dieser Zeit war die neue S-Bahnverbindung in den Rodgau und nach Dietzenbach noch im Bau. Erst zwei Jahre später, am 13. Dezember 2003, rollten die ersten S-Bahnen von Offenbach-Ost bis Ober-Roden und hinter Offenbach-Bieber über einen gesonderten Ast bis Dietzenbach. Im gleichfalls neuen Dietzenbacher Kreishaus wurde der „Meilenstein des Nahverkehrs“ (RMV) mit einem Festakt begangen. Und ebenfalls an den insgesamt 14 neuen Stationen der S 1 und S 2 wurde die Eröffnung des Verkehrsbetriebes gefeiert.

Mit einer eigens komponierten Hymne würdigten die Bieberer ihren Anschluss an die weite Welt des S-Bahn-Netzes im Rhein-Main-Verkehrsverbund. Dabei hatten sie gleich doppelten Grund zur Freude: Nicht nur, dass ihr Bahnhof am östlichen Ortsrand umgebaut wurde, in Waldhof mit seinem Industriegebiet und seiner Wohnsiedlung entstand gleichzeitig eine komplett neue S-Bahnstation. Zusammen mit „Dietzenbach-Mitte“ war das einer von zwei neuen Haltepunkten an den beiden zusammen fast 30 Kilometer langen Strecken.

Bei der Erweiterung des Netzes nutzte die Deutsche Bahn als Bauherrin historische Schienenstrukturen. Zum einen wurde die 1896 eröffnete Rodgaubahn (zwischen Offenbach-Hauptbahnhof, Rodgau und Ober-Roden) integriert, zum anderen der 1982 zu Gunsten einer Busverbindung eingestellte Personenverkehr auf der 1898 eröffneten Strecke Bieber, Heusenstamm und Dietzenbach wieder aufgenommen.

Waren die Verbindungen auf diesen Strecken früher eher dürftig, sind die schnellen S-Bahnen, die seit 2003 im Auftrag des RMV den Rodgau und Dietzenbach erschließen, wochentags im 15- beziehungsweise 30-Minuten-Takt unterwegs. Mit Vorteilen auch für Offenbachs S-Bahn-Fahrgäste. Zusätzlich zur S 8 und S 9 rollen zwei weitere Linien, die S 1 und S 2, durch den 1995 eröffneten S-Bahntunnel in der Innenstadt. „Die Taktfrequenz in Richtung Frankfurt hat sich dadurch erhöht“, sagt Anja Georgi, Geschäftsführerin der Offenbacher Nahverkehrsorganisation NiO. Viele Offenbacher nutzten die S-Bahnen sogar innerstädtisch.

Die S-Bahn-Linie 1 aus Wiesbaden fuhr schon vor der Netzerweiterung durch den Offenbacher Tunnel, endete jedoch in Offenbach-Ost, wo heute noch einige wenige Züge Endstation haben. Seit 2003 fährt sie weiter über Bieber und Jügesheim bis Rödermark-Oberroden. Die S-Bahn-Linie 2 aus Niedernhausen kam neu hinzu. Ab der Frankfurter Ostendstraße erhielt sie einen neuen Linienweg und wurde weiter geführt über Offenbach, Bieber und Heusenstamm bis Dietzenbach.

Die Fahrzeiten haben sich dadurch dramatisch verkürzt. Von Heusenstamm etwa dauert es keine zehn Minuten, von Dietzenbach gerade mal eine Viertelstunde nach Offenbach. Frankfurt ist von beiden Kommunen in weniger als einer halben Stunde, von Ober-Roden in weniger als einer Dreiviertelstunde erreicht.
Mit der besseren Erschließung des Rodgaus auf der Schiene ging gleichzeitig ein neues Buskonzept einher, mit dem die nicht direkt an den S-Bahntrassen liegenden Gemeinden besser angebunden wurden. Insgesamt, so Verkehrsplaner Klaus Böttcher von der Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach (KVG), wurden fünf Kreisgemeinden mit rund 150.000 Einwohnern erschlossen. Die Stadt Offenbach und der Landkreis und mit ihnen die ganze Region rückten mit der neuen S-Bahnverbindung näher zusammen.

„Das war ein längst überfälliger Zusammenschluss und ein wichtiger Schritt für die Infrastruktur der Metropolregion“, sagt Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider. Die Funktion Offenbachs als Oberzentrum sei durch den neuen S-Bahn-Ast deutlich gestärkt worden. Die Stadt hatte sich mit 5,7 Millionen Euro an dem 309 Millionen Euro teueren Streckenausbau beteiligt. Die Finanzierung leisteten Bund, Land und Kreis sowie Anrainergemeinden gemeinsam.

Dass das Geld gut angelegt war, zeigen die Fahrgastzahlen. Seit Inbetriebnahme des neuen leistungsfähigen Nahverkehrssystems haben sie sich nahezu verdoppelt. Wurden wenige Monate nach der Eröffnung werktags noch auf beiden Linien zusammen 19.700 Fahrgäste gezählt, waren es 2008 bereits 22.500. Die jüngste Zählung des RMV ergab laut Sprecherin Petra Eckweiler 38.000 Kunden. Fast zwei Drittel von ihnen nutzen die S 1.

Rund 20.000 Menschen aus dem Rodgau fahren somit an jedem Werktag mit der S-Bahn nach Offenbach und Frankfurt. Das ist eine spürbare Entlastung auch für die Innenstädte, weil viele Pendler vom Auto auf den ÖPNV umgestiegen sind. „Offenbach“, sagt IHK-Geschäftsführer Frank Achenbach, „ist als Teil der Metropolregion eine Pendlerstadt. Durch die S-Bahn in den Rodgau ist sie für viele Beschäftigte aus der Region besser und leichter erreichbar geworden.“ Das gilt insbesondere auch für den Dienstleistungsbereich. OB Schneider: „Offenbach hat hier viele innerstädtische Arbeitsplätze hinzu gewonnen. Unsere Innenstadt ist täglich voller Menschen.“

Von der besseren Erreichbarkeit hat auch Offenbachs Einzelhandel profitiert. Als Einkaufsstandort , so Achenbach, habe Offenbach nur ein relativ kleines Einzugsgebiet. Durch den S-Bahnausbau sei es ein Stück gewachsen. „Wir haben vor allem aus Heusenstamm, Obertshausen und Rodgau Kunden hinzu gewonnen“, bestätigt Stefan Becker, Geschäftsführer des Modehauses M.Schneider. „Das war ein großer Schritt nach vorne.“ Und auch Centermanager Frank Middendorf vom Einkaufszentrum KOMM ist überzeugt: „Die neue S-Bahnverbindung hat den Einkaufsstandort gestärkt.“

Wie wichtig die S-Bahn als Teil des ÖPNV für den Einzelhandel ist, zeigen jüngste Erhebungen bei beiden Häusern. Übereinstimmend rund 30 Prozent ihrer Kunden gelangen per Bus oder Bahn zum Einkaufen in die Stadt. Das ist vor allem am Marktplatz zu spüren, dessen Funktion als Eingangstor und Verkehrsdrehscheibe für den ÖPNV immer mehr zunimmt. Die Stadt Offenbach will ihn 2016/2017 umgestalten, um seine Trennwirkung zwischen Fußgängerzone und Wilhelmsplatz aufzuheben und ein gleichberechtigtes Miteinander von Fußgänger-, Individual- und Öffentlichem Nahverkehr zu ermöglichen. Für OB Schneider ist das eine „absolute Notwendigkeit“. Fußgänger und ÖPNV-Kunden machten den Löwenanteil der Verkehrsteilnehmer auf dem Platz aus.

Anders als an der S-Bahnstation Offenbach-Ost, die nach wie vor Bedeutung für den Umsteigeverkehr etwa nach Hanau oder Wiesbaden hat, steigen viele Fahrgäste aus dem Rodgau, vom Berufs- oder Gymnasialschüler bis zum Berufspendler, zielgerichtet an der Station Offenbach-Marktplatz aus beziehungsweise wechseln hier zur innerstädtischen Weiterfahrt in den Bus. Rund 20.000 Ein- und Aussteiger allein bei den werktäglich 815 Busfahrten hat die Stadt Offenbach hier gezählt.

Für den Einzelhandel, sagt IHK-Geschäftsführer Achenbach, sei es eine Herausforderung, noch mehr Kunden aus dem Umland zu gewinnen. Und dabei, so KOMM-Manager Middendorf, spiele gerade die S-Bahn eine wichtige Rolle.

S 1 und S 2
Am 13. Dezember 2003 nahmen die S-Bahn-Linien 1 und 2 ihren Betrieb auf. Sie fahren werktags im Takt von 15 Minuten (in den Spitzenzeiten) beziehungsweise von 30 Minuten sowie sonntags zeitweise auch nur alle 60 Minuten. Die Vollzüge haben eine Kapazität von 1000 Personen.

Die S 1 verbindet Wiesbaden, Frankfurt, Offenbach und Rödermark. Sie hält auf der neuen 20,1 Kilometer langen Trasse ab Offenbach-Ost in Bieber, Waldhof, Obertshausen, Weiskirchen, Hainhausen, Jügesheim , Dudenhofen, Nieder-Roden, Rollwald und Ober-Roden.

Die S 2 fährt zwischen Niedernhausen, Frankfurt, Offenbach und Dietzenbach. Hinter Bieber zweigt sie auf einer neuen, 9,4 Kilometer langen Trasse ab und hält in Heusenstamm, Steinberg, Dietzenbach-Mitte und Dietzenbach-Bahnhof.

Die Gesamtlänge der neuen S-Bahnstrecke beträgt 29,5 Kilometer. Der von S 1 und S 2 gemeinsam befahrene Streckenabschnitt zwischen Offenbach-Ost und Bieber ist 2,6 Kilometer lang.

Auf den beiden neuen Strecken (ab Offenbach-Ost) entstanden 14 S-Bahn-Stationen (zehn auf dem Rodgau-Ast der S 1, vier auf dem Dietzenbach-Ast). Zwei davon wurden neu gebaut: Waldhof (OF) und Dietzenbach-Mitte. Die Stationen verfügen über überdachte Wartehäuschen und Bahnsteige, barrierefreie Bahnsteigzugänge, Park+Ride- sowie Bike+Ride-Anlagen sowie behindertengerechte Toiletten.

Auf dem Rodgau-Ast der Linie S 1 werden im Auftrag des RMV jährlich 615.000 Zugkilometer, nach Dietzenbach 470.000 Kilometer gefahren.

Montags bis freitags sind auf der S 1 (in beiden Richtungen) insgesamt 105 Züge, samstags 76 und sonntags 62 Züge unterwegs. Auf der S 2 gibt es montags bis freitags 102 Fahrten, samstags 77 und sonntags 62 Fahrten.

38.000 Fahrgäste hat der RMV werktags auf beiden Linien gezählt, 23.500 auf der S 1 und 14.500 auf der S 2. Ihre Zahl hat sich seit Inbetriebnahme vor zehn Jahren fast verdoppelt. Kurz nach Eröffnung waren Anfang 2004 noch insgesamt 19.700 Fahrgäste (S 1: 11.500, S 2: 7700 plus 500 Einsteiger in Bieber), im Jahr 2008 bereits 22.500 Fahrgäste (S 1: 14.000, S 2: 8500) registriert worden.

Im Zuge des S-Bahnausbaus wurden 15 Unterführungen neu gebaut, 18 Bahnübergänge mit Schranken gesichert sowie zwei Übergänge aus Sicherheitsgründen geschlossen.

Die zwischen Bund, Land, Kreis und Anrainergemeinden aufgeteilten Gesamtkosten betrugen 309 Millionen Euro.

Mit Inbetriebnahme der Rodgau-S-Bahn fahren seit 2003 vier S-Bahn-Linien durch den Offenbacher Innenstadt-Tunnel. Zentrale Station ist der Marktplatz. An dem Verkehrsknoten halten werktäglich 369 S-Bahnen und 815 Busse (mit 20.000 Ein- und Aussteigern). In den Spitzenstunden überqueren jeweils 3000 Fußgänger den Platz. Die Zahl der täglich den Marktplatz passierenden 7200 Kraftfahrzeuge soll durch Umbau und Entlastung von Durchgangsverkehr auf 2600 verringert werden.

(Quellen: RMV / Stadt Offenbach)