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Viele Gäste feierten am Donnerstag, 8. August, gemeinsam mit dem Offenbacher Umweltdezernenten, Bürgermeister Peter Schneider, das Jubiläum „30 Jahre-Naturschutzgebiet Rumpenheimer und Bürgeler Kiesgruben“. Prominentester Gast: Regierungspräsident Johannes Baron.

Seiner Behörde dankte Peter Schneider ebenso wie den anwesenden Mitgliedern des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung, den zuständigen Behörden sowie den Mitgliedern des Naturschutzbeirats, der Kommission für Umweltschutz sowie den Naturschutzverbänden für ihr Engagement, das am Offenbacher Schultheis-Weiher ermöglichte, Naturschutz und Erholung gleichermaßen möglich zu machen.
Peter Schneider: „Die Entwicklung der ehemaligen Kiesgrube der Firma Schultheis zum Naturschutzgebiet begann als die ausgebaggerten Flächen mit Erdaushub, Bauschutt und Abfällen wieder verfüllt wurden. Bis Ende der 1970er Jahre entstand ein See von über 20 Hektar Größe, der im Volksmund „Schultheis - Weiher“ genannt. Dank der günstigen Lage nutzen nordeurasische Sumpf- und Wasservögel die Mainaue als Station auf dem Weg zwischen ihren skandinavischen und sibirischen Brutgebieten und ihrem Winterquartieren in Südwesteuropa und Afrika, ein wichtiger und einzigartiger Rastplatz.

Naturschutz und Ballungsraum sind kein Widerspruch
Regierungspräsidenten Johannes Baron, Hausherr für das Naturschutzgebiet, erläutert die Besonderheiten: „Als Europäisches Vogelschutzgebiet wurden die Rumpenheimer und Bürgeler Kiesgruben im Jahr 2008 in das EU-Schutzgebietsnetz Natura 2000 aufgenommen. Hier zeigt sich, Naturschutz und Ballungsraum sind kein Widerspruch. Es ist vielmehr eine Herausforderung und eine unserer wichtigsten Aufgaben für die Zukunft, beides zusammen zu bringen“.
1983 wurde das Naturschutzgebiet auf der Grundlage von Plänen des Landschaftsplanungsbüros Götte, Obst & Partner ausgewiesen. Erstmals in Hessen verband eine Konzeption Naherholung mit Badenutzung, Angeln und Modellbootsport und Naturschutz.

Baron lobte weiter die Anstrengungen der Stadt Offenbach: „Hier haben wir ein großartiges Beispiel dafür, wie Natur sich im Ballungsraum entwickeln kann. Die Natur hat sich inmitten des Mainbogens ein ehemaliges Kiesabbaugebiet zurückerobert. Jüngste Belege für die Schutzwürdigkeit liefern die Ergebnisse der 2012 für dieses EU-Vogelschutzgebiet erstellten sogenannten Grunddatenerhebung, bei der der Vogelbestand über das Jahr hinweg ermittelt und nach Artenlisten getrennt dargestellt wird. Die Daten werden in Kürze in das Hessische Naturschutzregister (NATUREG) in den öffentlich zugänglichen Viewer eingestellt“ informiert Herr Johannes Baron für seine Obere Naturschutzbehörde.

Ein Beispiel für erfolgreiche Koexistenz von Naturschutz und Erholung
Der Mangel an Schwimmbädern und die schlechte Wasserqualität des Mains lockten trotz Verbots auch Badegäste an. Sandstrand und sauberes Wasser, der Schultheis-Weiher gilt als die „Riviera“ des kleinen Mannes in Offenbach. Die Konkurrenz der verschiedenen Nutzungsansprüche, also Belange des Naturschutzes und die Ansprüche der Angler, Badegäste, Modellbootfahrer und Windsurfer führten in der Folge zeitweilig heftigen Konflikten. Heike Hollerbach, Amtsleiterin des Amtes für Umwelt, Energie und Klimaschutz: „Ende der 1990er Jahre verschlechterte sich die Wasserqualität: Es bildeten sich erste Blaualgen, der Hitzesommer 2003 führte zu einem Fischsterben; der Badesee musste zeitweilig gesperrt werden. Nachdem 2006 die Stadt Offenbach in Abstimmung mit dem Regierungspräsidium Darmstadt die Sanierung des Badesees beschlossen hatte, begann ein Sanierungsprojekt mit einer Laufzeit von fünf Jahren an die sich ein dreijähriges Monitoring anschließt. Die Sanierung beschränkt sich nicht allein auf wasserökologische Maßnahmen, sondern sorgt auch für einen neuen Fischbestand, die Entwicklung der Wasserpflanzenkultur bis hin zur Entsorgung gefährlicher Gegenstände aus dem Weiher wie Kühlschränke, alte Fahrräder, Metallgegenstände. Außerdem wurde der öffentlich zugängliche Teil deutlich aufgewertet.“

Im Anschluss an die Reden der Offiziellen war Gelegenheit das Naturschutzgebiet zu erkunden. Die Fachleute aus dem Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz sowie der Naturschutzbeauftragte Klaus Fiedler informierten während drei Exkursionsrundgängen über das Gewässerumfeld, die Vogelfauna, die Freizeitnutzung und die Sanierungsmaßnahmen zur Verbesserung der Seewasserqualität.
So berichtete Projektleiter Helmut Teichmann-Kucharskis im Detail von den umfangreichen Sanierungsmaßnahmen: „Es wurde beispielsweise ein Drainagegraben angelegt, der bei Hochwasser den See vor hochdrückendem Grundwasser schützt.“ Außerdem wurde die Infrastruktur für die Badegäste verbessert. Der Fachreferent vom Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz ist fast täglich am Weiher und beobachtet die Entwicklung des Gebiets. Seit dem der Baggersee vor einiger Zeit abgefischt wurde, hat sich die Population der Graskarpfen reduziert. Heute herrscht ein optimales Gleichgewicht. „Ein Ziel der Seesanierung war es, ein Hecht-Schleien-Gewässer herzustellen“, erzählt Teichmann-Kucharskis. Zurzeit bevölkern die gewünschten Fischarten das Gewässer. Aber auch andere tierische Bewohner haben sich dazu gesellt, wie Entenfamilien, Füchse, Insekten, Feuerlibellen und Nutrias. Doch in erster Linie sei das Areal ein Vogelschutzgebiet, weiß der Experte. Auch wenn der viele Vogelkot das Gewässer belastet. Täglich wird der Strand daher gesäubert. Auch mit der Zugabe von Kalium haben die Naturschützer bisher große Erfolge erzielen können.

150 Vogelarten
Für Schutzgebietsbeauftragten Klaus Fiedler sind die Rumpenheimer und Bürgeler Kiesgruben wie ein zweites Wohnzimmer. Der Hobbyornithologe berichtet, dass über 150 Vogelarten bereits im Gebiet gesichtet wurden. Seit 2008 bereichern zwei weitere die Artenvielfalt am Schultheis-Weiher: der Kormoran und der Pirol, ein Singvogel. Die stetige Stabilisierung der Wasserflora biete den Zugvögeln und heimischen Schwänen und Enten viel Nahrung und beste Brutbedingungen.

Herr Bürgermeister Peter Schneider bedankt sich recht herzlich im Namen der Stadt Offenbach für die äußerst konstruktive Zusammenarbeit aller Aktiven, die mit ihrem Engagement zur Entwicklung des Naturschutzgebiets beigetragen haben. Ohne sie wäre die Gestaltung und Unterhaltung eines solchen Kleinods nicht möglich.