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Offenbach entwickelt sich zum gefragten Wohnstandort. Die Stadt wächst und wird mit ihren attraktiven Neubaugebieten, aber auch mit ihren zentrumsnahen Baulücken von immer mehr Investoren und Wohnungssuchenden aus der Region entdeckt.

Zentrale Lage, kompakter Stadtgrundriss, gute Infrastruktur und ein attraktives Kultur- und Freizeitangebot: Offenbachs Vorzüge gelangen zunehmend in den Fokus von Entwicklern, die bislang eher weniger nach Frankfurts Nachbarstadt geblickt haben. Der anhaltende Siedlungsdruck auf die Mainmetropole und der sich verschärfende Wohnraummangel lassen viele Investoren inzwischen im Frankfurter Umland nach Baulandreserven Ausschau halten.

Frankfurts Wohnungsbaukonzern ABG erkannte als einer der Ersten, dass dieses Problem nur über die Stadtgrenzen hinweg als regionale Gemeinschaftsaufgabe zu lösen ist. Auf der Offenbacher Hafeninsel im Nordwesten der Stadt gab die ABG Frankfurt Holding die Initialzündung und errichtete in begehrter Wasserlage 178 Mietwohnungen, die soeben bezogen werden.

Andere Investoren sind dem Beispiel gefolgt und wollen in Sichtweite zur neuen EZB-Bank auf der wohl spannendsten Baufläche der Region weiteren Wohnraum schaffen. Auf der ehemaligen Industriebrache, die näher am Frankfurter Zentrum liegt als mancher Stadtteil der Bankenstadt, werden in den kommenden Jahren mehrere Hundert Wohnungen entstehen. Mit für Offenbach bislang nicht gekannten Dimensionen der Miet- und Immobilienpreise, die im Frankfurter Vergleich jedoch fast schon als Schnäppchen gelten. Die Nachfrage ist mittlerweile so groß, dass bereits der zweite Bauabschnitt früher als geplant komplett vermarktet ist.

„Immer mehr Unternehmen entscheiden sich, in unserer Stadt in den Wohnungsbau zu investieren“, freut sich Oberbürgermeister Horst Schneider. „Offenbach ist auf dem regionalen Wohnungsmarkt angekommen.“ Früher habe sich in diesem Bereich wenig getan, habe sich die Stadt eher um den Wegzug einkommensstarker Bürger sorgen müssen. Heute könne von einem solchen Aderlass keine Rede mehr sein, hätten sich die Wohnungsbauaktivitäten vervielfacht und ziehe es vor allem Menschen mit Ausbildung, Einkommen und Kindern wieder nach Offenbach.

Gerade für junge Familien sind die guten Angebote zur Kinderbetreuung, die kurzen Wege und die guten Einkaufsmöglichkeiten von Bedeutung. Und auch, dass die Stadt inzwischen viel in den öffentlichen Raum investiert habe, zeige Wirkung, sagt Markus Eichberger, stellvertretender Leiter des Amtes für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement. Nicht nur der Hafen, auch das neu gestaltete Mainufer oder das gastronomische Zentrum der Stadt, der umgebaute Wilhelmsplatz mit seinem Wochenmarkt, strahlten in die Region und trügen zum Imagewandel Offenbachs bei.

Mit der Hafenbebauung hat Offenbach den Main als Lebensader wieder entdeckt. Doch innerstädtisches Wohnen ist allen Lärmbelastungen zum Trotz dank der S-Bahn auch entlang der Verkehrsader Berliner Straße / Mathildenstraße attraktiv geworden. Hier herrscht besonders viel Baudynamik, die sich nach Eichbergers Einschätzung auch auf die angrenzenden Wohnbereiche wie etwa das Nordend auswirkt. Dort sind auf dem Gelände des ehemaligen Armaturen-Herstellers Jado an der Ecke Bettina-, Taunus-, Andréstraße 118 Wohnungen geplant.

Jahre lang lagen Flächen in der Innenstadt brach oder wurden wie im Fall des Luisenhofs als Parkplatz zwischengenutzt. Jetzt sind an der Ecke Luisen-/Bahnhofstraße, nur einen Steinwurf zur nächsten S-Bahnstation entfernt, 104 Miet- und Eigentumswohnungen im Bau. Insgesamt 240 sollen es werden.

Eine größere Zahl von Wohnungen könnten auch am westlichen Stadteingang auf dem städtebaulich gut integrierten Rheinberger Gelände der einstigen Collet und Engelhard-Fabrik zwischen Berliner Straße, Pirazzistraße und Goethering entstehen. Das brach liegende Areal hatte in den 1990ern die Deutsche Bahn für die Einrichtung der S-Bahnbaustelle genutzt und es später altlastensaniert. Bislang sah die Bauleitplanung an dieser prominenten Stelle Büros vor. Doch weil das Gelände unmittelbar an der Nahtstelle von Wohn- und Bürogebieten liege, eigne es sich auch für eine Wohnnutzung, sagt Eichberger, der in der städtischen Baubehörde den Bereich Stadtentwicklung und Städtebau leitet. Anfragen nach einem Wohnungsbau liegen bereits vor.

Rund 1000 neue Wohnungen kommen laut OB Schneider in den nächsten zwei bis drei Jahren allein im Innenstadtbereich auf den Markt. „Das ist ein wichtiger positiver Strukturschritt. Wir reden hier von über 2000 Menschen, die die Sozialstruktur verändern und zusätzliche Einkaufsnachfrage für den Einzelhandel bringen werden.“ Moderne Bautechnik mit Wärme- und Schalldämmung ermöglichten gutes Wohnen auch in verkehrsreichen Lagen.

In der Folge werden inzwischen selbst Grundstücke bebaut, die sich wegen ihrer Lage unmittelbar an der Hauptverkehrsachse früher nur schwierig vermarkten ließen. Dazu zählt das lange verwahrloste Areal an der Berliner Straße Ecke Ludwigstraße gegenüber dem Cinemaxx-Kino, wo in mehreren Bauabschnitten insgesamt 26 Eigentumswohnungen entstehen und stark nachgefragt sind. Und dazu gehört auch für das lange Jahre brach liegende, ebenfalls verwahrloste Friedelgelände an der Mathildenstraße Ecke Gerberstraße, wo sich 47 Eigentumswohnungen samt kleinem Quartierspark im Bau befinden.

Selbst für „Das spitze Eck“, einen von der Stadt verkauften Parkplatz an der Ecke Berliner Straße/Großer Biergrund hat sich ein Investor gefunden, der hier Geschäftsräume und Wohnungen errichten will. Ein ähnliches Konzept könnte laut Eichberger auf dem Gelände des Parkdecks zwischen Berliner Straße und Bahnhofstraße zum Tragen kommen. Über einer Tiefgarage solle ein Nahversorger und darüber Wohnraum entstehen. Mehrere Investoren hätten Interesse.

Neuer Wohnraum entsteht aber nicht nur im Zentrum, sondern auch am Rande der Innenstadt und in den Vororten. Das betrifft zum Beispiel den früheren Clariant-Parkplatz an der Ecke Mathilden-/Friedhofstraße, wo am östlichen Innenstadteingang 89 Mietwohnungen geplant sind. Und nach dem Hafen wird die Frankfurter ABG nächstes Jahr auf einer weiteren Industriebrache aktiv. Auf dem ehemaligen Werksgelände von MAN Roland in der südlichen Innenstadt wird sie rund 170 Mietwohnungen errichten. Und dies, kündigt ABG-Chef Frank Junker an, werde nicht das letzte Bauvorhaben seines Unternehmens in Offenbach sein.

Im Süden Offenbachs werden auch städtische Grundstücke für den Wohnungsbau vermarktet. An der Stelle des leer stehende Heinrich-Schleich-Hauses (Altenheim) im Hessenring 55 könnten 60 Wohnungen entstehen und auch die Liegenschaft Hessenring 61 soll einem Neubau mit rund 25 Wohneinheiten weichen.

In Bieber-West hat die Stadt per Grundstückstausch der Evangelischen Kirche ermöglicht, ein zusammenhängendes Gelände zwischen Erich-Ollenhauer-Straße und Einkaufszentrum für eine Bebauung mit 53 Eigentumswohnungen zu verkaufen. Der Stadtteil bietet aber auch Platz für den Eigenheimbau. Rund 920 Wohneinheiten sollen in Bieber-Nord entstehen, nachdem nun die jahrelang offene Frage der Erschließung gelöst ist.

Das gilt ebenfalls für das Baugebiet Bürgel-Ost, wo an der Umgehung Mainzer Ring rund 430 Wohneinheiten geplant sind. Und allen früheren Unkenrufen zum Trotz, entwickelt sich auch das anfänglich nur schleppend zu vermarktende Baugebiet An den Eichen in Waldheim-Süd hervorragend. Hier entstehen insgesamt 530 Wohneinheiten.

Zielgenaue Wohnbaulandentwicklung auf der einen, Nachverdichtung und qualitative Entwicklung des Wohnungsangebotes auf der anderen Seite: Die junge Großstadt Offenbach will trotz ihrer räumlichen Beschränkung auf dem Wohnungssektor wachsen und dabei nicht nur ihre Außenbereiche baulich abrunden, sondern auch die Potenziale ihrer Innenstadtquartiere nutzen, um den eigenen Wohnbedarf zu decken und gleichzeitig neue Bürger an den Main zu locken.

Dazu hat sich die Stadt sowohl mit ihren 2011 beschlossenen Wohnungspolitischen Leitlinien wie auch mit ihrer Finanzplanung unter dem „Schutzschirm“ (Entschuldungsfonds) des Landes ambitionierte Ziele gesetzt. Bis 2022, so die Planung, könnten 12.000 neue Bürger in Offenbach leben. Dies würde dann auch die städtischen Einnahmen aus der Einkommensteuer erhöhen.

Für OB Horst Schneider ist das kein unrealistisches Ziel: „Offenbach gehört zum Kern der Metropolregion und ist dabei, zu einem begehrten Wohnstandort zu werden. Jede neue Wohnung, jedes neue Wohnhaus ist für uns ein Stück Strukturverbesserung.“


Bildunterschrift 1: In zentraler Offenbacher Lage entstehen bis Herbst 2014 auf dem ehemaligen Friedelgelände an der Ecke Mathilden-/Gerberstraße 47 Eigentumswohnungen mit Lebensmittelmarkt und Quartierspark.

Bildunterschrift 2: Ansicht der „Mainzeile“ im Hafen, Foto: Cameraflight

Bildunterschrift 3: Ansicht des Luisenhofs


Neuer Wohnraum in Offenbach

Hafen: „Mainzeile“ mit 178 Mietwohnungen in drei Gebäuden der ABG Frankfurt Holding (im Bezug); Quartierszentrum mit 100 Mietwohnungen der Prime Properties / Lyson-Gruppe (geplant); 140 Eigentumswohnungen („Hafengold“) der DIH Deutschen Wohnwerte in neun Inselhäusern (geplant); 180 Eigentumswohnungen der Projektgesellschaft Horn in etwa einem Dutzend Gebäuden (geplant); „Luv und Lee“-Gebäude mit 27 Eigentumswohnungen des Immobilienentwicklers Ardi Goldman (geplant).

Luisenhof: 240 Miet- und Eigentumswohnungen der PG Luisenhof (WEP Projektentwicklung und EFO Immobilien) auf dem ehemaligen Parkplatz Luisen-/Bahnhofstraße (104 im ersten Abschnitt im Bau).

Jado-Gelände: 118 Wohnungen in sechs Mehrfamilienhäusern auf ehemaligem Areal des Armaturenhersteller im Nordend zwischen Bettina-, Taunus- und Andréstraße (geplant). Konzept: Schließung des Blockrandes und drei Gebäude im Innern.

Berliner Straße 198-202: „Residenz“ mit 26 Eigentumswohnungen in drei Gebäuden der Consult Massivhaus an der Ecke Ludwigstraße, gegenüber Cinemaxx (teils fertig, teils geplant).

Mathildenstraße 11-17: „Karree 17“ mit 47 Eigentumswohnungen der Schoofs Immobilien mit Nahversorger und kleinem Quartierspark mit Zugang auch von der Bieberer Straße auf ehemaligem Friedelgelände (im Bau).

„Das spitze Eck“: Mehrgeschossiger Wohnungsbau mit Geschäften im Erdgeschoss auf einer größtenteils als städtischer Parkplatz genutzten Fläche zwischen Berliner Straße, Großer Biergrund und Bieberer Straße (geplant).

Clariant-Parkplatz: „Green Parc“ mit 89 Mietwohnungen einer Investorengruppe um Ludger Mentrup. Fünf überwiegend sechsgeschossige Gebäude samt kleiner Allee auf dem ehemaligen Parkplatz des Chemie-Konzerns Ecke Mathilden-/Friedhofstraße gegenüber dem Alten Friedhof (geplant).

Parkdeck: Ersatz des öffentliche Parkraums zwischen Bahnhof- und Berliner Straße durch ein Gebäude mit Tiefgarage, Nahversorger und Wohnungen (städtische Studie, mehrere Interessenten).

Stadthof/Hugenottenplatz: Anbau an Häuserzeile nahe Stadtkirche (ehemaliger Standort des Freiluft-Schachspiels) mit Café im Erdgeschoss und kleinen Wohneinheiten darüber (geplant). Wohnturm anstelle des zum Verkauf stehenden C&A-Gebäudes (Vision Stadtplanungsamt).

MAN Roland (altes Werk): 172 Mietwohnungen (davon etwa ein Drittel gefördert) in einem sechsgeschossigen Gebäudekomplex der ABG Frankfurt Holding auf dem ehemaligen Betriebsgelände des Druckmaschinenherstellers im Senefelderquartier (Christian-Pleß-Straße) in der südlichen Innenstadt (geplant).

Hessenring: 60 Wohnungen in fünf Stadtvillen anstelle des ehemaligen städtischen Altenheims „Heinrich-Schleich-Haus“ im Hessenring 55 (geplant). Rund 25 Wohnungen anstelle viergeschossigem Mehrfamilienhaus der Stadt im Hessenring 61 (Anfrage).

Erich-Ollenhauer-Straße 10-12: 53 Wohnungen in vier Mehrfamlienhäusern auf ehemaligem Kirchengrundstück nahe dem Einkaufszentrum von Bieber-West (geplant).

Bieber-Nord: Neubaugebiet mit 920 Wohneinheiten, insbesondere Einfamilienhäusern, im Bereich Friedhof zwischen Bahnlinie und B 448. Geplanter Baubeginn der öffentlich-rechtlichen Erschließung: 2016.

Bürgel-Ost: Neubaugebiet mit 430 Wohneinheiten, insbesondere Einfamilienhäusern, an der Umgehungsstraße Mainzer Ring. Baubeginn der öffentlich-rechtlichen Erschließung nach EU-weiter Ausschreibung voraussichtlich 2015.

An den Eichen: Neubaugebiet in Waldheim-Süd am östlichen Stadtrand. Die südliche Fläche nahe dem Lohwald wird gerade bebaut. Im Nord- und Südteil der Fläche entstehen insgesamt rund 530 Wohneinheiten, überwiegend Einfamilienhäuser.