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Die US-Fliegerbombe, die Anfang November bei Bauarbeiten auf der Hafeninsel gefunden wurde, hat jetzt einen Platz zwischen rund 50.000 Exponaten im Depot des Haus der Stadtgesichte gefunden. Für Museumsleiter Dr. Jürgen Eichenauer „ein besonderer Tag, schließlich gibt es nur wenige Museen mit einem solchen Blickfang.“ 1,40 Meter lang mit einem Durchmesser von 40 Zentimeter ist der 350 Kilogramm schwere Stahlkörper, dessen zerstörerische Kraft sich während des 2. Krieges nicht entfaltete und der als gefährlicher Blindgänger im Boden der Hafeninsel lag.

Insgesamt 500 Kilogramm wog die Bombe bei der Räumung, die von den Experten des Kampfmittelräumdienstes nach der Entfernung der Zünder in einem Bunker in Mittelhessen fachgerecht zerschnitten wurde. Nach der Entfernung des Sprengstoffes wäre die Bombe normalerweise verschrottet worden, wenn Vincente Such-Garcia vom Haus der Stadtgeschichte beim Regierungspräsidium Darmstadt keine Überzeugungsarbeit geleistet hätte: „Die Bombe gehört nach Offenbach“, meint der Historiker, „schließlich wurde sie hier gefunden.“ Zudem handele es sich um ein ausgesprochen gut erhaltenes Exemplar, bestätigt auch der Leiter des beim Regierungspräsidium angesiedelten Kampfmittelräumdienstes Gerhard Gossens: „Daher haben wir hier gerne ein Ausnahme gemacht und den Stahlkörper neu gestrichen und die Beschriftung erneuert.“ Diese informiert über deren Herstellungsdatum im März 1944 sowie deren Sprengkraft, nämlich SAP, Semi Armor Piercing, Halb-Panzerbrechendes TNT. „Die Alliierten haben 1943/44 überwiegend Bahn- und Industrieanlagen bombardiert, daher waren Offenbach, Frankfurt und Kassel wichtige strategische Ziele“, erläutert Gossens. Allerdings sind zwischen 10 und 30 Prozent beim Auftreffen nicht detoniert, weshalb sich auch 70 Jahre nach Kriegsende noch viele Blindgänger im Boden befinden. In Hessen werden pro Jahr zwischen 40 und 60 solcher Bomben gefunden und dann kontrolliert unschädlich gemacht. Auch das geschieht nicht ohne Risiko, weshalb bei einem solchen Fund auch immer großräumig abgesperrt werde, so der Leiter des Kampfmittelräumdienstes weiter: „Es gibt unterschiedliche Zündsysteme, daher müssen auch unsere Experten immer von Fall zu Fall entscheiden.“ Zudem seien über die Jahre viele Zünder korrodiert, die Blindgänger im Boden sind wahre Zeitbomben. Vor allem im Zuge von Bauarbeiten plädiert Gossens daher unbedingt für eine fachgerechte Kontrolle des Grunds im Vorfeld.

Die Bombe von der Hafeninsel wird nun ausschließlich zivil genutzt und soll bei Ausstellungen im Haus der Stadtgeschichte gezeigt werden, die sich mit dem Kriegsgeschehen in Offenbach beschäftigen.

BU: Vincente Such-Garcia und Dr. Jürgen Eichenauer vom Haus der Stadtgeschichte nehmen den Stahlkörper gemeinsam mit Gerhard Gossens, Leiter des Kampfmittelräumdienstes, entgegen. Foto: Stadt Offenbach