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Die beiden Hühner Agathe und Charlotte sind die neuesten Mitglieder der Hafen 2 –Familie und tragen nun mit zum sehr eigenem Charme des Ortes bei, der Raum für Kreativität und Experiment, ein Platz zur Begegnung und Kommunikation, eine Bühne mit ambitioniertem Programm ist und Menschen aus der ganzen Region nach Offenbach lockt. „Wir wollten und wollen unsere Umgebung gestalten und einen Ort schaffen, der freies Denken, Erholung und Kultur ermöglicht, der inspiriert und für jeden offen ist“, erklärt Andrea Weiß vom suesswasser e.V. Mit dem Hafen 2 ist diese Vision Realität geworden, die am 28. Februar zehnten Geburtstag feiert.

Lange war die Zukunft dieser interdisziplinären Plattform unsicher. Ursprünglich als Interimslösung gedacht, gehörte der Hafen 2 schnell zu den Lieblingsorten der Offenbacher und zog mit der Programmgestaltung auch in der Region weite Kreise. „Als wir den ehemaligen Lokschuppen der Hafenbahn 2003 zum ersten Mal betraten, hatten wir sofort Bilder für diesen Ort im Kopf“, erinnert sich Weiß, eben „Weite, Internationalität und Offenheit.“ Die Geisteswissenschaftlerin hatte einige Jahre zuvor gemeinsam mit Mitstreitern und ihrem Lebensgefährten Alex Braun die Rotari-Clubbar auf dem Hochplateau in der Innenstadt Offenbachs gestartet. 2003 sei dann die Einladung zur Besichtigung des leerstehenden Lokschuppens gekommen und gemeinsam mit Daniela Matha von der für die Vermarktung des Hafengebietes zuständigen OPG Offenbacher Projektgesellschaft entstand die Idee für diesen Ort, dessen Adresse auch heute im Nordring 129 noch Programm ist: Hafen 2. „Mit Hilfe der Stadtwerke Offenbach Holding SOH wurde das Gebäude nach unseren Wünschen renoviert“, berichtet Weiß. Erst einmal auf zwei Jahre war der Betrieb seinerzeit angelegt, denn der Standort liegt genau auf der Infrastrukturverbindung zur Erschließung des Hafengeländes, das seit 2002 unter dem Namen „Mainviertel Offenbach“ zum neuen Stadtteil entlang des Hafenbeckens entwickelt wird. Nach Ablauf der zwei Jahre verlängerte sich der Vertrag immer um drei Monate, „die Abrissbirne schwebte immer über uns und das war die ganze Zeit eigentlich immer die größte Herausforderung, nämlich, trotzdem ein verbindliches Programm zu gestalten.“

Das ist in der vergangenen Dekade überaus gut gelungen: vom Musikmagazin INTRO in der Januarausgabe zu den feinsten Konzertspielstätten Hessens gezählt, ist der Hafen 2 von Anfang an Anziehungspunkt für Menschen aller Altersgruppen, mit und ohne Kinder. Die beiden Schafe und auch die zwei Gänse kamen im Laufe der Zeit dazu und sind weder für Macher noch Besucher wegzudenken. Außerdem der Zirkuswagen „Daisy“, mit dem „wir 2003 einen ersten Fuß auf den Mond setzten. Als die spätere Wiese noch längst keiner glich, gab es im Wagen schon erste, kleine Kunstausstellungen“, erinnert sich Weiß. Im letzten Jahr kam noch ein Kamelwagen dazu, der als Leinwand für das Open-Air-Kino dient und noch zum Ausstellungsraum umgerüstet werden soll. Neben den sechs Mitgliedern des Trägervereins, gehören Robert Nemec und Kai Schmidt für Konzerte, Daniel Brettschneider für das Kinoprogramm und Katharina Kowalski, Anna Bechtloff, Luzia Hein und Carolina Kowalczyk zum festen Team um Andrea Weiß und Alex Braun. Hinzu kommen Mitarbeiter im Café und bei der Technik.

Denn eine Unterstützerkampagne später, ist der Hafen 2 seit März 2013 endgültig im Hafen Offenbach angekommen: „mit direktem Zugang zum fließendem Gewässer, weitem Horizont, guter Anbindung und dem Blick in die Ateliers der Städelschule sei dies der beste Standort, schwärmt Andrea Weiß. Denn 2008 hieß es, „2009 wird abgerissen“. Auch wenn der Abrisstermin sich seitdem verschoben hat und der Lokschuppen bald Platz für die Grundschule machen wird, entstand im Februar 2011 ein Arbeitskreis mit Vertretern aus Politik, der Hochschule für Gestaltung, OPG und Kulturamt der Stadt, der zahlreiche Alternativstandorte prüfte, Alessa und Fredenhagen waren im Gespräch, denn ein Neubau sei schon aus Kostengründen keine Option gewesen, berichtet Weiß: „Andererseits gab es bereits erste Entwürfe des Architekten und nachdem klar war, dass wir dieses Grundstück und die nötige Unterstützung bekommen, haben wir uns auf das Wagnis eingelassen.“ Eben ein Mietvertrag über 20 Jahre mit der Option auf weitere acht Jahre sowie ein Darlehen von 100.000 EURO. Insgesamt 830.000 EURO hat der Neubau gekostet, von denen der suesswasser e.V. innerhalb von vier Monaten in zwei Etappen, zwischen Bauantrag und Baubeginn, 230.000 EURO aus Einzelspenden aufbrachte. Die gemeinsam mit der Agentur U9-visuelle Allianz ersonnene Kampagne mobilisierte „Hafenretter“ in der gesamten Region, die je nach Höhe ihrer Spenden das „Seepferdchen“, den „Freischwimmer“ oder „Rettungsschwimmer“ machen konnten. Weitere 500.000 EURO kamen von der SOH, die das Projekt von Anfang an unterstützte.
Der Umzug, neue Technik und die Einrichtung kosteten nochmal rund 150.000 EURO. „Wir arbeiten mit einem Minusbudget“, aber die Idee sei aufgegangen, findet Weiß. „Es ist von allem mehr geworden. Wir haben jetzt einen kontinuierlichen Cafébetrieb und eine variabel nutzbare Halle, die sonntägliche Tageslichtkonzerte und anschließend Kino oder umgekehrt ermöglicht.“ Einziges Manko des Neubaus seien fehlende Büroräume oder auch ein Backstage für Künstler: „Für die fehlte erstmal das Geld.“
Aber: der Hafen 2 ist angekommen und auch im Nordring 129 in unmittelbarer Nachbarschaft zum Robert Johnson und zum MTW ein Ort nicht nur für Nachtschwärmer. Zur Geburtstagsfeier am Freitag dürften daher alle auf ihre Kosten kommen, wie gewohnt gibt es einen Mix aus Kino, Küche, Kunst, Klub und Konzerten. Einlass ist ab 19.30 Uhr, der Film beginnt um 20.00 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf und an der Abendkasse zum Preis von 10,00 EURO.

Bildunterschrift:
Auf dem Foto, v.l.n.r.: Die Mitglieder des suesswasser e.V. Alex Braun, Oma Rose, Rieke, Lisa Marei Klein, Jochen Krimm, (es fehlen Anja Kühn und Saira Hussain), Booker Kai Schmidt, Andrea Weiß und Hafen 2- Mitarbeiter Pierre Poitiers
Foto: Stadt Offenbach