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Die Wirtschaftsentwicklung vor Ort vorantreiben – das ist erklärtes Ziel der Stadt Offenbach und der Industrie- und Handelskammer. Mit einer gemeinsamen Strategie möchten die städtische Wirtschaftsförderung und die IHK Offenbach jetzt Genehmigungsverfahren optimieren und Prozesse beschleunigen, um mehr Firmen vor Ort anzusiedeln. „Damit können wir die Gewerbesteuer-Ansätze deutlich steigern und gewinnen wieder finanziellen Spielraum“, betonte Oberbürgermeister Horst Schneider.

Die Stadt befinde sich weiterhin in einem „dramatischen Prozess des Strukturwandels“, so der OB. Trotz der Ausschöpfung aller Einsparpotenziale stieg ihre Verschuldung in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich an. Gleichzeitig attestiert eine Untersuchung der IHK Offenbach der Stadt eine steigerungsfähige Entwicklung der Wertschöpfung. Auf dieser Basis nahm Offenbach 2013 die Entschuldungshilfe des Landes Hessen (Kommunaler Schutzschirm) in Anspruch. Eckpunkte der Haushaltskonsolidierung sind laut Schutzschirmvertrag die Steigerungen der Gewerbesteuer durch Firmenansiedlungen und Flächenangebote zur Firmenerweiterung.

Die Grundvoraussetzung dafür ist gegeben: „Wir bieten hier 1,2 Millionen Quadratmeter verfügbare Gewerbefläche, und 280.000 davon können sofort vermarktet werden“, bilanzierte Schneider. Dieses Potenzial gelte es nun mit Unterstützung der IHK, die laut OB eine „bundesweit wohl einmalige Rolle“ übernimmt, zu nutzen.

Schwerpunkte des gemeinsamen Konzepts zur Wirtschaftsentwicklung der Stadt Offenbach sind:

  • die Einbindung der IHK, um Prozesse wirtschaftsfreundlicher zu gestalten
  • die Einbindung der Eigentümer von Gewerbegrundstücken, um private Flächenpotenziale zu mobilisieren – denn mehr als 80 Prozent der verfügbaren Gewerbeflächen sind in Privatbesitz
  • die Einbindung der gesamten Verwaltung in die Ansiedlungsbemühungen, um das Vorhaben schneller zu bearbeiten.

„Früher waren bei solchen Verfahren bis zu 20 Mitarbeiter aus verschiedenen Ämtern beteiligt – heute bieten wir eine kleine Task Force mit nur einem verantwortlichen Ansprechpartner pro Amt“, verdeutlichte Jürgen Amberger, Leiter der städtischen Wirtschaftsförderung. Das Ergebnis sei eine klar strukturierte Beratung, konkrete und rasche Hilfestellungen beim Weg durch das Regelungs-Dickicht sowie ein verlässlicher Zeitplan.

Die IHK Offenbach wird ihrerseits in ihren Netzwerken dafür werben, dass „hier mitten im Rhein-Main-Gebiet genügend Gewerbeflächen vorhanden sind“, sagte deren Präsident Alfred Clouth. Interessierten Unternehmen steht sie dann, als Mitglied der Task Force, mit Rat und Tat zur Seite, etwa wenn es um außerstädtische Angelegenheiten geht - „vom Regierungspräsidium bis hin zum Kampfmittelräumdienst“ -, um die Verfahren parallel ins Laufen zu bringen.

Mehreinnahmen aus Gewerbesteuer werden dringend benötigt
Zudem werden IHK-Hauptgeschäftsführer Markus Weinbrenner sowie ein Kollege als Gäste in die städtische Wirtschaftsentwicklungs-Runde aufgenommen, die sich auf OB-Initiative nun alle zwei bis drei Wochen trifft. „Unsere Prioritäten werden neu definiert, und darauf schwören wir die gesamte Verwaltung ein“, unterstrich Schneider. Denn auch ein Hauptthema der Stadt wie die Investition in Bildung müsse bezahlt werden. „Und dafür brauchen wir dringend Mehreinnahmen aus der Gewerbesteuer.“

Weinbrenner zeigte sich erfreut über die klaren Signale der Stadt: „Die Wirtschaftsentwicklungsstrategie ist eine Riesenchance für Offenbach, die auch der IHK zugute kommt.“ Das jetzt vorgelegte Konzept gilt als weiterer wichtiger Schritt in Richtung „Masterplan für die Entwicklung Offenbachs“, den Stadt und IHK derzeit gemeinsam erarbeiten.

Was möglich ist, wenn alle Seiten an einem Strang ziehen, zeigte schon Mitte 2013 das Beispiel St. Gobain am Hafen Offenbach: Das Genehmigungsverfahren für die neue Deutschlandzentrale des international agierenden Baustoffhändlers direkt am Main dauerte nur sechs Wochen statt der – bisher – üblichen drei Monate.