Sprungmarken
Suche
Suche

Seit dem Jahr 2000 wurde der Schulentwicklungsplan (Teil I, allgemeinbildende Schulen) der Stadt Offenbach sechsmal geändert und fortgeschrieben. Am 4. Juni 2014 verabschiedete der Magistrat eine Neufassung, die veränderte Rahmenbedingungen (Schülerzahlen, Zahl der zu bildenden Klassen und Stadtentwicklungsziele) sowie Eltern- und Schulwünsche berücksichtigt. Die wichtigsten Ziele: der Bau der neuen Hafenschule und die Umwandlung der Ernst-Reuter-Schule in eine Integrierte Gesamtschule.

Schuldezernent Dr. Felix Schwenke präsentierte am 5. Juni im Rathaus den Schulentwicklungsplan 2013 für allgemeinbildende Schulen. Es ist ein völlig neu erarbeitetes Rahmenwerk, in dem das Stadtschulamt aktuelle und perspektivische Schüler- und Raumzahlen sowie Wünsche von Schulen und Eltern eingearbeitet hat. „Es stellt die Bildungsangebote an weiterführenden Schulen dar“, so Schwenke, „und zeigt auf, wie das Angebot die Nachfrage und Wünsche aus der Bevölkerung befriedigt.“ Mit der Neuauflage komme der Schulträger seiner gesetzlichen Verpflichtung nach, ein Schulangebot vorzuhalten, dass das Elternwahlrecht und die Übergänge in die Oberstufe gewährleistet.

Dem Plan zufolge bietet die Stadt Offenbach aktuell ein ausgeglichenes und vielfältiges Bildungsangebot im Bereich der Sekundarstufe I und II an. In den neun weiterführenden allgemeinbildenden Schulden werden folgende Schulformen angeboten: Hauptschule, Realschule, Gymnasium und schulformübergreifende (integrierte) Gesamtschule. Es sind zwei verbundene Grund-, Haupt- und Realschulen mit Förderstufe (Ernst-Reuter-Schule und Mathildenschule) und eine verbundene Haupt- und Realschule mit Förderstufe (Bachschule) vorhanden. Dem öffentlichen Interesse an schulformübergreifend organisierten Bildungsgängen wurde durch die Einrichtung der Geschwister-Scholl-Schule, der Edith-Stein-Schule und der Schillerschule als Integrierte Gesamtschulen Rechnung getragen. Ebenfalls drei Schulen bestehen für den gymnasialen Bereich der Sekundarstufen I und II (Albert-Schweitzer-Schule, Leibnizschule und Rudolf-Koch-Schule).

Sprachliche Hürden als besondere Herausforderung
Auch besondere Herausforderungen Offenbachs spiegeln sich im aktuellen Werk wider: So verzeichnete das Stadtschulamt seit dem Schuljahr 2011/12 einen massiven Zuzug von schulpflichtigen Kindern, die kein oder kaum Deutsch sprechen und die in Einzelfällen noch nicht einmal alphabetisiert sind. „Viele der Zuzüge stammen aus Griechenland, Portugal, Spanien, Italien, aber auch Bulgarien und Rumänien“, sagt Schwenke. Insgesamt handelt es sich um 224 Schülerinnen und Schüler, die zusätzlich beschult werden müssen. „Die neuen Klassen eröffnet das Land Hessen, wir als Kommune müssen den Schulraum zur Verfügung stellen“, erläutert Schwenke.

Schulen wie Schulträgern bereitet das erhebliche Probleme in einer jungen Stadt mit steigender Kinderzahl: „Wir mussten schon fünf Fachunterrichtsräume für die Intensivkurse und -klassen umwidmen.“ Einschnitte im normalen Schulbetrieb bleiben da nicht aus. „Besonders ärgerlich ist die Notwendigkeit, Fachklassenräume umzuwidmen“, ergänzt Schulamtsleiter Thomas Löhr. „Wir haben bereits fünf Räume für die Beschulung von Intensivklassen herrichten müssen.“ Zwar im „Einvernehmen, aber zum erheblichen Bedauern der betroffenen Schulen“. Im April 2014 gab es 17 Intensivklassen sowie 20 Intensivkurse an Grundschulen und in der Sekundarstufe I. Das Staatliche Schulamt Offenbach hat ein Aufnahme- und Beratungszentrum eingerichtet, um die zuziehenden Kinder und Jugendlichen einschätzen und sinnvolle Klassen bilden zu können.

Neben dieser Bestandsaufnahme setzt der Schulentwicklungsplan 2013 vier entscheidende Ziele, um dauerhaft die Nachfrage nach entsprechenden Schulformen bedienen sowie die weiterhin erwartete hohe Anzahl von Schülern unterbringen zu können. Höchste Priorität hat dabei die Errichtung der Hafenschule. „Die perspektivischen Daten weisen für Offenbach weiterhin Grundschuljahrgänge aus, die auf hohem Niveau verharren und den Trend bestätigten, dass vom Bevölkerungsrückgang in erster Linie der ländliche Raum Hessens betroffen ist, nicht aber Offenbach“, so Löhr.

Weiterer Raumbedarf bei innerstädtischen Schulen zeichnet sich ab
Weiteres Ziel ist die Sanierung und Erweiterung der innerstädtischen Schulen, die sowohl mit einer hohen sozialstrukturellen Belastung zu kämpfen haben als auch in absehbarer Zeit zusätzlich Kinder aus neuen Baugebieten aufnehmen müssen (insbesondere Goethe-, Mathilden- und Eichendorffschule). Genau diese Forderung verwirklicht die aktuelle Liste des Schulbausanierungsprogramms, das auf Schätzungen aus dem Jahr 2005 basiert. Die aktuellen Prognosen des Schulamts weisen jedoch darauf hin, dass schon bald weiterer zusätzlicher Raumbedarf herrschen wird. „Durch die geplanten Wohnbebauungen müssen die Raumkapazitäten an Eichendorff-, Friedrich-Ebert-, Humboldt-, Mathilden- und Wilhelmschule womöglich um je einen Zug erweitert werden“, so Schwenke. Dabei handle es sich um „maximal notwendige“ Maßnahmen, die allerdings noch nicht im Schulbausanierungsprogramm eingepreist seien.

Darüber hinaus müssen alle noch nicht oder nur teilweise berücksichtigten Schulen saniert beziehungsweise erweitert und – um die konstant hohe Nachfrage zu decken – eine weitere Schule in eine Integrierte Gesamtschule (IGS) umgewandelt werden. „Auch dauerhaft ist die Nachfrage von Schülern beziehungsweise Eltern nach dieser Schulform höher als das Angebot, das wir vorhalten“, betont Schwenke. Etwa 44 Prozent der Offenbacher Eltern wollen ihr Kind auf eine IGS schicken, der Zuspruch zu den drei Gymnasien beträgt 40 Prozent, nur rund 16 Prozent aller Schüler eines Jahrgangs wechseln nach der Grundschule auf eine Förderschule. Im laufenden Schuljahr hätten 80 Kinder an andere Schulen geschickt werden müssen, als es ihrem Erstwunsch entsprochen hatte. Weil auch die Ernst-Reuter-Schule diesen Weg ausdrücklich wünscht, befürwortet das Stadtschulamt vor diesem Hintergrund die Umwandlung der Ernst-Reuter-Schule zur dann vierten IGS in Offenbach. „Der Antrag hierzu wird in Kürze beim Hessischen Kultusministerium gestellt“, kündigte Schuldezernent Schwenke an. Unter dem Vorbehalt einer Genehmigung könnte schon zum Schuljahr 2015/16 die Umwandlung vollzogen werden.