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Wie bereits im Vorjahr evaluierte die Lokale Agenda 21 (LA21) anlässlich des Mainuferfestes 2014 wieder die Stimmungslage in der Bevölkerung: Welche Themen der Stadtentwicklung sind den Einwohnerinnen und Einwohnern besonders wichtig? Das Ergebnis: Die Offenbacher wünschen sich in erster Linie Versorgungssicherheit, eine nachhaltige Stadtentwicklung und ein Gesamtkonzept für die Stadt von morgen.

Stadtentwicklung ist seit Jahren Schwerpunktthema der LA21. Ein Ziel der Agenda ist es, mehr Verständnis und Gesprächsbereitschaft der lokalen Politiker für Anliegen der Bürgerinnen und Bürger zu erreichen. Damit die Meinung der Offenbacherinnen und Offenbachern zu wichtigen Themen der
Stadtentwicklung gehört und bei Entscheidungen mit berücksichtigt werden kann, hat die LA21 in den vergangenen Jahren mehrere Umfragen durchgeführt. Die Ergebnisse wurden den politischen Entscheidungsträgern übermittelt und der Öffentlichkeit auf diversen Veranstaltungen präsentiert.

Neun Aussagen standen im Themenkatalog der LA21, der an beiden Mainuferfesten 2013 und 2014 den Besuchern zur Abstimmung vorgelegt wurde. Durch den direkten Vergleich der Umfrageergebnisse wollte die Agenda herausfinden, ob sich die Interessen der Menschen innerhalb der Jahresfrist verändert haben. Die Befragten erhielten für die Beantwortung zwei unterschiedliche Farbpunkte, die sie entsprechend ihrer Meinung auf einem Röhrenmodell (siehe Fotos) platzieren mussten. Es galt, sich zwischen „wichtig“ oder „weniger wichtig“ zu entscheiden. Etliche Beteiligte weigerten sich, ein Votum für „weniger wichtig“ abzugeben und klebten nur einen Punkt für die „wichtig“-Aussage.

Frage: Was muss Ihres Erachtens in Offenbach unbedingt unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger angepackt werden?

1. Wasserversorgung in kommunaler Hand belassen
2. Offenbach fahrradgerechter machen, zum Beispiel durch Fahrradstraßen
3. Leer stehende Gewerbeimmobilien in Wohnraum umwandeln
4. Brachflächen in der Stadt nicht vollständig zu bebauen; Grünflächen nutzbar machen
5. Ein Gesamtkonzept für das Offenbach von Morgen
6. Dass das Mainufer noch mehr Erholungsraum bietet und dafür der Parkplatz aufgegeben wird
7. Ausreichend öffentliche Toiletten
8. Wassertaxis auf dem Main als Verkehrsmittel im Öffentlichen Personennahverkehr
9. Eine gute Einbindung des Hafens an das Nordend und die Innenstadt

Insgesamt beteiligten sich 1042 Menschen aus allen Altersgruppen und Stadtteilen an beiden Umfragen – in diesem Jahr 118 mehr als im Vorjahr, obwohl die Besucher- und Veranstalterzahl auf dem Mainuferfest 2014 insgesamt geringer ausfiel. „Personen mit Migrationshintergrund waren erneut deutlich unterrepräsentiert“, bedauert Barbara Levi-Wach vom Agenda-Büro. „Dennoch konnten wir feststellen, dass sie sich über die vergangenen Jahre hinweg kontinuierlich stärker beteiligten.“ Unter den Befragten waren auswärtige Besucher und Zugezogene, die aus Frankfurt und anderen Orten stammen.

Im Ergebnis brachten die Befragten zum Ausdruck, dass ihnen die Sicherheit der Wasserversorgung (Punkt 1) am meisten am Herzen lag. 144 Personen hielten es für „wichtig“, dass die Versorgung in kommunaler Hand verbleibt – eine deutliche Steigerung zum Vorjahr (81). „In Gesprächen mit den Beteiligten haben wir festgestellt, dass ungeachtet eines Stadtverordnetenbeschlusses von 2013, der eine Privatisierung untersagt, die Befürchtungen groß sind, dass sich die Politik doch noch anders entscheidet und dann die Kosten ungebremst steigen.“ Darüber hinaus sei eine „Renaissance“ der Stadtwerke gefordert worden – auch die Energieversorgung gehört nach Ansicht der Mehrheit in kommunale Hände. Zweites großes Thema für die Menschen dieser Stadt ist die Fahrradfreundlichkeit (Punkt 2) der Kommune. 97 Personen sagen: „Das ist mir wichtig!“ Dies belegt der deutliche Anstieg um etwa ein Drittel der Entscheidung für diesen Punkt. Das Verlangen nach sicheren Verkehrswegen stand dabei im Vordergrund.

Ein weiteres zentrales Thema ist den Offenbachern (Punkt 5) ein Gesamtkonzept für die Stadt. Dies bejahten 77 Personen (Vorjahr: 70). „Das Ergebnis zeigt, dass die Bürgerinnen und Bürger mit angehört werden wollen. Sie erwarten von der Politik, dass die unterschiedlichsten Institutionen und deren Vertreter die artikulierten Bedürfnisse der Bevölkerung mit einbeziehen und einen nachhaltigen Masterplan entwickeln“, erläutert Levi-Wach. „Nur dann kann nach Ansicht der Befragten ein Gesamtkonzept anerkannt und umgesetzt werden.“

Vor diesem Hintergrund spielt der Bauboom ebenfalls eine Rolle. Viele betonen, dass leer stehende Gewerbeimmobilien (Punkt 3) in Wohnraum umgewandelt werden sollten (82; Vorjahr: 85). „Leerstände wie am Kaiserlei, im Citytower oder dem Allessa-Areal sind ein echtes Ärgernis!“ Umgekehrt sollten Brachflächen (Punkt 4) nicht vollständig bebaut werden – eine Forderung, die im Vergleich zum Vorjahr deutlich zugenommen hat (87; Vorjahr: 61). „Der Wunsch der Teilnehmenden nach Grün in der Stadt ist groß. Sie sind überzeugt, dass die starke Verdichtung zu schlechterem Klima beiträgt, dass Parks und Grünflächen für das Image der Stadt wichtig sind und eine Kompensation darstellen für Wohnraum ohne Außenflächen wie Balkonen oder Terrassen.“

Dass das Mainufer (Punkt 6) noch mehr Erholungsraum bieten müsse und dafür der Mainparkplatz aufgegeben wird, hält die Mehrheit der Befragten dagegen für ein nicht so drängendes Problem (25; 28), ebenso wenig die Bereitstellung (Punkt 7) öffentlicher Toiletten (20; 29). „Bei diesen beiden Themen konnten wir einen Rückgang der Bedeutung feststellen“, so Levi-Wach. Wassertaxis auf dem Main (Punkt 8): Obwohl diese Idee bei der Wichtig-Nennung die doppelte Punktzahl (29; 15) erhalten hat, haben die Befragten dieses Projekt ebenso wie die Einbindung des Hafens (Punkt 9) an das Nordend und die Innenstadt von nachrangiger Priorität gesehen. „Generell lässt sich sagen, dass auch die als weniger wichtig markierten Themen wünschenswert sind aus Sicht der Bevölkerung, aber aufgrund der hohen Kosten, zunächst als weniger wichtig eingestuft wurden.“ Die hier genannten Daten sind in der angehängten Grafik anschaulich dargestellt.

Für die Lokale Agenda 21 steht nach einer Auswertung der Ergebnisse fest: „Die Bürgerinnen und Bürger wollen sehr wohl mitdenken, von den Verantwortlichen gefragt und informiert werden – und sich engagieren.“ Zwei Kriterien seien besonders deutlich geworden: „Die Stadt sollte sich nicht so massiv in Abhängigkeit von Investoren begeben, da diese verständlicher Weise zuerst die Gewinnmaximierung im Fokus haben. Zweitens muss die Lebensqualität wachsen in Offenbach, auch in Bezug auf die Umwelt und eine günstige Mobilität.“ Über allem stehe der Wunsch, dass ein nachhaltiger, schlüssiger, transparenter und umsetzbarer Masterplan (Gesamtkonzept) gelingen möge.

Hintergrund Lokale Agenda 21:
Seit der ersten Befragung im Jahr 2008 fordert die Lokale Agenda ein Leitbild oder Gesamtkonzept für die Stadt. Die Akteure haben sich der Forderungen der Bürgerinnen und Bürger angenommen und werben für mehr Beteiligung. Aktiv beteiligt war die LA21 unter anderem an der „Aktiven Innenstadt“, am Marktplatzforum, dem Maindeich und dem Stadthof. Die neun Fragen, die auf dem Mainuferfesten 2013 und 2014 gestellt wurden, ergaben sich aus dieser kontinuierlichen Arbeit.

Bildinformationen:
Die Fotos (Copyright: Stadt Offenbach) zeigen das Röhren-Modell, das bei den Abstimmungen auf dem Mainuferfest zum Einsatz kam, sowie Barbara Levi-Wach vom Agenda-Büro.