Sprungmarken
Suche
Suche

Wie wertvoll Städtepartnerschaften auch heute noch in Europa sind, zeigte sich jüngst bei der Hochwasserkatastrophe in der serbischen Partnerstadt Zemun. Dort halfen nicht nur privat organisierte Einsatzkräfte aus Offenbach, sondern auch aus Belgien, Österreich, Frankreich, Luxemburg und Großbritannien, die Folgen der Flut einzudämmen und den Opfern unter die Arme zu greifen. Ihren Eid der Verschwisterung erneuerten Ende Juni Vertreter der Partnerstädte Offenbachs feierlich während eines Jumelage-Treffens in der österreichischen Stadt Mödling.

Anlässlich der Feiern zum 1111-jährigen Bestehen Mödlings trafen sich in der bei Wien gelegenen Gemeinde Delegierte unter anderem aus den Partnerstädten Offenbach, Puteaux (Frankreich), Esch-sur-Alzette (Luxemburg), Köszeg (Ungarn) Zemun (Serbien) und Velletri (Italien) sowie den bilateralen Partnerstädten Mödlings, Vsetin (Techien) und Zottegem (Belgien), zu einer Großen Jumelage. In der Stadtgalerie erneuerten die Vertreter der Delegationen ihre Partnerschaften durch einen feierlichen Unterschrifts-Akt. Aus Offenbach angereist waren die Stadtverordnetenvorsteherin Sieglinde Nöller zusammen mit der Stadträtin Marianne Herrmann, dem Stadtverordneten Erik Lehmann und der zuständigen Referatsleiterin Bettina Jöst. Mehrere Künstler des Bundes Offenbacher Künstler schlossen sich der offiziellen Delegation an.

Die Offenbacher machten bei ihrem Besuch deutlich, wie wichtig es ist, die Partnerschaften weiterhin intensiv zu pflegen: „Der europäische Gedanke beziehungsweise der Grundgedanke der Städtepartnerschaften „Nie wieder Krieg -  muss auch in Zukunft aufrechterhalten werden“, sagte Bettina Jöst auch vor dem Hintergrund des gegenwärtigen Krieges in der Ostukraine. Jöst ist seit sechs Jahren verantwortlich für die Offenbacher Kontakte zu den europäischen Partnern. „Es dürfen keine Barrieren zwischen den Nationen entstehen.“ Um dieses Verständnis immer wieder zu fördern, müsse es weiterhin sowohl zivilgesellschaftliche wie auch politische Begegnungen geben.

Mit Puteaux verbindet Offenbach die längste Freundschaft. 2015 ist es 60 Jahre her, dass Offenbach und die französische Kommune in ihren jeweiligen Parlamenten die Städtepartnerschaft beschlossen: „Beide Städte reichten einander die Hände und schworen den Eid, nie wieder Krieg zu führen“, erinnerte Jöst, „damit waren wir Pioniere der deutsch-französischen Freundschaft, aber auch Pioniere der Europabewegung.“ Für diesen mutigen Schritt bekamen Puteaux und Offenbach 1956 vom Europäischen Parlament den Europa-Preis verliehen. „Darauf sind wir heute noch stolz, weil unser Beispiel eine Welle der Freundschaft und der Solidarität auslöste. Und heute, 69 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, können wir auf den längsten Frieden der Neuzeit zurückblicken, und so soll es auch bleiben!“

Mit Mödling ist Offenbach seit 1956 verschwistert – ebenfalls eine Partnerschaft der ersten Stunde. Seither finden regelmäßig Jugendaustausche statt, gegenseitige Ausstellungen, sportliche Veranstaltungen und der Besuch von Vereinsvertretern, Bürgern und Politikern. So war auch eine Gruppe von ehrenamtlich aktiven Offenbacherinnen und Offenbacher nach Mödling gereist, um sich gegenseitig auszutauschen und an den Feiern teilzunehmen.
Während der Großen Jumelage nahmen rund 300 Personen an international besetzten Veranstaltungen teil und lernten sich kennen. Die Aktivitäten reichten vom Schachturnier über Tennis-, Turn- und Basketballwettkämpfe bis hin zu Schultreffen und Ausstellungen. Einen Großteil seines Schaffens präsentierte etwa der BOK in einer Gemeinschaftsausstellung unter dem Titel „Kunst:Begegnungen“. Fotografien zeigte Hans-Jürgen Herrmann, Siebdruck und Zeichnungen präsentierte Andreas Masche, Gabriele Nold zeigte Malereien und Pelusa Petzel Papierobjekte.

Bei einem Rückblick auf die vergangenen Jahrzehnte blieb es freilich nicht: Die Teilnehmer besprachen in einer Arbeitssitzung gemeinsame Projekte für die kommende Zeit. Referatsleiterin Bettina Jöst stieß dabei einige Ideen an, die die Zusammenarbeit der Städte wieder intensivieren sollen, etwa durch eine gemeinsame Beantragung von europäischen Fördermitteln für Projekte der Partnerschaft. „Auch die Vereine sollen sich künftig stärker vernetzen“, regte Jöst an. So hätten etwa die Künstler aus den Partnerstädten neue gemeinsame Veranstaltungen vereinbart.

Im Fokus hat Jöst dabei vor allem die Jugend: „Auch wenn sich die Motivationen der ersten Stunde gewandelt haben, ist es unsere Pflicht, unsere Jugend zu guten Europäern zu erziehen, unermüdlich für die Völkerverständigung zu arbeiten und Fremdenfeindlichkeit gar nicht erst entstehen zu lassen.“ Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte hätten gezeigt, dass Jugendliche, die an einem Austausch teilgenommen haben, deutlich toleranter und offener mit anderen Kulturen umgingen und nebenbei sehr viel über Gastfreundschaft und unseren gemeinsamen Kontinent lernten. „Partnerschaften müssen nicht viel Geld kosten, die persönlichen Bindungen sind das Wichtige dabei.“

Bildinformation:
Feierliche Erneuerung der Partnerschaftseide (von links): Vizebürgermeister Bela Basthy (Köszeg), Präsident Nenad Vranjevac (Zemun), Stadtverordnetenvorsteherin Sieglinde Nöller (Offenbach), Vizebürgermeister Daniel Codello (Esch-sur-Alzette), Jumelagestadträtin Raymonde Madrid (Puteaux), Jumelagestadtrat Luca Masi (Velletri),Bürgermeisterin Iveta Taborska (Vsetin), Gemeinderätin Cyntia Braems (Zottegem), Jumelagestadtrat Robert Mayer und Bürgermeister Hans Stefan Hintner
Foto: Stadt Offenbach