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Neu ausgerichtet und deutlich intensiviert hat die Stadt Offenbach im Jahr 2014 ihre Bemühungen zur Gewerbeentwicklung und Neuansiedlung von Unternehmen im Stadtgebiet. Besonderes Augenmerk legte die städtische Wirtschaftsförderung auf Makler, Architekten und Investoren, denen die Vorzüge des Standortes Offenbach aufgezeigt wurden. Ob sich die Kontakte auf Messen und Veranstaltungen am Ende für die Stadt auszahlen, wird sich allerdings erst mit großer zeitlicher Verzögerung herausstellen.

Kann sich die Stadt Offenbach aus eigener Kraft in der Konkurrenzsituation des Rhein-Main-Gebietes behaupten? Dies hänge, erläuterte Oberbürgermeister Horst Schneider bei der Jahresbilanz der Wirtschaftsförderung am vergangenen Donnerstag, entweder von einer für Offenbach erfolgreichen KfA-Reform des Landes Hessens oder von exorbitanten Zuwächsen bei der Gewerbesteuer ab. Weil sich die Stadt nicht allein auf das Land verlassen könne, habe die städtische Wirtschaftsförderung in diesem Jahr erneut in besonderem Maße Marketing für den Standort Offenbach betrieben und dabei eine Entwicklungsstrategie umgesetzt, die auf Wirtschaftswachstum und deutliche Steigerung der Gewerbesteuereinnahmen setzt.

Masterplanprozess nimmt Fahrt auf

Um diese beiden Ziele voranzutreiben, setzte die Wirtschaftsförderung in 2014 auf die Unterstützung ansässiger Betriebe (Bestandsentwicklung), Neuansiedlungen, die Entwicklung eines Nachverdichtungskonzepts für bereits genutzte Gewerbeflächen, die Einbindung der Flächeneigentümer in die Vermarktungsbemühungen der Stadt, eine schnelle Verfügbarkeit der Flächen, die Einbindung der Gesamtverwaltung in das Vermarktungskonzept und auf einen breiten politischen Konsens für das Nachverdichtungs- und Vermarktungskonzept.

Ein wichtiger Ansatz, um das erstrebte deutliche Wachstum der Wirtschaft zu erreichen, ist dabei der Schulterschluss mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach und der gemeinschaftlichen von IHK und Stadt begonnene Masterplanprozess. „Ich bin optimistisch, dass der Masterplanprozess nach der langen Vorbereitungszeit und der Gründung des Vereins Offenbach offensiv im kommenden Jahr richtig in Fahrt kommt, um Offenbach zu positionieren“, so Schneider. Der Masterplan für die Stadtentwicklung soll unter Beteiligung von Politik, Wirtschaft und weiteren Schlüsselakteuren und Experten sowie einer breiten Öffentlichkeit erarbeitet werden. Aufgrund der im Schutzschirmvertrag der Stadt Offenbach mit dem Land vereinbarten Wachstumsziele, konzentriert sich der Prozess inhaltlich auf die Handlungsfelder Wirtschaft und Wohnen.

Investoren, Makler und Architekten über Offenbach informiert

Vor diesem Hintergrund waren alle Aktivitäten der Wirtschaftsförderung 2014 darauf ausgerichtet, dieses Entwicklungskonzept bekannt zu machen. So nahmen die Mitarbeiter an mehr als 150 lokalen und regionalen Veranstaltungen von Firmen, Institutionen, Verbänden und Kammern teil, um auch dort für die Qualität des Standorts zu werben. 135 Flächenanfragen wurden im Jahr 2014 detailliert beantwortet und bei Kontaktaufnahmen mit Objekteigentümern und Besichtigungen individuell unterstützt. Insgesamt wurden 285 Anfragen bearbeitet.

Bei der Teilnahme an den beiden bedeutendsten Immobilienmessen Europas (EXPO Real und MIPIM Cannes) wurden rund 70 intensive Standortgespräche auf den Messen direkt geführt. Daran anschließend wurden die Kontakte zu 120 Investoren und Projektentwicklern vertieft, berichtet der Leiter der Wirtschaftsförderung, Jürgen Amberger.

International geworben um ausländische Firmen und Investoren für Offenbach wurde außerdem durch eine verstärkte Zusammenarbeit mit der FrankfurtRheinMain GmbH International Marketing of the Region. Informationen über Offenbach wurden auf Investmentseminaren in China und in den USA vorgestellt, woraus elf Anfragen internationaler Firmen resultierten. Und auch im Internet ist die Wirtschaftsförderung aktiv: So hat sie etwa auf der geschlossenen Plattform Asset Profiler verfügbare Grundstücke eingepflegt, die Investoren zielgenau angeboten werden. „Diese Möglichkeit für das Vermarkten von Gewerbeflächen nutzen wir nun zunächst versuchsweise für ein Jahr.“

Aktiv als Partner beteiligte sich die Wirtschaftsförderung außerdem an mehr als 20 unterschiedlichen Veranstaltungen. Allein sechs eigene Veranstaltungen der Wirtschaftsförderung zählten mehr als 1400 Gäste aus der Offenbacher und der regionalen Wirtschaft. Der Einladung zum wiederaufgelegten Investoren- und Maklerfrühstück folgten mehr als 80 regionale und überregionale Investoren, Makler und Architekten der Einladung in den Hafen 2, um über die Investitionsmöglichkeiten in Offenbach zu diskutieren. Die Aktivitäten dort und auf unzähligen weiteren Veranstaltungen waren stets darauf ausgerichtet, die Wirtschaftsförderung immer wieder als Ansprechpartner der Unternehmen präsent zu halten, die Qualitäten des Standorts zu kommunizieren und die Unternehmen frühzeitig bei allen Standortfragen zu unterstützen.

400 neue Arbeitsplätze entstanden

Im Jahr 2014 wurden bis zum Stand 30. November 90 Neuansiedlungen mit etwa 400 Mitarbeitern registriert. In der Regel handelte es sich dabei um Klein- und Mittelbetriebe, die aber in Bezug auf das Gewerbesteuerpotenzial und die Sichtbarkeit über die Stadt hinaus durchaus bedeutsam sind. Herauszustellen ist die Ansiedlung der britischen Firma Screwfix, die mit einem Baumarkt und der Deutschlandzentrale 65 Büroarbeitsplätze in Offenbach geschaffen hat und von hier aus auf dem deutschen Markt expandieren will. Daneben ist die Firma ATP health Planungsgesellschaft für das Gesundheitswesen mbH zu nennen, die mit zirka zehn Mitarbeitern in Offenbach europaweit Projekte im Gesundheitswesen als Gesamtplaner betreut. Nicht unwesentlich für die Entwicklung des neuen Hafenviertels in Verbindung mit dem Nordend ist darüber hinaus die Ansiedlung der Bio-Lebensmittelkette Alnatura.

Dass durch den Zuzug neuer Unternehmen zwangsläufig auch die Gewerbesteuereinnahmen steigen – damit könne man kaum rechnen, bedauert Oberbürgermeister Horst Schneider: „Dieser lineare Zusammenhang ist leider so nie gegeben“, betonte er. Auch sei es unrealistisch, auf große Konzerne zu setzen, die auf einen Schlag mehr als 1000 Leute in Lohn und Brot bringen. „Für solche Unternehmen fehlt uns die Fläche, zukunftsfähig sind kleine und mittelständische Unternehmen.“ Schneider erinnerte daran, dass die Stadt durch den Verzicht auf eine Erhöhung des Gewerbesteuersatzes (derzeit 440 Punkte) 1,7 Millionen Euro weniger an Gewerbesteuern einnimmt: „Mit dieser Entscheidung unterstützen wir das Gewerbe in unserer Stadt, es handelt sich demnach um eine direkte Wirtschaftsförderung.“

Bei der Bestandspflege, das heißt der Betreuung von Firmen am Standort, bei Aus- oder Umbauprojekten oder bei der Suche nach neuen Mietflächen, konnten – auch das dürfe nicht unterschätzt werden – in 2014 mehr als 200 Arbeitsplätze in Offenbach gesichert werden. Noch nicht berücksichtigt in den Zahlen sind der Neubau der Deutschlandzentrale von Saint Gobain im Hafen Offenbach sowie der Umbau des chinesischen New Century Hotels am Kaiserlei. „Durch diese Projekte werden in den nächsten Jahren weitere 350 Arbeitsplätze entstehen“, so Amberger, „damit wird ein weiterer Baustein zur wirtschaftlichen Weiterentwicklung des Standorts Offenbach gelegt.“
Bei den Büroflächen hat sich die Leerstandsquote 2014 um 0,33 Prozentpunkte auf 10,74 Prozent verringert, ebenfalls geringfügig zurückgegangen ist der Leerstand bei den Lager- und Produktionsflächen, die Durchschnittspreise für Büroflächen sind im Kaiserleigebiet stabil geblieben, in der Innenstadt leicht gestiegen. Weiterhin besteht ein ausgewogenes Flächenangebot in allen Segmenten.

Insgesamt gab es mehr als 150 Anfragen nach Flächen, die in Offenbach nicht verfügbar sind (z. B. Großflächen für Handelsunternehmen, Speditionen, Industrienutzung mit hohem Flächenbedarf, Flächen mit besonderen Anforderungen an Verkehrsanbindungen etc.). Bei weiteren 135 konkreten Anfragen hingegen konnte die Wirtschaftsförderung eine Auswahl geeigneter Flächen benennen sowie die Kontaktdaten der Eigentümer oder beauftragten Makler. Neben diesen Gewerbeanfragen gingen im Jahr 2014 auch etwa 50 Anfragen von Wohnbauinvestoren ein, die ebenfalls von der Wirtschaftsförderung betreut und mit Informationen versorgt wurden.

Offenbach zunehmend im Fokus der Kreativbranche

Besonders intensiv kümmern sich die Wirtschaftsstrategen auch im Segment der Existenzgründungen. Offenbach ist eine sehr junge Stadt mit einer starken Kreativwirtschaft. Aus der Hochschule für Gestaltung heraus entwickeln sich viele selbstständige Unternehmer, also Existenzgründer. Daher hat deren Beratung einen hohen Stellenwert in der Stadt. Die Wirtschaftsförderung betreut Gründer am Standort Offenbach intensiv bei der Flächensuche und vermittelt bedarfsgenau Flächen oder Bürogemeinschaften. Hierzu wurden verstärkt Gespräche mit Hausbesitzern geführt, mit dem Ziel, diese dazu zu bewegen, auch kleinere Flächen an junge Unternehmen zu vermieten. Beispielhaft für diese Bemühungen steht die Eröffnung der Zollamt Studios, die günstigen Raum für viele Künstler bieten.

Darüber hinaus ist Offenbach im Jahr 2014 zu einem wichtigen Ort des Netzwerkens geworden. Zahlreiche Veranstaltungen der Kreativbranche, darunter die „OF FFM HipHop Sampler Releaseparty“ in der Stadthalle sowie das Symposium „Webinale Visions“ im Capitol-Theater, dienten dem überregionalen Austausch der Akteure und positionierten Offenbach als wichtigen Standort für die kreative Szene in Deutschland. „Wir haben viel Schwung in die Szene gebracht, mit der Hoffnung, dass sich das im nächsten Jahr zu unserem Nutzen weiter entwickelt.“

Stabil zeigte sich der Einzelhandel in 2014. Neben einigen räumlichen Veränderungen von Banken und Modegeschäften nutzte der Elektronikriese Saturn die Chance für ein zweites Standbein im Ringcenter, gesichert wurde außerdem die Nachfolge des Traditionshauses Ring-Foto in der Frankfurter Straße. Ein langjähriger Mitarbeiter übernimmt ab dem nächsten Jahr die Geschäfte dort. Das Traditionskaufhaus M.Schneider hat seine Fassaden aufwändig gereinigt und das Karree Offenbach hat eine ansehnliche Winter- und Weihnachtsbeleuchtung für die Fußgängerzone in Betrieb genommen. Oberbürgermeister Horst Schneider und Wirtschaftsförderer Jürgen Amberger hoffen, dass sie im kommenden Jahr auch positive Nachrichten zu der seit langem verwaisten City-Passage an der Frankfurter Straße vermelden können. Derzeit laufen die Gespräche mit dem einzig verbliebenen Betreiber einer Spielhalle am Standort.

Hinweis:

Diese und viele weitere Informationen können Sie dem auf unserer Internetseite platzierten vollständigen Jahresbericht der Wirtschaftsförderung entnehmen. Bitte folgen Sie dem Link: http://www.offenbach.de/offenbach/themen/wirtschaft-1/aktuelles-5/article/jahresbericht-2014.html