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Ergänzende Informationen für alle Kolleginnen und Kollegen, die am gestrigen Pressetermin nicht teilnehmen konnten.

Buchumschlagschreiber, Schriftlehrer, vor allen Dingen aber vielseitiger und leidenschaftlicher Kalligraph war Karlgeorg Hoefer, dessen 100. Geburtstag das Klingspor-Museum jetzt mit der Ausstellung „Schwungvoll“ feiert. Für Museumsleiter Dr. Stefan Soltek „auch eine der seltenen Chancen, die eigenen Bestände ausgiebig zu zeigen.“ Zu sehen sind Typograhien, Kalligraphien, Wandteppiche und Handzeichnungen, inhaltlich reicht der Bogen von handschriftlichen Alphabet-Übungen, religiösen Texten, Schriftbeispielen bis hin zur fälschungssicheren Kennzeichen-Schrift.

Hoefner stehe exemplarisch für die Nähe von Kalligraphie und Typographie zur Bildenden Kunst, so Dr. Stefan Soltek, und auch wenn Rudolf Koch die zentrale Person des Klingspor-Museums sei, so hätte die Geschichte der Offenbacher Schule nach dem 2. Weltkrieg leicht zu Ende gehen können: „Hoefer hat den Anschluss an die Gegenwart geschafft und eine markante Klammer gesetzt.“
In der Werkkunstschule (der heutigen Hochschule für Gestaltung HfG) sei sein Vater für seine ständige Suche nach neuen Schriftformen und Figuren oft verlacht worden, erinnert sich Otmar Hoefer, „aber als er Kurse in Amerika gab, kehrte er nach sechs Wochen zehn Jahre jünger zurück. Dort hatte er eine Welt von Kalligraphie begeisterten Menschen kennengelernt und viel Inspiration bekommen.“ Mit dieser Energie gründete er die Schreibwerkstatt, experimentierte mit unterschiedlichen Werkzeugen, entwarf Schriften wie Salto, Saltorello, Elegance oder Zebra und entwickelte im Auftrag des Straßenverkehrsamtes eine fälschungssichere Schrift für KFZ- Kennzeichen. Sein Vater habe damals lange daran gearbeitet, auch er habe Ideen geliefert, berichtet Otmar Hoefer, der sich noch gut an seine Kindheit mit zahlreichen Pinselalphabeten im Wohnzimmer erinnert und heute selber als Schriftverwaltungsexperte arbeitet: „Vom ursprünglichen Kennzeichen-Entwurf meines Vaters war aufgrund der vielen Änderungswünsche des Amtes erst einmal nicht mehr viel übrig geblieben. Erst mit der Einführung des EURO-Kennzeichens hat man sich an die ursprünglichen Entwürfe erinnert, so dass heute jeder mit einem echten Hoefer umherfährt.“
Vielleicht also erlebt auch seine Idee einer vereinfachten Ausgangsschrift noch einmal irgendwann eine Renaissance: während in den USA und in Großbritannien Grundschüler dieselbe Schrift lernen, scheiterte Karlgeorg Hoefers Vorstoß zur Etablierung einer solchen an den Vorbehalten der Kultusminister, berichtet Sohn Otmar.

Große und kleine Schriftkünstler können Karlgeorg Hoefer auch im Stadtbild Offenbachs begegnen: das Stromhäuschen am Kaiserlei verweist mit der Schrift „Salto“ auf das Klingspor-Museum. Dort ist die Ausstellung „Schwungvoll. Karlgeorg Hoefer zum 100. Geburtstag“ vom 15. März bis 11. Mai 2014 zu sehen.

Bildunterschrift:
"Manchmal war das ganze Wohnzimmer voller Pinsel-Alphabete": Otmar Hoefer blieb vom Schaffen seines Vaters Karlgeorg Hoefer nicht unbeeindruckt, er lernte Schriftsetzer und arbeitet heute als Schriftverwaltungsexperte bei Monotype in Frankfurt
Fotos: Stadt Offenbach