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Der fünfte Klima- und Umweltschutzpreis der Stadt Offenbach geht an die Hartz IV-Initiative „Stromspar-Check Plus“ der CariJob gGmbH. Das gemeinsame Projekt von Caritas, Stadt Offenbach, MainArbeit GmbH und EVO richtet sich an einkommensschwache Haushalte – Stromsparhelfer überprüfen dort den Verbrauch von Heizung, Strom und Wasser und geben Ratschläge zum nachhaltigen Einsparen. Das Besondere: Die Berater sind selbst Langzeitarbeitslose.

Stefan Kahler und Bilal Achouri sind zwei von sechs Stromsparhelfern der CariJob, die in der Stadt Offenbach auf Anfrage täglich neue Haushalte besuchen und dort mit Messgeräten Strom- und Wasserverbrauch überprüfen und Utensilien bereitstellen, die beim Einsparen der Ressourcen helfen. „Das können wassersparende Duschköpfe sein, Thermometer oder auch Energiesparleuchten“, erläutert Stefan Kahler. Er und seine Kollegen beraten die Anwohner bei jeweils zwei Hausbesuchen auch über Möglichkeiten, weniger Energie zu verbrauchen. „Das sind oft kleine Maßnahmen mit großer Wirkung.“ So helfen etwa eine Dämmfolie hinter der Heizung, Stoß- statt Kipplüften oder Stand-by-Abschalter für Fernsehgeräte, unnötige Energieverluste zu vermeiden. Auch Kühlschrankthermometer werden ausgegeben, da die Geräte häufig zu kalt eingestellt sind und damit unnötig Strom verbrauchen.

Nutznießer dieses vor fünf Jahren gestarteten Angebots sind alle Haushalte der Stadt, die Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe oder Wohngeld beziehen. Personengruppen also, die ohnehin auf jeden Cent achten müssen. Ihnen helfen ehemalige Langzeitarbeitslose dabei, mit entsprechenden Maßnahmen Kosten in dreistelliger Höhe jährlich zu vermeiden. „Die Beratung ist kostenlos und nachhaltig“, so Stefan Kahler, „und wir bekommen Rückmeldungen, dass der Verbrauch in den besuchten Haushalten dauerhaft gesunken ist.“

Das Projekt, das die Caritas auch im Kreis Offenbach betreibt und jüngst sogar in den Kreis Groß-Gerau/Rüsselsheim ausgeweitet wurde, hat die Umweltkommission der Stadt Offenbach nun als herausragendes und damit förderwürdiges Beispiel mit dem Klima- und Umweltschutzpreis 2013 gewürdigt. Er ist mit 1000 Euro dotiert. Umweltdezernent Peter Schneider unterstrich bei der Preisübergabe in der Caritas-Zentrale am Platz der Deutschen Einheit, dass gleich mehrere Gründe für die Auswahl dieser Initiative sprachen: „Zum einen hilft die Aktion bei der Umsetzung der Klimaschutzziele der Stadt, zum anderen werden Haushalte mit geringem Einkommen unterstützt und drittens gleichzeitig Langzeitarbeitslose zurück ins Berufsleben geführt.“

Auch Anette Bacher von der CariJob gGmbH betont, dass die Stromsparhelfer durch das Projekt für ein zukunftsweisendes Wirtschaftssegment qualifiziert werden. Mit diesem Ansatz würden ökologische, ökonomische, arbeitsmarktpolitische und soziale Ziele vernetzt. Sie bedankte sich für die Auszeichnung – und bei ihren Mitarbeitern: „Das Projekt läuft seit Jahren erfolgreich und wir sind stolz auf die tollen und engagierten Checker im Team.“ Anette Bacher verwies außerdem darauf, dass der Deutsche Caritasverband und der Bundesverband der Energie- und Klimaschutzagenturen Deutschlands ähnliche Aktionen bundesweit durchführen. So wurden laut Stefan Kahler nach mehr als 130.000 Checks in Deutschland schon 250.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid eingespart.

Heike Hollerbach, Leiterin des Amtes für Umwelt, Energie und Klimaschutz, freut sich, dass im Zuge des Projekts inzwischen mehr als 730 Checks durchgeführt wurden. Im Durchschnitt konnten pro Haushalt bei einer Investition von je 70 Euro für die Energie- und Wassersparartikel 127 Euro an Kosten für Strom und Wasser sowie 252 Kilogramm des Treibhausgases CO2 eingespart werden. „Wir waren in den ersten zwölf Monaten sehr entspannt, wer sich bewirbt und wie sich das Angebot entwickelt“, so Hollerbach. Fünf Jahre später ist klar: Das Angebot ist nicht mehr wegzudenken und hat den Preis verdient.

Bisherige Preisträger:
2010: Kinder- und Jugendfarm (u. a. Projekt „Naturnah kochen und essen“)
2011: Initiative „Wheel“ (Ideenreiche und kreative Herangehensweise an die Klimaproblematik: Interviews mit Passanten, Jugendlichen, Entscheidungsträgern, Aufbereitung der Aktivitäten für das Internet)
2011: Leibnizschule (Mitwirkung bei der Internationalen Baumpflanzaktion „Plant for the Planet“: Pflanzung von 2000 Bäumen bis 2011, Aktion läuft weiter)
2012: Kinder-, Jugend- und Kulturzentrum Sandgasse (Umsetzung von Maßnahmen zur Nachhaltigkeit bei der Neugestaltung des Innenhofs einschließlich der Installation einer Solaranlage)

Bildinfo:
Übergabe des Klima- und Umweltschutzpreises 2013 (von links): Heike Hollerbach (Leiterin des Amtes für Umwelt, Energie und Klimaschutz), Stromsparhelfer Stefan Kahler, CariJob-Leiterin Anette Bacher, Mitarbeiterin Elif Tekelioglu, Stromsparhelfer Bilal Achouri und Bürgermeister Peter Schneider. Foto: Stadt Offenbach