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13. Februar 2015: Der Magistrat hat in seiner jüngsten Sitzung den Verkauf des Grundstücks Hessenring 55 zugestimmt. Der Würzburger Investor Erdogan Samiloglu will das historische, aber nicht mehr nutzbare Gebäude aus dem Jahr 1877 erhalten und dort neue Eigentumswohnungen entwickeln.

Rund 3,7 Millionen Euro erhält die Stadt durch den Verkauf des Grundstücks nach Abzug aller Maßnahmen, die notwendig sind, um das Gelände baureif zu machen. Oberbürgermeister Horst Schneider zeigte sich gestern bei der Vorstellung des Projekts erfreut, dass das historische Gebäude mit seinen heute kaum noch auffallenden Jugendstil-Elementen der Stadt erhalten bleibt: „Bis vor zwei, drei Jahren hatten wir kaum Hoffnung, dieses Grundstück mit dem maroden Gebäude überhaupt verkaufen zu können.“

Aufgrund des explodierenden Wohnungsmarktes im Rhein-Main-Gebiet sei das Interesse an dem einzigartig gelegenen Grundstück jedoch schlagartig gewachsen. So führte die Wirtschaftsförderung zusammen mit dem Amt für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement zuletzt mit 20 Kaufinteressenten intensive Gespräche und Verhandlungen. Nicht wenige planten, das auf dem Grundstück befindliche Gebäude abzureißen. Aus der Vielzahl der Interessenten wurde unter Berücksichtigung der stadtplanerischen und finanziellen Belange der Stadt ein Investor gewählt, der nicht nur das höchste Kaufgebot abgegeben hat, sondern auch das städtebauliche Juwel reaktivieren will. „Es kam für uns nie in Betracht, dieses Gebäude trotz des hohen Investitionsbedarfs abzureißen“, so Erdogan Samiloglu.

Neben dem ehemaligen Schlachthof prägt der fünfgeschossige Bau das Viertel im Süden der Stadt. Erbaut 1877 wurde das prägnante Gebäude 1908 um einen Seitenflügel erweitert und diente nach dem Zweiten Weltkrieg als städtisches Alten- und Pflegeheim. Nachdem das neue Altenheim unter der Bezeichnung Seniorenzentrum auf dem benachbarten Grundstück an der Elisabethenstraße entstanden war, wurde der Betrieb in dem Altbau eingestellt. Anbauten und Veränderungen ab den 60er Jahren griffen so sehr in die Substanz ein, dass eine Aufnahme in die Liste der Kulturdenkmale verweigert wurde.

Der nun gefundene Investor hat sich von Anfang an sehr zielstrebig mit dem Projekt auseinandergesetzt und seine Planungen auf Basis der im Stadtarchiv vorhandenen alten Bauunterlagen entwickelt. Der Schwerpunkt seines Entwurfes liegt im Erhalt und in der gestalterischen und architektonischen Auseinandersetzung mit dem Gebäude. Dieses soll durch einen Dachausbau und Fassadenrekonstruktion in seinen ursprünglichen Zustand von 1877 versetzt werden. Die ursprünglichen Fassaden sollen durch einen Dreiecksgiebel mittig an der Südfassade des Hauptgebäudes als prägendes Stilelement des Klassizismus wieder hergestellt werden. Zudem will die ErSa Grundstücksgesellschaft den Treppenturm im Jugendstil im Westflügel rekonstruieren. „Gegenüber dem denkmalgeschützten und aufwändig gestalteten Schlachthofgelände wird damit ein weiteres identitätsstiftendes und architektonisch herausragendes Ensemble in diesem Teil der Stadt rekonstruiert“, freut sich Oberbürgermeister Schneider.

Der zusätzlich entstehende Neubau im östlichen Bereich des Grundstücks ist mit einer zweigeschossigen Tiefgarage, vier Vollgeschossen und einem zusätzlichen Staffelgeschoss konzipiert. Insgesamt sollen 114 Wohneinheiten als Eigentumswohnungen realisiert werden, davon 90 Wohneinheiten im Altbau und 24 im Neubau. Soweit es die baulichen Gegebenheiten zulassen, wird der überwiegende Teil der Wohnungen barrierefrei erstellt. Die zum Objekt gehörende Grünanlage mit Teich wird ebenfalls saniert und bleibt somit dem Ensemble erhalten.