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28. Dezember 2015: Es gibt Ausbildungen zum Mastering Engineer, Audio Designer, Tonmeister, Musicdesigner und Audio Engineer. Wer sich hingegen zum Produzenten für elektronische Musik aus- oder weiterbilden möchte, „kann“, so Heiner Blum, Professor für Experimentelle Raumkonzepte an der Hochschule für Gestaltung (hfg) „nur Patchwork betreiben“. Diese Lücke soll das Workshop-Angebot des Instituts für Klangforschung (IfK) schließen; als Autumn School fanden zwischen Oktober und Dezember erstmals 12 Workshops für 10 bis 20 Teilnehmer in den Räumen des IFK in den Zollamt Studios in der Frankfurter Straße statt. Dabei hat Blum, der vor 16 Jahren den Robert Johnson Club mit aus der Taufe hob und dort seit 2010 die gleichnamige Theoriereihe etabliert hat, vor allem unabhängige Klangkünstler und Produzenten für elektronische Musik im Blick, „die haben schlicht kein akademisches Angebot.“ Wobei auch er noch an einem entsprechenden Abschlusszertifikat für die Teilnehmer tüftelt. Aber auch ohne dieses haben diese viel Input bekommen: Wer dabei war, konnte beispielsweise lernen, dass Royalities nichts mit dem englischen Adel zu tun haben, sondern Gebühreneinnahmen aus Lizenzen bezeichnen. Der Vortrag von Gesine Schönrock und Sarah Idarous, beide vom Kölner Kompaktlabel, gab den Teilnehmern einen kurzen Einblick in alle Komponenten des Labelmanagements. Auf dem Programm standen weiterhin Vorträge namhafter Produzenten wie Roman Flügel, Soundworkshops mit Klas Lasse Lindblad, Exkusionen nach Berlin oder ins alte WDR-Studio für Elektronische Musik nach Köln-Ossendorf. Dort hatte schon Karlheinz Stockhausen aufgenommen und experimentiert. Renommierte Namen und inspirierende Exkursionen sind zentraler Bestandteil des Konzepts: „Schon bei den ersten Workshops 2013 im Städel haben wir immer nur die Besten geholt“, so Blum, der das IFK als Ergänzung der Lehrangebote der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, des Gießener Instituts für Angewandte Theaterwissenschaft, der HfG und eben der Städelschule ins Leben rief. Seit 2014 hat das IKF seine Basis im ersten Stock in den Zollamt-Studios. In den acht Studios arbeiten derzeit 23 freie Produzenten, es gibt ein Büro und ein analoges Mix Down-Gemeinschafts-Studio. Der Schwerpunkt des IFK liegt auf experimentellen und elektronischen Klangproduktionen in den Bereichen Track, Installation, Hörspiel, Performance und Konzert.

So soll auch die erstmals im Rahmen des Architektursommers Rhein-Main präsentierte Projektplattform ROTOR, die das IFK mit dem Internationalen Musikinstitut Darmstadt (IMD) und der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt als Schnittstelle zwischen elektronischer, experimenteller und neuer Musik konzipiert hat, weitergehen. Nach zwei Konzertabenden unter der A661 Brücke am Kaiserlei ist eine Veranstaltung für die Kulturtage der Europäischen Zentralbank im Herbst 2016 in Planung.  

Die Workshops der Autumns School wurden möglich aus „Restmitteln“ des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), weitere Gelder kamen von der HfG und der Stadt Offenbach. „Wir konnten ebenfalls nicht verbrauchte Mittel aus der Gründerförderung einbringen“, erläutert Dr. Matthias Schulze-Böing, Leiter des Amts für Arbeitsförderung, Statistik und Integration „und haben das Projekt mit Beratungsleistungen unterstützt, um den erforderlichen Co-Finanzierungsanteil auf EU-Ebene zu erbringen.“ Insgesamt 36.000 Euro kostete die Reihe und Blum ist zuversichtlich, das Angebot im kommenden Jahr weiter ausbauen zu können: „Erfreulicherweise wird Clubkultur inzwischen als wichtiges Segment der Kreativwirtschaft anerkannt.“

Bildinformation:

Heiner Blum, Professor für Experimentelle Raumkonzepte an der Hochschule für Gestaltung (hfg), im Studiolab des IfK. Foto: Stadt Offenbach