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Blick vom Zwischengeschoss auf das Rathaus-Foyer
© Stadt Offenbach
Mit dem letzten Bauabschnitt geht die mehr als zehnjährige brandschutz- und gebäudetechnische Sanierung des Offenbacher Rathauses in ihre Schlussphase. Für 7,45 Millionen Euro laufen derzeit die Arbeiten im Kellergeschoss sowie im sogenannten Breitfuß des Gebäudes. Für die zweijährige Dauer der Sanierung mussten im Vorfeld Dezernate und Fraktionen, das Bürgerbüro und das Standesamt in neue Räume ausweichen. Auch das Kellergeschoss wurde teilweise freigeräumt.

Im Jahr 2004 hat die Stadtverordnetenversammlung mit ihrem Grundsatzbeschluss der brandschutz- und gebäudetechnischen Sanierung des Rathauses zugestimmt. Die aufwändigen Arbeiten wurden in elf Bauabschnitte aufgeteilt; das Gesamtvolumen umfasst 27,1 Millionen Euro.

Da das Gebäude im Jahr 2006 aus geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Gründen als Kulturdenkmal eingestuft wurde, finden sämtliche Maßnahmen nur innerhalb des Gebäudes statt. Nachdem die Bauabschnitte 3 bis 8a im 1. bis 15. Obergeschoss des Hochhauses sowie im 16. bis 19. Obergeschoss des Technikbereiches durchgeführt, die WC-Anlagen im Breitfuß-Obergeschoss saniert sowie zentrale Installationen im Gebäudekern umgesetzt wurden, wird nun in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz und dem Hauptamt die brandschutz- und gebäudetechnische Gesamtsanierung des Rathauses mit dem Bauabschnitt 8b (Keller / Breitfuß EG/ZG/OG) zu Ende geführt.

Die auf 7,45 Millionen Euro veranschlagten Maßnahmen im Kellergeschoss und Breitfuß, die im Juli 2015 begonnen wurden, sollen im August 2017 abgeschlossen sein. Im Vorfeld waren sämtliche im Erd- und Obergeschoss des Breitfußes untergebrachten Organisationseinheiten, Fraktionsbüros sowie die Stadtverordnetenversammlung umgezogen. In die bereits sanierten Stockwerte 12 bis 14 vorübergehend umquartiert wurden das Hauptamt, der Saalservice, die Besprechungsräume, das Büro der Stadtverordnetenversammlung, der Ausländerbeirat sowie die Fraktionen mit Ausnahme der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen sowie die Dezernate.

Die Pforte wird während der Baumaßnahme zeitweise in einem Container innerhalb des Eingangsbereichs untergebracht. Die Poststelle wurde vorübergehend im Erdgeschoss des ehemaligen Bürgerbüros umquartiert. Das Standesamt und das Bürgerbüro fanden in neu angemieteten Flächen im Bernardbau an der Herrnstraße Platz, die Stadtverordnetenversammlungen finden ab Oktober 2015 in der Halle des Turnvereins 1861 Bieber statt. Da aus Kostengründen eine energetische Grundsanierung der unter Denkmalschutz stehenden Gebäudehülle nicht vorgesehen ist, kommen Maßnahmen der Innendämmung im Brüstungsbereich und bei den an die Außenluft grenzenden Betonwänden der Gebäudeecken zur Ausführung. Hierdurch sollen sich die CO2-Emissionen im gesamten Gebäude auf 136,95 Tonnen pro Jahr, im Breitfuß (Bauabschnitt 8b) auf 48,6 Tonnen pro Jahr verringern.

Nach Abschluss aller energetischen Sanierungsmaßnahmen wird mit einer Einsparung von rund 14 Prozent beim Primärenergiebedarf des Rathauses gerechnet. Aufgrund fehlender Finanzmittel und langen Amortisationszeiten wird auf einen generellen Fensteraustausch zur qualitativen Verbesserung der Arbeitsplätze verzichtet.

Das Offenbacher Rathaus

Der Beschluss für einen Rathausneubau fiel zum Jahreswechsel 1959/60 und mündete ein Jahr später in einen Architektenwettbewerb. Als erster Preisträger ging der Entwurf der Architektengemeinschaft Maier, Graf, Speidel und Schanty aus Stuttgart und Frankfurt am Main hervor. Grundsteinlegung war 1968, die Einweihung des Neubaus wurde am 10. Juli 1971 gefeiert. Die rund 12.000 Quadratmeter Nutzfläche verteilen sich auf zwei Baukörper: einen zwei- bis dreigeschossigen Flachbau mit rechteckiger Grundform und einen fünfzehngeschossigen Hochhaus in Dreiecksform, der sich über dem Flachbau (Breitfuß) erhebt. Beide Gebäudeteile wurden in Stahlbetonskelettbauweise errichtet, die Außenwände aus Sichtbetonfertigteilen. Der Hochhaustrakt wird durch schlanke Stützen und einen inneren dreieckigen Kern getragen, der unter anderem die Aufzugsanlage enthält.

Die Konzeption des Rathauses als Hochhausbau ist typisch für die 1960er Jahre. Er ist Ausdruck für das selbstbewusste Auftreten einer Stadt in einer Zeit des scheinbar grenzenlosen Wirtschaftswachstums. Zugleich wurde in Offenbach eine Öffnung hin zur Stadt und damit zum Bürger durch die Eingliederung des Flachbaues erreicht. Im Flachbau sind die Sitzungssäle, die Räume des Oberbürgermeisters und der weiteren Dezernenten, das Standesamt sowie weitere stark frequentierte Ämter untergebracht.

Im Jahr 2000 wurde an der Ostseite das Bürgerbüro eingerichtet. Damit gelang es, das demokratische Verständnis auch in der Architektur zum Ausdruck zu bringen. Neben dem Eingang an der Berliner Straße wurde zeitgleich mit dem Rathaus ein Mahnmal für die Opfer des Nazi-Terrors errichtet. Eine Flamme aus glänzendem Silberstahl des Künstlers Bernd Rosenheim. Zur Gestaltung des Außenbereiches gehören Wasserbecken und Pavillonbauten auf dem Stadthof. Mit dem Rathaus gewann der Stadthof eine Mittelpunktfunktion, die er zuvor nicht hatte. Der markante Bau, in dem sich zum ersten Mal seit den Kriegszerstörungen die Stadtverwaltung wieder konzentrieren konnte, regte zu weiteren Investitionen und städtebaulichen Veränderungen in der Innenstadt an. Heute arbeiten im Offenbacher Rathaus rund 550 der insgesamt 1030 städtischen Verwaltungsangestellten.