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Offenbach am Main, 12.02.2016 – An der Beethovenschule geht die Suche nach Brand- und Sprengbomben aus dem Zweiten Weltkrieg weiter. Auf einer rund 1200 Quadratmeter großen Fläche im Südwesten des Grundschulgeländes beginnen dazu in den nächsten Tagen die Vorarbeiten. Erneute Baumfällungen sollen im Zuge der Kampfmittelsondierung möglichst vermieden werden, sind jedoch nicht gänzlich auszuschließen.

Das baumreiche und durch einen Zaun abgetrennte Grundstück an der Richard-Wagner-Straße soll nun laut Stadtverordnetenbeschluss als Rasenfläche wieder dem Schulhof zugeschlagen werden. Dazu muss das Gelände jedoch kampfmittelfrei sein. „Wir werden bei der Entfernung von Kampfmitteln so behutsam wie möglich vorgehen und versuchen, möglichst alle Bäume zu erhalten“, kündigt Oberbürgermeister Horst Schneider an. Die Sicherheit der Menschen habe aber oberste Priorität.

Für die Wiederherrichtung des Grundstückteils hat das Hochbaumanagement des Amtes für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement der Stadt Offenbach die OPG Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft mbH mit der Projektleitung und -steuerung beauftragt. Die OPG ist ein Unternehmen aus dem Geschäftsfeld Immobilien der Stadtwerke Offenbach Unternehmensgruppe (SOH).  

Die Beethovenschule steht auf einem ehemaligen Bombenabwurfgebiet. Bereits bei der Errichtung des Neubaus, der 2012 ein aus den 1960er Jahren stammendes Schulhaus ersetzte, wurden in dem Ende der 1940er Jahre mit Trümmerschutt und anderem Material verfüllten Boden zahlreiche Überreste aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Damals mussten 17 Bäume, die auf diesem Schutt gewachsen waren, gefällt werden, weil nicht auszuschließen war, dass sich unter ihrem Wurzelwerk weitere Bombenreste befanden. Ähnlich wird nun auch im südwestlichen Teil des Schulgeländes verfahren, der bislang noch nicht auf eine Kampfmittelbelastung untersucht worden ist.

Zunächst werden in den nächsten Tagen in den Kronen der insgesamt 16 eventuell betroffenen Bäume Folien und Flatterbänder angebracht, um zu verhindern, dass sich dort Tiere einnisten, erläutert OPG-Projektleiterin Janine Haller. Anschließend beginnen Rodungsarbeiten. Voraussichtlich in den nächsten beiden Wochen werden dabei Kleingewächse und auch die Grasnarbe entfernt. Damit ist die Fläche für den Bodenaustausch vorbereitet. Weil aufgrund des verfüllten Kriegsschutts die Detektoren bei der Sondierung keine zuverlässigen Ergebnisse liefern, wird das Erdreich bis zu einer Tiefe von einem Meter ausgehoben. Erst danach kann der freigelegte gewachsene Boden nach Kampfmitteln untersucht werden.

Ziel, so Frank Tyron, OPG-Bereichsleiter Projektrealisierung, sei es, bei der Entfernung des Trümmerschutts im Wurzelbereich Baumfällungen möglichst zu vermeiden und hier schonend mit Handschachtung zu arbeiten. Wie die Erfahrungen beim Neubau der Schule gezeigt hätten, sei eine Sondierung im Bereich unter den Bäumen auf diese Weise aber nicht in vollem Umfang möglich gewesen. Lasse sich der Schutt nicht aus dem Wurzelwerk entfernen, sei es unvermeidlich, den jeweiligen Baum zu fällen, erklärt Nadine Wern, zuständige Projektleiterin beim Amt für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement. Anders lasse sich eine Gefährdung für Menschen nicht ausschließen.

Die gesamte Maßnahme wurde bereits im Rahmen der Vorbereitung des Projektbeschlusses der Stadtverordnetenversammlung mit dem Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz sowie dem Regierungspräsidium (RP) Darmstadt abgestimmt. Sollten Baumfällungen unvermeidlich sein, erfolgen diese in enger Absprache mit der städtischen Naturschutzbehörde und dem RP. 

Nach der Entfernung der Kampfmittelfunde wird die Fläche mit unbelastetem Bodenmaterial aufgefüllt und als naturbelassene Grünlandschaft in das Schulgelände integriert. Bäume, deren Fällung unvermeidlich ist, werden an der jeweils selben Stelle durch Neuanpflanzungen ersetzt. Ähnlich wie die Schulgemeinde hofft auch Bürgermeister und Bildungsdezernent Peter Schneider, dass die Arbeiten baldmöglichst abgeschlossen sein werden: „Ich freue mich, wenn die Kinder der Beethovenschule dann wieder genügend Platz haben, um ihrem natürlichen Bewegungsdrang nachkommen zu können.“