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Offenbach am Main, 17.06.2016 – Der Tisch für Spinnen, Fische, Amphibien, Libellen, Fledermäuse und Vögel wird in den kommenden Monaten überreich gedeckt sein. Sie alle essen gerne Mücken. Über den aktuellen Sommer würde man von Mücken auch dann keine Klage hören, wenn sie sprechen könnten: Sie haben die besten Brutbedingungen und das recht flächendeckend. Stechmücken lieben heftige Regenfälle gepaart mit sommerlichen Temperaturen. In den nächsten Wochen suchen unzählige Stechmückenweibchen nach dem kräftigenden Nährstoff für ihren Nachwuchs: Blut. Die jetzt in feuchtem Gelände abgelegten Eier entwickeln sich innerhalb von zwei bis vier Wochen über das Larven- und Puppenstadium zu neuen Stechmücken. In einer Hochwasserpfütze von einem Quadratmeter können bis zu 50.000 Mückeneier heranreifen.

Von Mitte Juni an könnte es für Menschen also vielerorts draußen unangenehm werden, während sich die Tierwelt über den ungewohnten Nahrungsüberschuss freut.

Um ihre Opfer zu finden, orientieren sich die weiblichen Stechmücken vor allem an der Konzentration von Kohlendioxid in der Luft. Menschen und andere atmende Lebewesen sind von einer regelrechten Kohlendioxidwolke umgeben.

Auch den Geruch von Ammonium und Buttersäure, die beim Schwitzen auf der Haut entstehen, finden die Insekten anziehend. Dass manche Menschen öfter gestochen werden als andere, liegt aber wahrscheinlich vor allem am individuell bedingten Körpergeruch. Wer selten gestochen wird, setzt möglicherweise Geruchsstoffe frei, die Mücken abstoßend finden.

Wer sich nicht die Lust auf Garten, Park oder See vermiesen lassen möchte, kann sich schützen. Ätherische Öle wie Zitronenöl oder Lavendel wirken auf die Haut aufgetragen abschreckend. Wirksam sind auch künstliche Wirkstoffe. Nach dem aktuellen Kenntnisstand wirkt der Stoff DEET (Diethyltoluamid) am effektivsten und längsten. Er hat aber auch Nachteile: DEET kann unter Umständen die Haut reizen. Außerdem sollten Schwangere, Mütter in Stillzeit sowie Kinder unter drei Jahren DEET lieber nicht anwenden. Besondere Vorsicht gilt auch bei gleichzeitiger Anwendung von Sonnencremes, denn das Mückenabwehrmittel vermindert den Schutz vor der Sonne deutlich. Verzichten sollte man dagegen auf Parfüm oder andere intensive Duftstoffe, erklärt Heike Hollerbach vom Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz.

Im eigenen Garten sollten Wasserbehältnisse nicht in der Nähe von Terrasse oder Balkon stehen und möglichst abgedeckt sein: „Jeder Eimer, jedes Regenfass, jede Pfütze ist eine potentielle Mückenwochenstube“, so Hollerbach.

Hilfreich ist es auch, die Feinde der Mücken in den Garten zu holen: Nistkästen in der Nähe von Wasserflächen locken Vögel an, die zum Dank dann Mücken jagen. Auch wer Fledermäuse in der Nähe ansiedeln kann, profitiert von den fleißigen Jägern. Bewegung an der Wasseroberfläche wie bei Springbrunnen oder Überläufe machen den Larven der Mücken das Leben schwer.

Lange Hosen, Socken und langärmelige Oberteile verringern die Gefahr, gestochen zu werden. Dabei sollten die Kleidungsstücke nicht zu dünn sein und nicht zu eng am Körper anliegen. Sonst können die Insekten durch den Stoff stechen. Schlafräume können mit Fliegengittern gesichert werden.

Wer trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zum Ernährer einer Stechmückenmama geworden ist, sollte vor allem eins nicht tun: kratzen. Hier besteht die Gefahr, dass Bakterien in die dann offene Wunde geraten und Infektionen verursachen.

Der Juckreiz stammt gar nicht vom Stich selbst. Er wird durch ein spezielles Enzym im Mückenspeichel hervorgerufen, das dafür sorgt, dass das Blut nicht so schnell gerinnt und beim Saugen flüssig bleibt.

Lindernde Wirkung verschaffen Kühlung: Mit einem Eiswürfel (Haut vorher mit Baumwolltuch abdecken), mit kühlendem Gel oder Aloe-Vera-Lotionen. Hausmittel wie Zitronensaft oder Essig mildern ebenfalls den Juckreiz. Immer verfügbar und tatsächlich hilfreich ist Spucke. Verdunstet der Speichel auf der Haut, kühlt er und mildert so den Juckreiz. Bestandteile des menschlichen Speichels lassen außerdem Wunden besser heilen.

Wer sich noch näher mit Stechmücken beschäftigen möchte, kann örtliche Stechmücken vorsichtig fangen und für den Mückenatlas zur Verfügung stellen (www.mueckenatlas.de). Das Projekt unterstützt Forscher bei unterschiedlichen Zielen. Bisher sind 51 Stechmückenarten in Deutschland bestimmt worden.

 

Quellen: Wikipedia / Mückenatlas / Amt für Umwelt, Energie und Klimaschutz / Apotheken-Umschau