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Offenbach am Main, 18.10.2016 – Die Stadt Offenbach hat erneut erfolgreich die Aufnahme in das hessische Programm „Stadtumbau in Hessen“ beantragt. Gestern erhielten Oberbürgermeister Horst Schneider und Matthias Seiler, Bereichsleiter Stadtentwicklung und Städtebau, den ersten Bewilligungsbescheid für die Revitalisierung des ehemaligen Clariant-Geländes von der hessischen Umweltministerin Priska Hinz in Wiesbaden überreicht.

Mit den bewilligten 420.000 Euro für das erste Programmjahr startet Offenbach die Vorbereitungen und Planungen für die Umstrukturierung der Werksbrache am Mainufer und die Anbindung an die Verkehrswege. „Die Entscheidung des Landes Hessen für das Clariant-Projekt als Standort für den Stadtumbau verdanken wir unseren Planungszielen: Neue Wege durch und Begrünung innerhalb des Werksgeländes, der Rückbau früherer Betriebserweiterungen in den Kuhmühlgraben sowie dessen Renaturierung“, erklärt Seiler. Das Gelände des früheren Farbwerkes soll darüber hinaus an die B448 angeschlossen werden und eine Verbindung zur Laskabrücke schaffen. Dafür soll aus den Fördermitteln eine Machbarkeitsstudie finanziert werden. „Damit schließen wir eine Lücke im Verkehrsnetz, welche derzeit die Entwicklung im Offenbacher Osten hemmt“, erläutert Oberbürgermeister Horst Schneider.

Der zu entwickelnde städtebauliche Rahmenplan orientiert sich am bestehenden Masterplan der Stadt Offenbach. So soll das Gelände nach innen und außen erschlossen werden. Eine Erschließungsachse soll für eine Anbindung an den Verkehrsknoten Mühlheimer Straße / Obere Grenzstraße sorgen. Der Werkspark soll zur öffentlichen Grünfläche werden.

Für zehn Jahre kann Offenbach nun jährliche Förderanträge für konkrete Projekte auf dem Clariant-Gelände stellen. Die Höhe der Förderung hängt von den Projekten ab. Im Programm der „Sozialen Stadt“ hat Offenbach für das Mathildenviertel insgesamt zehn Millionen Euro investiert, die zu rund 75 Prozent durch Bundes- und Landesmittel finanziert wurden; beim Stadtumbau auf dem früheren Werksgelände von MAN-Roland werden es bis zum Abschluss des Projektes – voraussichtlich 2018 – insgesamt über vier Millionen Euro sein, die zu über 75 Prozent aus Landes- und Bundesmitteln stammen.

Über 160 Jahre lang wurden auf dem Werksareal am Main chemische Farbstoffe hergestellt. Die industrielle Produktion wurde 2010 eingestellt. Das Gelände gehört der Firma Clariant. Sie organisiert den Rückbau der Werksanlagen und stimmt ein Altlastensanierungskonzept mit der Fachbehörde ab. Aktuell befinden sich das Pelletwerk des örtlichen Energieversorgers EVO und kleinere Dienstleistungsunternehmen auf dem Gelände. Auf dem 25 Hektar großen Werksareal sind die meisten Oberflächen versiegelt. An das Straßennetz ist das Gebiet nur über die zentrale Werkszufahrt angebunden. Für einen Anschluss an das Kanalnetz muss das Gebiet erst neu erschlossen werden.

Mit Hilfe der Förderung von Bund und Land will Offenbach das Gelände jetzt attraktiv für Unternehmen und Investoren machen. Der Kuhmühlgraben soll aus seinem Versteck unter dem Werksgelände befreit und das Bachbett sowie die Aue wieder hergestellt werden. Der Naherholungswert des Mainufers soll wieder gestärkt werden, indem der Uferbereich verbreitert wird. Das Stadtklima verbessern sollen die Entsiegelung von Flächen, neue Grünflächen und Baumpflanzungen sowie die Vernetzung von Biotopstrukturen.

Erhalten bleiben die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude: die ehemalige Fabrikantenvilla und ein historisches Sozialgebäude im Westen, das Verwaltungsgebäude im Norden sowie zwei Werkshallen östlich der Pelletanlage. Geschaffen werden zusätzlich öffentliche Räume mit guter Aufenthaltsqualität – beispielsweise die Fortsetzung des historischen Anlagenringes und die Verknüpfung mit dem Mainufer.

Das Stadtumbau-Programm wird in Hessen zum zweiten Mal aufgelegt. Beim ersten Programmaufruf wurde Offenbach bei der Umstrukturierung des ehemaligen MAN-Roland Areals in der Christian-Pleß-Straße gefördert. „Die von uns geschätzten notwendigen Investitionen liegen dieses Mal bei rund 17,5 Millionen Euro, denn das Gebiet ist rund 10 Mal so groß wie das zuvor im Stadtumbauprogramm entwickelte MAN-Roland-Gelände“, sagt Seiler.

Das Programm unterstützt kommunale Investitionen in Planungen, Beteiligungsveranstaltungen, sonstige Projektvorbereitungen und Baumaßnahmen aus Mitteln der Städtebauförderung. Die Kosten teilen sich normalerweise Stadt, Land und Bund zu gleichen Teilen. Offenbach erhält höhere Förderquoten und muss im Schnitt nicht mehr als etwa ein Viertel der Kosten selbst tragen.

Hessen hat für das Stadtumbauprogramm die Ausrichtung geändert: Die bisherigen Programmschwerpunkte lagen auf der Bewältigung des demografischen und wirtschaftsstrukturellen Wandels. 2016 kam als Schwerpunkt die Förderung von Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Anpassung der Kommunen an den Klimawandel dazu.

 

Anlage

Auszüge zur Werksgeschichte aus den Infotafeln der Route der Industriekultur (PDF)

 

Weitere Informationen zum Programm:

https://nachhaltige-stadtentwicklung-hessen.de/foerderprogramme/stadtumbau.html

Information des Umweltministeriums

https://umweltministerium.hessen.de/presse/pressemitteilung/131-millionen-euro-fuer-den-stadtumbau-hessen