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Offenbach am Main, 14.10.2016 – Eine Fünf bedeutet dreimal hüpfen, bei einer eins ist das Lieblingstier gefragt: mit einer Würfelrunde heißt Sonja Elfe, Leiterin der Kinderbibliothek, die Kinder der Kita 11 willkommen. Der Würfel ist vergleichsweise riesig und erfordert vollen Körpereinsatz. Danach kuscheln und zwängen sich die Kinder in die Sitzhöhle, das Licht wird gedimmt und auf der Leinwand beginnt jetzt das Bilderbuchkino: Vorgelesen wird das Buch von Iris Wewer „Als das Nilpferd Sehnsucht hatte“. Elfe liest und stellt immer wieder Fragen zur Geschichte. Die Kinder lauschen gebannt und sind mit Eifer bei der Sache. Später wird noch gebastelt und gemalt. „So ist es meistens“, berichtet Elfe, „häufig fehlt einfach der Zugang zu Büchern und Literatur.“ Das bestätigt auch Pinar Celik, die Veranstaltungen in türkischer Sprache durchführt: „Viele Migranten haben noch niemals eine Bibliothek betreten, gar ein Buch gelesen.“ Mit unterschiedlichen Angeboten und mit allen Sinnen versuchen die Mitarbeiterinnen der Kinder- und Jugendbibliothek schon die Kleinsten für Geschichten und Bücher zu begeistern. „Schließlich“, erklärt die Leiterin der Stadtbibliothek Nicole Köster, „ist Sprachkompetenz elementar zur Teilhabe an der Gesellschaft, Bücher regen die Phantasie an und erweitern Wortschatz und Sprachfähigkeit.“ Mit einem besonderen Curriculum wendet sich die Kinderbibliothek auch an die Kindergärten der Stadt, aus sechs Lesebausteinen können Erzieherinnen und Erzieher das Passende heraussuchen. So wie das Bilderbuchkino mit dem Nilpferd, das Sehnsucht nach Afrika hat. Außerdem gibt es die BücherRasselbande für Kinder von zwei bis drei Jahren, bei der gemeinsam ein Bilderbuch angeschaut, gesungen und gemalt wird. Etwas komplexer sind die Geschichten, die im Kamishibai, einem japanischen Papiertheater, erzählt werden und das sich an Kinder zwischen drei bis sechs Jahren richtet. Oder Veranstaltungen für die Vier- bis Sechsjährigen, in denen im Bilderbuchkino Gefühle und Sachthemen behandelt werden. Etwas Besonderes sind die Lesestunden mit Bonnie, denn einen Vierbeiner gibt es nicht in jeder Bücherei. Der französische Hütehund hat eine Ausbildung zum Lesehund absolviert, „lesen hat er dabei natürlich nicht gelernt“, erklärt Bibliotheksmitarbeiterin und Hundebesitzerin Yasmina Förster schmunzelnd, „aber geduldig zuhören, apportieren und kleine Tricks.“ Dass Bonnie bei drei- bis sechsjährigen Kindern gut ankommt, ist nicht verwunderlich: „Viele haben kein Haustier und keine Erfahrung im Umgang mit Tieren.“

Die Vernetzung der Angebote sei genau der richtige Ansatz, findet Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß und lobt insbesondere die frühkindlichen Angebote: „Kompliment. Das Curriculum ist ein hervorragendes Beispiel für die Vernetzung der Bildungsanstrengungen in der Stadt.“

Zwischen 3.000 und 4.000 Kinder pro Jahrgang können in den Kitas der Stadt mit dem Curriculum erreicht werden, natürlich stellen Elfe und ihre Kolleginnen auch gerne individuelle Bücherkisten für die Einrichtungen zusammen oder greifen inhaltlich deren Anregungen auf. „Neben dem Aspekt der Sprachförderung schaffen wir ganz nebenbei einen gemeinsamen Bildungshorizont“, so Elfe, „wenn wir zusammen mit den Kindern Geschichten wie Rotkäppchen oder die Raupe Nimmersatt lesen.“

Das Curriculum mit dem Angebot der Kinderbibliothek findet sich online auf der Seite der Kinderbibliothek: www.offenbach.de/kinderbibliothek


Bildinformation:

Sonja Elfe mit den Kindern aus der Kita 11. Foto: Stadt Offenbach