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Offenbach am Main, 17. Oktober 2017 – Wie fühlt sich eine junge Frau in der Stadt? Erfordert es jeden Tag neuen Mut, hinauszugehen, muss der Platz in der Gesellschaft täglich neu erkämpft werden? Im Vorfeld des Internationalen Mädchentags am 11. Oktober entstand die Idee eines Buchs, das „Mädchen und Frau sein in Deutschland“ aus deren Sicht zeigt. Auf Einladung des Frauenbüros, Jugendbildungswerk des Jugendamtes der Stadt Offenbach und des Klingspor Museum in Kooperation mit dem Stadtjugendring und der Arbeitsgemeinschaft Mädchenarbeit Offenbach verbrachten 18 Teilnehmerinnen aus kommunalen und freien Freizeiteinrichtungen (Frei-religiöse Gemeinde Offenbach, der IB gGmbH Treff Waldhof, das Jugendbildungswerk des Jugendamtes der Stadt Offenbach, das Jugendzentrum Lauterborn, die Mädchen-Etage Offenbach und der Songmoo Frauenkampfkunst Offenbach e.V.) in den Herbstferien drei Projekttage miteinander, in denen sie sich kennenlernten, Erfahrungen austauschten und schließlich draußen unterwegs waren.

Mädchen eine Stimme geben

Typisch Junge- typisch Mädchen? Auch wenn die Formel „Jungs spielen mit Autos und Mädchen mit Puppen“ inzwischen gehörig auf den Kopf gestellt und lange Zeit eher Sozialisation als Biologie für Unterschiede verantwortlich gemacht wurde, sind sich Entwicklungsforscher heute einig: Mädchen und Jungen sind unterschiedlich. Geblieben sind nämlich die unterschiedlichen gesellschaftlichen Zuschreibungen mit entsprechenden Konsequenzen: So bekommen Frauen noch immer 22 Prozent weniger Gehalt als Männer in vergleichbaren Positionen und von Gewalt im Geschlechterverhältnis sind Mädchen und Frauen in ihren persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten eingeschränkt.

Umso wichtiger sei es daher, Mädchen auch über den Internationalen Mädchentag hinaus stark zu machen, damit sie für ihre Rechte eintreten können, erklärt Karin Dörr vom Frauenbüro: „Auch wenn Offenbach 2016 der `Europäischen Charta für die Gleichstellung von Frauen und Männern auf lokaler Ebene´ beigetreten ist, gibt es noch viel zu tun. Wichtig ist, ein Bewusstsein für Ungleichheit zu schaffen, das versuchen wir mit vielen Aktionen und Initiativen wie beispielsweise mit der Ampelfrau an der Straßenüberquerung zur Herrnstraße, die seit dem Internationalen Mädchentag 2015 den Verkehr mitregelt.“

Spannende Einblicke in vertraute Zusammenhänge

Dem Buchprojekt vorausgegangen war eine Fachtagung im März 2017, bei der die Fachfrauen der AG Mädchenarbeit unter Anleitung von Susanne Kaiser vom Marburger Verein zur Förderung bewegungs- und sportorientierter Jugendsozialarbeit e.V. (bsj e.V.) eigene Grenzerfahrungen machten. Kaiser ist Expertin für pädagogische Arbeit im öffentlichen Raum und lud die Teilnehmerinnen auf einen speziellen Parcours durch die Offenbacher Innenstadt, berichtet Bildungsreferentin Zehra Ergi vom Jugendbildungswerk des Jugendamtes: „Wir sollten Unbekannte zum Kaffee einladen, einen Ort finden, um ein rohes Ei zu kochen oder uns mit verbundenen Augen durch die Straße führen lassen.“ Kleine Inszenierungen, die Selbstbewusstsein erforderten. „Das wollten wir auch für unsere Mädchen!“

So entstand die Idee zum Buchprojekt, erst gedacht als öffentliches Buch, dann aber sehr konkret als Collage aus eigenen Betrachtungen und Gesprächen mit Passanten und Zufallsbekanntschaften.

Wie geplant durchgeführt und doch anders

So heterogen wie die Gruppe ist auch die entstandene Materialsammlung aus Texten, Bildern, Skizzen und Beiträgen, die die 13 bis 27 Jahre alten Mädchen und jungen Frauen in den vergangenen Tagen selbst gestaltet und in der Offenbacher Innenstadt gesammelt haben. Bereits dort haben sich schon viele spannende Begegnungen ergeben, so Bildungsreferentin Ergi. Aber ein absoluter Erfolg sei der Besuch der Buchmesse am Mittwoch gewesen, bei dem die Mädchen Besucher und Besucherinnen interviewten und zu Statements an den Kreativtisch luden. Überraschend auch für die Initiatoren: Die Mädchen wollten auch den männlichen Blick und so ergaben sich auch dort spannende Einsichten – und Kontakte. Beispielsweise mit dem Geschäftsführer der im Bereich der interaktiven Medien und Exponate aktiven Infotronic KG in Köln, der spontan anbot, das fertige Buch zu digitalisieren und mit Tönen und bewegten Bildern anzureichern.

Bis dahin allerdings muss das Material sortiert und aufbereitet werden. Dafür treffen sich die Mädchen in den kommenden Wochen mit Dr. Dorothee Ader im Klingspor Museum, um das Buch zu finalisieren. Ergi geht schon jetzt davon aus. dass es kein Buch im herkömmlichen Sinn werden wird: „Die Mädchen waren nach ihrem ersten Besuch im Klingspor Museum, das ein Haus für Schrift- und eben auch Buchkunst ist, sehr angetan davon, wie kreativ Bücher gestaltet sein können.“ Man darf also gespannt sein, am 18. Februar 2018 soll das fertige Werk der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Informationen zur AG Mädchenarbeit finden Sie hier: https://www.offenbach.de/medien/bindata/of/Frauenbuero/Flyer_Maedchenarb.Finale._6.12.2016.pdf

 

Bildinformation:

Gruppenbild: Betreuerinnen und Teilnehmerinnen am Stand des Klingspor Museums auf der Buchmesse. Foto: Zehra Ergi

Von Buchmessenbesucherin gestaltete Seite für das Buch. Foto: Susanne Kaiser ´(bsj)