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Offenbach am Main, 4. August 2017 – Einmal in die Tiefsee abtauchen oder gar einen kleinen Tsunami auslösen? Die Ausstellung „Meere und Ozeane“ des Wissenschaftsschiffs macht das möglich. In insgesamt 42 Städten wird das Schiff in diesem Jahr vor Anker gehen. Am 2. August hat es in Offenbach angelegt. Bis zum 5. August können die Besucherinnen und Besucher die Welt der Meere und Ozeane in Offenbach erforschen. Sie können deren Schönheit erleben, werden aber auch mit den aktuellen Problemen konfrontiert.

„Seit 16 Jahren ist die Miss Jenny als Ausstellungsschiff unterwegs“, erklärt die Lotsin Cosima Schröer bei einer Führung. Rund 40 Personen nahmen bereits an der ersten Führung in Offenbach teil. Mit so vielen habe sie noch nie eine Führung gemacht, bemerkte Schröer erfreut und erklärte: „Das Wissenschaftsjahr wird jährlich vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgerufen.“ Der Schwerpunkt wechsele jährlich. Das Thema „Meere und Ozeane“ habe das Ministerium allerdings für zwei Jahre (2016 und 2017) angesetzt. Das zeige die Bedeutung dieser Gewässer. Das Motto der Ausstellung ist „entdecken, nutzen, schützen“: Es geht nicht um das bloße Schauen und Lesen, sondern um das interaktive Mitmachen. Die Führung startet mit einem Einführungsfilm, der die Schönheit der Meere und Ozeane darstellt, er deutet aber auch die Probleme und eventuelle Lösungen an, die man in der Ausstellung ebenfalls interaktiv erfahren kann. Mehr als die Hälfte der Menschen weltweit leben in Meeresnähe, viele von ihnen leben vom Meer. Die Meere und Ozeane spielen eine große Rolle für das Klima, ein Drittel des weltweiten Kohlendioxidaustoßes wird durch sie absorbiert und die Hälfte des benötigten Sauerstoffes produzieren Meerespflanzen. Die Meere und Ozeane sind das größte Ökosystem der Welt, erklärt die Forscherin Dr. Julia Köhler in dem Film.

Die zweite Station der Führung führt zu einem großen Globus. Die Lotsin Schröer fragt die umstehenden Kinder, was sie auf dem Globus sehen. Neben Erdteilen ist das vor allem viel Wasser. Der Großteil der Erde ist von Wasser bedeckt, erklärt die Lotsin anschließend. Auch das zeige die Wichtigkeit der Meere und Ozeane. Die nächste Frage zu dem Unterschied zwischen Meere und Ozeane stellt sie an die umstehenden Erwachsenen und fasst die richtige Antwort kurz zusammen: Die Ozeane sind große Wassermengen, die Kontinente voneinander trennen. Die Meere sind dagegen eigene abgeschlossene Gewässer. „80 Prozent der Waren, die wir benötigen, werden von Containerschiffen über die Ozeane transportiert“, weiß Schröer und macht auf die „blinden Passagiere“ aufmerksam, die bei einem Ausstellungsexponat erklärt werden. Kleine Tier- und Pflanzenarten breiten sich als Bewuchs an den Schiffswänden aus und kommen als sogenannte Neobioten in andere Länder, wo sie einheimische Pflanzen und Tieren verdrängen. „Ein weiteres Problem ist der durch den Bewuchs indirekt ausgelöste erhöhte Schwerölverbrauch“, berichtet Schröer. Das Schiff werde dadurch schwerer und langsamer. Normalerweise verbrauche ein Containerschiff 14.000 Liter Schweröl pro Stunde, ein halber Zentimeter Bewuchs erhöhe den Verbrauch um 40 Prozent.

Um Plastikmüll im Meer geht es bei der nächsten Station. „Plastik kann nicht abgebaut werden, da es ein synthetisches Produkt ist“, erläutert die Lotsin. Es werde in viele kleine Plastikpartikel zersetzt. „Wie lange dauert es bis eine Plastikflasche zersetzt wird?“, fragt sie in die Runde. Das kann keiner der Umstehenden beantworten. Die Antwort erhält man beim Scannen der QR-Codes, die an den Plastikprodukten bei diesem Exponat befestigt sind: Die Zersetzung einer Plastikflasche dauert 450 Jahre. Besonders problematisch sei Mikroplastik – kleine Plastikpartikel, die in Kleidung aus synthetischen Materialien, Shampoo-Flaschen und Zahnpasta enthalten sind. „Sie sind so klein, dass sie nicht gefiltert werden können“, weiß Cosima Schröer. „Die Fische verwechseln diese mit Nahrung und fressen sie.“ So gelangen sie auch in unsere Nahrungskette. Insgesamt 70 Prozent des Plastikmülls sinken in tiefes Meereswasser, die anderen jeweils 15 Prozent würden an die Strände gespült oder blieben an der Oberfläche.

Wie Müll die Welt umsegelt, erfahren die Besucher, wenn sie sich die Ozeanströmungen anschauen, die an einem anderen Exponat dargestellt sind. Einige der älteren Führungsteilnehmer erinnern sich noch daran, dass ein Containerschiff vor vielen Jahren 29.000 Gummi-Enten verloren hatte. Sie reisten mit den Ozeanströmungen wortwörtlich um die Welt. „1992 tauchten einige Gummi-Enten im Südpazifik auf, elf Jahre später strandeten sie in England“, führt die Lotsin aus und verweist auf die Möglichkeit, sich bei dem Exponat durch Berühren des Touchbildschirmes kalte und warme Strömungen, aber auch die sogenannten Müllteppiche anzeigen zu lassen. „Müll sammelt sich in bestimmten Regionen in Müllteppichen“, fügt sie erklärend hinzu. Der größte sei doppelt so groß wie Deutschland. 

Je tiefer man in einen Eisberg hineinbohrt, desto älter ist das Eis, das man vorfindet. Das und mehr lernen die Besucher am Eisberg-Exponat die Besucher, indem sie kleine Schubladen aus dem Berg herausziehen. Durch Bohrkerne können Forscher den Sauerstoff untersuchen, der sich in einem Eisberg befindet. Das wiederum gibt Aufschluss darüber, wie sich der Kohlendioxidgehalt über die Jahre verändert hat. Wie groß ist der größte Eisberg? Diese Frage kann keiner der Teilnehmer beantworten. Er ist 13 Mal so groß wie die Stadtfläche von Berlin, so Cosima Schröer.

Dann wird auf einmal alles dunkel: die Besucher sind in der Tiefsee angelangt, der auf der MS Wissenschaft ein eigener Raum gewidmet ist. Aufgrund des hohen Wasserdrucks, der am Meeresgrund herrscht, ist die Tiefsee noch vergleichsweise unerforscht. „Wir wissen mehr über die Rückseite des Mondes als über den Meeresboden“, meint Schröer. In der Mitte des Raumes steht ein weiterer großer Globus. Dieser hat eine unebene Oberfläche und verdeutlicht die Erhöhungen und Senkungen der Erde - sowohl ober- als auch unterhalb des Meeresspiegels. Welcher ist der tiefste Punkt der Erde? Aus der Gruppe kommt prompt die richtige Antwort und die Lotsin dreht den Globus, um den Besucherinnen und Besucher die Lage des Marianengraben zu zeigen, der an seiner tiefsten Stelle 11.000 Meter unter den Meeresspiegel reicht. Dann macht Schröer auf den unter Wasser liegenden Mittelatlantischen Rücken aufmerksam: er ist mit über 60.000 Kilometern das längste Gebirge der Welt. Auch der Mauna Kea ist auf dem Globus zu erkennen. Der hawaiianische Berg ist mit über 10 Kilometern Länge vom Meeresgrund bis zum Gipfel höher als der Mount Everest.

Es ist zwar noch vergleichsweise wenig über die Tiefsee bekannt, doch Forscher sind bereits eifrig dabei das zu ändern, so die Lotsin. Auch weil in der Tiefe viele wichtige Rohstoffe für Elektronik-Produkte zu finden sind. Mithilfe modernster Tauchroboter können Wissenschaftler die Vorkommen erforschen und Proben an die Oberfläche bringen. Über die Nachhaltigkeit dieser Forschung und des späteren Rohstoffabbaus meldet Cosima Schröer jedoch Bedenken an.

Ein Highlight der Ausstellung ist das virtuelle Korallenriff, in das man mit Hilfe einer Virtual-Reality-Brille eintauchen kann. Die Brille einmal aufgesetzt, findet man sich in einer fotorealistischen Unterwasserumgebung wieder, durch die man sich mit einem Videospiel-Controller bewegen kann. Fische und Schildkröten schwimmen träge an einem vorbei und der Boden ist bedeckt von einem dichten Teppich verschiedener Korallenarten. Schwimmt man näher an bestimmte Objekte heran, beginnen diese aufzublinken und mit einem Knopfdruck lassen sich Informationen zu den Korallen und den Gefahren, die für sie durch menschlichen Einfluss entstehen abhören. 

Weitere Informationen: https://ms-wissenschaft.de/

Bildinformation:

Außenansichten des Wissenschaftsschiffs.

Foto: Stadt Offenbach