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Offenbach am Main, 12. Juli 2018 – Die Stadt Offenbach feiert von Ende Juli an den 250. Geburtstag des Aliceplatzes mit einer umfassenden Ausstellung seiner Geschichte im Kunstverein im KOMM, Aliceplatz 11. Unter dem Titel „250 Jahre Aliceplatz – Fürstenresidenz, Fabrikplatz, Fußgängerzone“ hat der Autor und Kurator Uwe Kauss im Auftrag des Amtes für Öffentlichkeitsarbeit viele Objekte versammelt, die bislang in der Stadt noch nie zu sehen waren. Darunter sind Dokumente aus der Frühzeit des 1768 von Fürst Wolfgang Ernst II. angelegten Platzes wie die Zeichnung eines vergessenen, großen Zierbrunnens oder Originalakten aus dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert. Sie eröffnen einen völlig neuen Blick auf die Geschichte des heutigen Mittelpunkts der Stadt.

Spektakulär sind die ausgestellten Leihgaben des Deutschen Ledermuseums (DLM) sowie der Museumstiftung Post und Telekommunikation: So ist in der Ausstellung das erste Telefon Offenbachs zu sehen. Der von Siemens & Halske in Berlin hergestellte Fernsprecher hing im „Telephonzimmer“ des 1884 eröffneten Postamts am Aliceplatz. Ebenfalls zu sehen ist die erste Vermittlungsstelle der Stadt, an der sich die damals 19 Teilnehmer von einem Postbeamten miteinander verbinden lassen konnten. Einige von ihnen konnten sogar nach Frankfurt telefonieren – damals eine Sensation, wie Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke augenzwinkernd anmerkt: „Natürlich nicht aus politischen, sondern aus technischen Gründen.“

Das Offenbacher Telefonbuch des Jahres 1888, das auf eine einzige  Buchseite passte, ist ebenfalls ausgestellt. Die wertvollen und raren Objekte stammen aus dem Depot der Museumsstiftung Post und Telekommunikation in Heusenstamm. „Die Post am Aliceplatz, das hat also schon eine sehr lange Tradition. Uns ist es wichtig in der Debatte um die Innenstadt zwar die Augen nicht vor den Problemen zu verschließen, aber auch hervorzuheben, wo es lange Traditionen gibt und Dinge funktionieren“, erläutert Schwenke die Motivation für die Feier des Geburtstages des Aliceplatzes.

Von 1817 bis 1880 wurde der damalige „Neue Marktplatz“, später „Paradeplatz“, von der Portefeuille-Fabrik Jacob Mönch & Compagnie geprägt, die sich mit feinsten Produkten und internationalen Kunden schnell zum wichtigsten Unternehmen in der Offenbacher Lederindustrie entwickelte. Auf dem Gelände des zuvor fürstlichen Gartens an der Seite des Postamts lagen seine Werkstätten, Lagerhallen und die Dampfmaschine. Es reichte von der Frankfurter Straße bis zur heutigen Großen Marktstraße. Aus der Fertigung von Mönch sind einige feine Portefeuille-Arbeiten zu bestaunen, beispielsweise Nähtaschen, elegante Holzkästchen sowie ein Flakon für Parfumflaschen aus dem Depot des DLM. Und bis heute heißt eine Straße im Industriegebiet Bieber-Waldhof nach Jacob Mönch.

Mit eindrucksvollen historischen Fotos dokumentiert die Ausstellung auch die Entwicklung des Platzes zum Mittelpunkt der Stadt mit dem 1944 zerstörten Stadthaus und Bürgermeisteramt, Viktoria-Denkmal, Postamt, Verlag und Redaktion der „Offenbacher Zeitung“, dem Atelier des damals hoch renommierten Fotografen Theodor Klauer sowie der bereits 1770 eröffneten Löwenapotheke. „Die Löwenapotheke ist ein Stück echtes Offenbach mit Tradition. Wir sind froh, dass es sie ebenso wie das Musikhaus André immer noch gibt und wir sind froh, dass beide Inhaberfamilien auch zu engagierten Helfern für eine gute Offenbacher Innenstadt gehören“, so Schwenke.

Natürlich dokumentiert die Ausstellung auch die Zerstörung im Zweiten Weltkrieg sowie den Wiederaufbau als mehrspurige Durchgangsstraße in den 1960er Jahren bis zur Umgestaltung als Fußgängerzone mit interessanten Fotos und Dokumenten.

Die Ausstellung im Kunstverein im KOMM, Aliceplatz 11, ist geöffnet von Montag, 30. Juli, bis Donnerstag, 30. August 2018, jeweils Montag bis Samstag von 14 bis 20 Uhr. Die Vernissage mit Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke findet statt am Donnerstag, 2. August, um 18 Uhr.

Bildinformationen:

Foto 1: Aliceplatz Ecke Frankfurter Straße um 1870; (Archiv im Haus der Stadtgeschichte, Offenbach am Main, (c) unbekannt)

Foto 2: Blick auf den Alicenplatz mit Viktoriadenkmal um 1927; (Archiv im Haus der Stadtgeschichte, Offenbach am Main, (c) unbekannt) 

Foto 3: Portefeuille-Fabrikant Johann Jacob Mönch um 1870; (Archiv im Haus der Stadtgeschichte, Offenbach am Main, (c) unbekannt)