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Offenbach am Main, 5. Juli 2018 –Der jährlich vorgelegte Sozialbericht enthält Daten aus den sozialen Sicherungssystemen nach dem Sozialgesetzbuch SGB II und SGB XII, zeigt etwaige Problemfelder auf und „liefert eine hervorragende Grundlage“ für die richtige Weichenstellung, so Bürgermeister Peter Schneider. So gibt es, trotz der gegenwärtigen Dynamik der Stadt noch viel zu tun. Denn immerhin hat sich die Stadt in den letzten Jahren zum attraktiven Wohnort entwickelt und lockt zunehmend einkommensstärkere Bevölkerungsschichten an: Ende 2017 lebten 135.692 Menschen in Offenbach, die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg innerhalb eines Jahres bis September 2017 um 4,4 Prozent auf 52.217, die der Beschäftigten am Wohnort Offenbach um 2,7 Prozent auf 47.788. Gleichzeitig sank die Arbeitslosenquote sank von 9,7 auf 9,3 Prozent.

Dies, die positive Konjunkturentwicklung und die Aktivitäten der Stadt lassen zumindest eine leichte Trendwende erkennen. Denn im Gegensatz zu anderen hessischen Kommunen hat der Anteil der Bedarfsgemeinschaften in der Stadt im vergangenen Jahr abgenommen, gesunken sind auch die Zahlen im Bereich der Kinder- und Jugendarmut, geblieben ist ein relativ hoher Anteil derjenigen Menschen, deren verfügbares Einkommen die Lebenshaltungskosten im Ballungsgebiet Rhein-Main nicht mehr deckt und die daher Leistungen nach SGBII beziehen.

Hohe Mieten, steigende Lebenshaltungskosten

Das Sozialgesetzbuch unterscheidet zwischen der Grundsicherung für Arbeitssuchende, dem sogenannten Hartz IV, wie es im SGB II geregelt ist und der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung nach SGB XII. Im SGB II wird zudem unterschieden zwischen erwerbsfähigen und nichterwerbsfähigen Leistungsberechtigten, dies sind in der Regel Kinder. Insgesamt 17.731 Leitungsberechtigte zwischen 0 und 64 Jahren waren dies im vergangenen Jahr, von denen 11.965 erwerbsfähig waren. Im Vorjahr waren es noch 18.567 Leistungsberechtigte, von denen 12.485 erwerbsfähig waren. Die Quote sank damit um einen Prozentpunkt von 16,6 auf 15, 6 Prozent.

Weniger Bedarfsgemeinschaften

Rund 3.2 Millionen Bedarfsgemeinschaften wurden Ende 2017 bundesweit gezählt, rund 9,1 Prozent aller Personen unter der Altersgrenze von 65 Jahren galten laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit als hilfebedürftig. In Hessen lag diese Hilfsquote im vergangenen Jahr bei 8,7 Prozent. Während im Land Hessen die Zahl der Bedarfsgemeinschaften gegenüber dem Jahr 2016 anstieg, sank in einigen hessischen Städten und Landkreisen die Zahl der Bedarfsgemeinschaften: In Offenbach gab es mit minus 4,1 Prozent den stärksten Rückgang.

Konjunktur und Betreuungsangebote wirken

Die SGB-II-Hilfsquoten bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren, die in Offenbach ab 2011 zwischen 30 und 33 Prozent lagen, waren im vergangen Jahr mit 28,5 Prozent entgegen des landläufigen Trends deutlich gesunken. Ähnlich auch die Entwicklung bei Kindern unter drei Jahren, die genauer in den Blick genommen wurden: „Nur“ noch 24,8 Prozent betrug deren Anteil in der entsprechenden Altersgruppe. Ein Grund hierfür dürfte auch der forcierte Ausbau der U3-Betreuungsplätze sein, der es Eltern, insbesondere aber Alleinerziehenden, leichter macht, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Deren Anteil lag 2017 weiterhin bei 19,4 Prozent. Insgesamt bleibt der Anteil der Bedarfsgemeinschaften mit Kindern in Offenbach mit 43 Prozent im Vergleich zum hessischen Durchschnitt hoch, dieser liegt bei 37,8 Prozent.

Leicht gesunken ist auch der Anteil der sogenannten „Aufstocker“ und „Ergänzer“: Während der Anteil der erwerbsfähig Leistungsberechtigten im Vorjahr noch bei 29,2 Prozent lag, waren 2017 noch 28,6 Prozent auf ergänzende Hilfen angewiesen. „Ein großer Teil dieser Menschen ist gut im Erwerbssystem integriert, aber oft bringt die Familiengröße diese an die Belastungsgrenze“, erläutert Dr. Matthias Schulze-Böing, Leiter des Amtes für Arbeitsförderung, Statistik und Integration und Geschäftsführer des kommunalen Jobcenters MainArbeit. „Aber Tatsache ist, dass das Modell des Alleinverdieners keines mehr ist. Wir versuchen Mütter von Minijobs über Teilzeitmodelle in Vollbeschäftigung zu bringen. Dazu gehören auch ein verändertes Rollenverständnis, eine gute Infrastruktur und natürlich auch gute Kinderbetreuungsangebote.“

Innenstadt bleibt Hotspot für SGB II-Bezug

In allen Großstädten sind die Innenstadtbezirke die Bezirke mit einer hohen SGB II-Quote, da ist Offenbach keine Ausnahme, so Sozialplaner Ralf Theisen: Diese Stadtteile sind in der Regel stärker als andere von Fluktuation und Veränderung geprägt, auch in Offenbach orientieren sich viele Neuankömmlinge erst in den innerstädtischen Quartieren, bevor sie Fuß fassen oder weiterziehen. Mit drei und mehr Prozent über dem Durchschnitt fällt die Quote daher in den nördlichen Innenstadtteilen und in Lauterborn vergleichsweise hoch aus, drei und mehr Prozent unter dem Durchschnitt liegen Rumpenheim, Waldheim, Kaiserlei mit Hafen, Mühlheimer Straße mit An den Eichen und Tempelsee. „Trotzdem“, so Schulze-Böing, „lässt sich feststellen, dass die räumliche Ungleichverteilung der Belastung von Stadtteilen mit Leistungsbeziehern abnimmt.“ Diese wird gemessen am Segregationsindex, der die Ungleichverteilung gegenüber der restlichen Bevölkerung im Stadtgebiet misst. Dieser sank von 13,0 in 2015 und 12,5 in 2016 auf 12,4 im vergangenen Jahr.

Für Schulze-Böing ist dies auch ein Hinweis darauf, dass die Zuwanderer aus Südost-Europa inzwischen angekommen sind: „Der Zuzug zwischen 2012 und 2014 hatte  auf Bundesebene steigende Zahlen bei den Sozialsicherungssystemen zur Folge. Inzwischen lässt sich eine Normalisierung der Lebensverhältnisse feststellen.“ Dazu beigetragen haben auch die zahlreichen flankierenden Maßnahmen, so haben die Aktivitäten der Stadt wie zum Beispiel die Etablierung des Quartiermanagements und die Angebote der Migrantenorganisationen auch für eine Entspannung in den Quartieren gesorgt. „Unser Leitbild sind weitestgehend gemischte Quartiere. Bei den entsprechenden Eckdaten sind wir zumindest auf einem guten Weg“, so Schulze-Böing.

Der aktuelle Sozialbericht zum Download: www.offenbach.de/sozialbericht