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Offenbach am Main, 10. Dezember 2019 – Die Arbeit hat sich gelohnt. Lange wurde gerungen, diskutiert und überarbeitet, aber der jetzt vorgelegte Entwurf für das ehemalige Toys`R`Us-Gebäude überzeugt in puncto Kubatur, Nutzungskonzept und Qualität. Dass die neuen Gebäude schon aufgrund ihrer prägnanten Lage zahlreichen Anforderungen, neben Verkehrs- und Umweltaspekte ebenso wie städtebauliche Vorgaben entsprechen und nicht zuletzt auch den Aspekt der Wirtschaftlichkeit berücksichtigen müssen, „macht das Projekt“, so Stadtplanungsdezernent Paul-Gerhard Weiß zu einer „diffizilen Angelegenheit.“ Nachdem Michael Dietrich, Geschäftsführer des Investors WasE-Firmengruppe mit dem ersten Entwurf nicht endgültig überzeugen konnte und im Bestandsgebäude Quartier beziehende Fledermäuse den geplanten Abriss verzögert hatten, sind nun die Weichen für den neuen vorhabenbezogenen Bebauungsplan Nr. 650 an dieser Stelle gestellt. Statt einem Gebäuderiegel soll dort ein Komplex aus vier unterschiedlichen Bauteilen, einem Hochhaus sowie ein Platz für Außengastronomie entstehen. Weiß geht davon aus, dass einer Neufassung des Bebauungsplans nichts im Wege steht, schließlich haben die Architekten des Hamburger Büros Tchoban Voss gemeinsam mit Stadtplaner Prof. Dr. Martin Wentz „ein anspruchsvolles und überzeugendes Konzept vorgelegt.“

S-Bahn-Zugang als Schlüssel für Neuplanung

Wentz wurde im Frühsommer dieses Jahres als Vermittler hinzugezogen und hat, wie er erklärt, Gebäude und Platz vom S-Bahn-Zugang neu gedacht: „Das ist der Schlüssel. Denn die ursprünglich geplante Integration des S-Bahn-Zugangs in das Privatgebäude hätte ein zusätzliches Planfeststellungsbeschlussverfahren erforderlich gemacht und das dauert locker drei Jahre“. Damit war klar, dass der Zugang zur S-Bahn freigestellt bleiben muss und zudem weder PKW- noch Fahrradstellplätze im unteren Geschoss möglich sind. Daran war bereits der erste Entwurf gescheitert, den die Stadtverordneten schon aufgrund des Platzes und der Lage der Fahrradstellplätze kritisch gesehen hatten.

Parkhaus für Autos, Fahrräder und Kindergarten im Grünen

Insgesamt 650 Fahrradstellplätze, davon 245 öffentliche, sieht der neue Plan jetzt vor. Diese sind dann wie gewünscht über das Erdgeschoss in einem Teil des Bestandsparkhauses erreichbar. Denn, auch das ist neu, statt einen Komplettabriss soll dieses im Bereich Großer Biergrund erhalten bleiben. Damit muss, erklärt Wentz, kein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden und bleibt zudem die bereits in Beton verbaute „graue Energie“ erhalten.“ Das Parkhaus wird saniert. 365 PKW-Stellplätze wird es insgesamt geben, davon 191 öffentliche. Die Sanierung im laufenden Betrieb des Parkhauses ist der erste Schritt, im nächsten soll der Gebäudeteil Richtung Schloßstraße abgerissen werden und einem Wohn- und Geschäftshaus Platz macht. Die ursprünglich geplanten Arkaden behält der vorgelegte Entwurf bei, diese reichen jetzt jedoch nicht mehr bis zur Straße, sondern werten die Ecke großzügig auf. Immerhin 3,65 Meter springt die Gebäudekante jetzt zurück und öffnet die Blickachse vom Marktplatz Richtung Ziegelgasse. Die Fassadengestaltung mit unterschiedlichen Fensterformaten folgt der Idee von Einzelhäusern und nimmt dem gesamten Gebäude die Wucht.

Blickachse mit Aufenthaltsqualität

In einem dritten Bauabschnitt soll das 60 Meter hohe Wohn- und Geschäftshaus entstehen, zu dessen Fuß sich die Sandgasse vom Salzgässchen aus erreichen lässt. Damit greift der Entwurf alte Wegebeziehungen wieder auf und öffnet die Achse vom Marktplatz Richtung Main. Dass alle Gebäudeteile eine Dachbegrünung haben werden, „ist“, so Wentz, „inzwischen state of the art“, gilt aber vor allem für den Bauteil des Parkhauses. Schließlich sollen die Kinder, die auf dessen Dach den dann erweiterten Kindergarten besuchen, auch Natur erleben können. Wie intensiv die Ausgestaltung letztlich sein wird, hängt von den weiteren Planungen ab.

In den politischen Gremien ist der veränderte Aufstellungsbeschluss bereits abgestimmt und auch bei den Stadtplanern der Verwaltung ist, so Weiß, „alles eingetaktet“. Wenn also alles gut läuft, kann bereits im April, wenn die Fledermäuse ihr Quartier verlassen haben, mit dem Abriss im Bereich zwischen Schloßstraße und Sandgasse begonnen werden. Für die nächste Saison hat Investor Dietrich gemeinsam mit Fachleuten Ersatzquartiere in der Nachbarschaft für sie geschaffen. Er rechnet nach Abriss und Sanierung mit einer Bauzeit von zwei- bis drei Jahren. „Dann“, verspricht er, „werden die Offenbacherinnen und Offenbacher den Platz kaum wiedererkennen“. Immerhin zeichnet sich Dietrich mit seiner Firmengruppe WASE auch für den geplanten Umbau des gegenüberliegenden City Centers verantwortlich.

Bildinformation:

Visualisierung Tchoban Voss Architekten, BDA