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Offenbach am Main, 21. August 2020 – Nachdem die Stadt Offenbach gestern erneut die dritte Corona-Warnstufe überschritten und neue Maßnahmen zur Eindämmung des Virus ergriffen hat, wurde heute die nächste Warnstufe erreicht: Aufgrund 15 neuer Infektionsfälle liegt die 7-Tage-Inzidenz jetzt bei 52,0 Fällen (Vortag: 44,3). Damit ist die vierte von fünf Warnstufen des hessischen Eskalationskonzeptes erreicht. Deshalb hat der Verwaltungsstab der Stadt Offenbach sowohl am Donnerstagnachmittag als auch am Freitagvormittag beraten und neue Kontaktbeschränkungen beschlossen. Ab Samstag, 22. August, wird die Anzahl der Menschen, die sich gemeinsam im öffentlichen Raum aufhalten dürfen, wieder eingeschränkt. Weiterhin wird die Teilnehmerzahl bei Veranstaltungen und Zusammenkünften beschränkt. Für die Gastronomie gilt nachts eine Sperrzeit.

Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke: „Wir verfolgen konsequent einen klaren Kurs: möglichst exakt zum Problem passende Entscheidungen zu treffen. Wir wollen Schäden für Wirtschaft, Gastronomie, Kultur und Sport so gering wie möglich halten. Viele Menschen fragen mich, warum sie von Maßnahmen betroffen sein sollen, wenn die Infektionen überwiegend von Reiserückkehrern ausgehen. Dazu sind zwei Dinge zu sagen: Erstens haben wir es zunehmend mit infizierten Urlaubern zu tun, die bis zu ihrem Testergebnis in Offenbach unterwegs waren. Und zweitens müssen wir angesichts der jetzigen Zahlen rechtzeitig Maßnahmen ergreifen, damit unser Gesundheitsamt in der Lage bleibt, weiterhin alle Ausbrüche eindämmen zu können.“

Hessens Sozial- und Integrationsminister Kai Klose nahm heute in Offenbach an der Stabssitzung im Rathaus teil: „Die Stadt Offenbach überschreitet heute als erste in Hessen die 7-Tage-Inzidenz von 50. Stadt und Land arbeiten entsprechend dem Eskalationsstufenkonzept des Landes eng zusammen. Deshalb habe ich heute Vormittag an der Sitzung des Verwaltungsstabs der Stadt teilgenommen. Bereits heute Mittag hat die erste Telefonkonferenz zwischen Stadt und dem Planungsstab des Landes stattgefunden und als Land werden wir schnellstmöglich personelle Unterstützung zur Kontaktpersonennachverfolgung leisten. Zudem wird heute der Krisenstab des Landes zusammentreten, um das weitere Vorgehen zu beraten.“ Der Minister betonte zudem erneut die Bedeutung des eigenverantwortlichen Infektionsschutzes: „Die steigenden Fallzahlen in Hessen und Deutschland bereiten uns Sorgen. Aufgrund der aktuellen Entwicklung ist es deshalb umso wichtiger, dass sich alle Bürgerinnen und Bürger an die AHA-Regeln halten: Abstand halten, Hygieneregeln beachten und Alltagsmasken tragen. Wir müssen gemeinsam daran arbeiten, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen!“

Laut Gesundheitsdezernentin Sabine Groß ist die Zahl der Menschen, die sich aufgrund einer Infektion oder als Kontaktperson in Quarantäne befinden, stark angestiegen: „Mit 650 Personen ist jetzt schon jeder 200. Offenbacher in Quarantäne. Die meisten der zurzeit positiv Getesteten sind zwischen 15 und 40 Jahre alt. Diese Menschen haben sich bis zur Quarantäne oft an zahlreichen Orten aufgehalten und mit vielen Menschen Kontakt gehabt. Aus diesem Grund müssen immer mehr Menschen ebenfalls in Quarantäne, weil sie engen Kontakt zu den Infizierten hatten.“ Die Eindämmung des Virus werde dadurch schwieriger, weil sie keinem klaren Ort mehr zuzuordnen ist. „Weil es immer mehr Kontaktpersonen trifft, müssen wir wieder vorübergehende Kontaktbeschränkungen einführen. Wer vermeiden möchte, durch eine Quarantäne 14 Tage lang sein Leben drastisch einschränken zu müssen, sollte jetzt mehr denn je auf möglichst viele soziale Kontakte verzichten.“

Die folgenden Regelungen gelten ab Samstag, 22. August, bis vorerst 3. September im gesamten Stadtgebiet:

  • Aufenthalte im öffentlichen Raum sind nur alleine, in Gruppen von höchstens fünf Personen oder mit den Angehörigen des eigenen und eines weiteren Hausstandes gestattet.
  • Diese Regelung gilt auch bei Besuchen von Restaurants, Cafés und Bars. Für Zusammenkünfte im privaten Bereich wird empfohlen, sich an die Vorgaben für den öffentlichen Raum zu orientieren und zum Beispiel größere Feiern zu verschieben.
  • Für Gastronomie und Bars gilt eine Sperrstunde ab 0:00 Uhr. Das Gaststättengewerbe und alle öffentlichen Vergnügungsstätten müssen um Mitternacht schließen. Diese Maßnahme greift zum ersten Mal in der Nacht von Samstag auf Sonntag.
  • Die Teilnahme an Veranstaltungen wie Theater, Opern, Konzerte, Kinos und ähnliche Angebote wird auf maximal 100 Personen beschränkt.
  • Private Zusammenkünfte (zum Beispiel Geburtstagsfeiern, Hochzeiten, Konfirmationen etc.) außerhalb des öffentlichen Raums werden auf maximal 50 Personen beschränkt.
  • Organisierte Zusammenkünfte von Seniorinnen und Senioren innerhalb geschlossener Räume werden auf maximal 25 Personen begrenzt.
  • Der Zugang zum Waldschwimmbad wird pro Zeiteinheit auf maximal 100 Personen begrenzt.
  • Zur Stärkung von Ämtern wie dem Gesundheitsamt und Ordnungsamt wird weiteres Personal aus anderen Teilen der Stadtverwaltung bereitgestellt und das Land wird 10 Medizinstudenten zur Unterstützung zur Verfügung stellen.

Wie Ordnungsdezernent Peter Freier mitteilte, hat der Verwaltungsstab außerdem für die kommenden Tage einen neuen Schwerpunkt für die Corona-Kontrollen beschlossen: „Dieses Mal werden sich Stadt- und Landespolizei sich vor allem auf die Einhaltung der Quarantänepflicht konzentrieren. Hierzu werden die Beamten in zahlreichen Haushalten klingeln und überprüfen, ob sich die Bewohner, die vom Stadtgesundheitsamt unter Quarantäne gestellt wurden, an die Auflagen halten. Sie dürfen 14 Tage lang das Haus nicht verlassen und keinen Besuch empfangen. Wer sich nicht an die Quarantäne hält, stellt eine enorme Gefahr für die Allgemeinheit dar. Wir werden unseren Worten wie schon beim letzten Mal Taten folgen lassen und die Bußgelder auf Grund der aktuellen Bedeutung grundsätzlich  hoch ansetzen. Verstöße gegen die Quarantäne-Auflagen gefährden in besonderer Weise die Allgemeinheit und bedürfen deshalb eine klare Antwort des Staates.“

Zu den weiteren Maßnahmen, die der Stab getroffen hat, zählt die erweiterte Information der Öffentlichkeit über die Warn-App HessenWarn. „Damit setzen wir weiterhin massiv auch auf Aufklärung und Information und nutzen einen weiteren Kanal neben dem städtischen Internetportal und den Social-Media-Seiten der Stadt, um die Bevölkerung über die aktuellen Maßnahmen zu informieren“, so Stadtrat Paul-Gerhard Weiß.

Mit den Entscheidungen vom Freitag greift die Stadt Offenbach auf Maßnahmen zurück, mit denen bereits vor einigen Monaten das Infektionsgeschehen auch in Offenbach erfolgreich reduziert werden konnte. „Wie schon damals gilt es Leben zu schützen und ein breites Übergreifen insbesondere auf Altenheime möglichst zu verhindern. Deshalb reagieren wir jetzt, so lange noch überwiegend die Jüngeren betroffen sind“, betonte Oberbürgermeister Schwenke und wandte sich auch an diejenigen, die den Eindruck haben, die Situation sei nicht so dramatisch wie während der ersten Welle: „Es ist richtig, dass wir heute viel mehr Tests haben und dies auch ein Grund ist für die steigenden Zahlen. Aber genau das ist unsere Chance, früher als während der ersten Welle reagieren zu können. Wir versuchen mit den heute ergriffenen Maßnahmen diese Chance zu nutzen. Ziel muss es sein, die Welle schnell wieder abflachen zu lassen.“ Entscheidend für den Erfolg sei am Ende das Verhalten der Bürgerinnen und Bürger – nicht nur in Offenbach, sondern überall, gerade auch im Urlaub und beim Feiern. „Das ist uns im Frühjahr gut gelungen und deshalb sind jetzt alle aufgerufen, sich wieder an die vorbildliche eigene Disziplin in der Anfangsphase der Corona-Krise zu erinnern.“