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Offenbach am Main, 3. Dezember 2019 – Monochrom, rot und weiß sind die beiden großformatigen Arbeiten der tschechischen Illustratorin Květa Pacovská, die am Eingang den Weg zur Ausstellungsfläche weisen, auf der rund 350 Kinder- und Jugendbücher aus der beinahe ganzen Welt darauf warten, entdeckt und gelesen zu werden. Vorher jedoch ist ein Raum der inzwischen weit über 90 Jahre alten Dame gewidmet, die Generationen von Kindern mit ihren Künstlerbüchern geprägt und beeindruckt hat. Auch die kleinen Besucher des Klingspor Museums kennen mindestens ein Buch von ihr, „Die Farben des Tages“ sind bei den Führungen das meistgezeigte Buch im Museum“, erklärt Dr. Dorothee Ader. Dabei ist das farbenfrohe Leporello kein Buch im klassischen Sinne, sondern ein Künstlertagebuch mit Ecken, Kanten, Löchern zum Durchgucken, Aufklappen mit einem eigenen Rhythmus. Das funktioniere, so Ader weiter, weil Pacovská den Kindern künstlerisch-ästhetische Erfahrungen zutraue – folgerichtig wird auch eine große Gruppe ausdrucksstarker freier Gemälde der Künstlerin präsentiert. Gemeinsam mit Stephanie Ehret-Pohl hat Dorothee Ader auch in diesem Jahr die Ausstellung kuratiert, um „Märchen“ geht es bei der 64. Ausgabe der Kinderbuchausstellung und dass sich auch bei den wohlvertrauten Stoffen noch etliche Überraschungen erleben lassen, beweist die Auswahl der gezeigten Bücher.

Rotkäppchen neu entdeckt

So gibt es allein ein Dutzend verschiedener Rotkäppchen-Ausgaben und -Bearbeitungen, von denen eine jede die Geschichte anders erzählt. „Du hast fürchterlichen Mundgeruch“ muss sich der Wolf beispielsweise sagen lassen, kurz bevor er das kleine Mädchen mit Haut und Haaren verschlingen möchte. Warum es dazu nicht kommt, erzählt Marjolaine Leray in ihrem leicht verständlichen Buch, das mit Hilfe der Freundesvereinigung des Klingspor Museums sogar angekauft wurde. Ganz anders in der Neuerzählung von Jean-Luc Buquet: Hier versucht der Wolf verzweifelt, sich in das Nachthemd der Großmutter zu zwängen und schafft das fast nicht. Auch der Wolf, der eigentlich „die verflixten sieben Geißlein“ fressen wollte, erlebt in der gleichnamigen Geschichte von Sebastian Meschenmoser eine echte Überraschung.

Neben den Märchen gibt es natürlich auch Raum für aktuelle Themen aus und für die Lebenswelten von Heranwachsenden: Klimawandel und Pflanzenwelten finden sich leicht verständlich und ansprechend illustriert ebenso in den Vitrinen und auf den Tischen wieder wie Geschichten über Pubertät und die Probleme mit ihr. „Mein Leben als Zehn- beziehungsweise Elf – beziehungsweise Zwölfjährige“ heißt das Buch des französischen Zeichners und Karikaturisten Riad Sattouf, der mit viel Einfühlungsvermögen und Witz einen Coming of Age Comic geschaffen hat. Davon, wie es ist, nicht richtig lesen und schreiben zu können, berichtet Rahel Messerli in der gleichnamigen Geschichte „Melin“. Viele potentielle Lieblingsgeschichten und Bücher haben Ader und Ehret also wieder ausgesucht, von denen eine kleine Auswahl auch im Museumsshop erhältlich ist.

Die Ausstellung wird am Samstag, 7. Dezember um 14.30 Uhr mit Musik und Kinderaktion eröffnet und ist bis 23. Februar 2020 zu sehen.

Zur Ausstellung gibt es wieder ein umfangreiches Begleitprogramm aus Führungen, Familien- und Mitmachangeboten. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren zahlen übrigens keinen Eintritt.

Bildinformation:

Die beiden Kuratorinnen der 64. Internationalen Kinderbuchausstellung Dr. Dorothee Ader und Stephanie Ehret-Pohl vor dem Gemälde „Waiting red“ von Květa Pacovská, einer Leihgabe des Frankfurter Sammlerehepaars Dr. Martin und Margarethe Murtfeld

 

Die beiden Kuratorinnen mit einem Leporello
© Stadt Offenbach
Ein Pop Up Buch als Ausstellungsstück
© Stadt Offenbach
Rotkäppchen und der Wolf sind abgebildet
© Stadt Offenbach