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Offenbach am Main, 7. Februar 2018 – „Unglaublich, was für eine Leistung von so vielen Schülern“, so eine Mutter unmittelbar nach der Premiere des MultiArtTheaters im Deutschen Ledermuseum (DLM). Anwesende Schulleiter wiederholten immer wieder, wie sehr sie begeistert seien. Eine Theaterpädagogin und Schauspielerin war fasziniert von der positiven Energie, die von den jugendlichen Darstellern ausging.  Die Projektleiter des Jugendkulturbüros ergänzten, dass die Teilnehmer innerhalb der letzten Tage weit über sich hinausgewachsen seien. Und ein Gast, der aufgrund der Straßenplakatierung und Zeitungsartikel aufmerksam wurde, verabschiedete sich mit den Worten: „Es ist toll, dass es in Offenbach so etwas gibt.“ 

Das vierte MultiArtTheater-Projekt des Jugendkulturbüros, das dieses gemeinsam mit vielen Kooperationspartnern organisierte, war ein voller Erfolg. Frühere Teilnehmerinnen – die vor 4 und 2 Jahren in MultiArtTheater-Stücken auf der Bühne standen und nun die Aufführungen besuchten – sagten, dass dies eine tolle Erinnerung an für sie wichtige Erlebnisse sei. Nämlich nachträglich festzustellen, dass die über zehnmonatige Zusammenarbeit von über 50 Schülern unterschiedlichster Schulen und Jugendzentren auch eine enorme „soziale Leistung gewesen sei, und dies ihr Erfolg sei, denn nur so hätte auch das künstlerische so toll geklappt“. Selten hätten sie in ihrem Leben ansonsten erfahren, dass Erwachsene sie annehmen, bedingungslos unterstützen und immer wieder für gute Stimmung sorgen. „Das sei sicherlich ein Grund für den Gesamterfolg des Projektes“.

Am 31. Januar 2018 war es wieder soweit. Nach einer bereits gut besuchten öffentlichen Generalprobe fand im nahezu ausverkauften Saal des Deutschen Ledermuseums die Premiere des vierten MultiArtTheater-Stückes „App Me Ab“ statt, der dann am 1. Februar zwei weitere Vorstellungen folgten. Seit März 2017 erarbeiteten fast 60 Kids und Jugendliche unter fachlicher Anleitung die aktuelle MultiArt-Produktion, die diesmal aus Elementen von Theater, Livemusik, Tanz und Medieneinspielungen bestand. Dabei erlernten die jungen Teilnehmer nicht nur Musikmachen und Singen, Theaterspielen und Tanz oder den Umgang mit Medien. Sie wurden auch in die Erstellung von Story und Songtexten, Melodien sowie choreografischen Ideen einbezogen.

Die Idee zu diesem ungewöhnlichen Projekt entstand 2009 bei den Teamern des Jugendkulturbüros des Kinder-, Jugend- und Kulturzentrums Sandgasse. Schnell fanden diese seinerzeit engagierte Mitstreiter bei einzelnen Offenbacher Schulleitern, Lehrern und Künstlern. Und nach dem Pilotprojekt „Future School - Schule des Grauens“ (2012), den Folgeprojekten „HdM-Slam“ (2014) und „Last Exit Offenbach“ (2016) konnte jetzt auch die vierte Produktion erfolgreich abgeschlossen werden.  Die Schülerinnen und Schüler kamen aus der Schillerschule, Geschwister Scholl Schule, Edith Stein Schule und Mathildenschule sowie dem KJK Sandgasse.

In wöchentlichen AG-Treffen, Wochenendterminen und im Rahmen von 2 Projektwochen haben sie auch in ihrer Freizeit ihre jeweiligen Gewerke einstudiert. „Ich hätte nicht gedacht, dass das ganze doch so lange geht und dann so ernst wird“, sagte eine weitere frühere Teilnehmerin. „Aber wir haben total viel gelernt“, so ein Teilnehmer des laufenden Projekts. Unter der Dramaturgie und Regie des Schultheater Studios Frankfurt erarbeiteten Lehrkräfte, Mitarbeiter des Jugendkulturbüros und zahlreiche künstlerische Fachkräfte die Präsentation. Begleitet wurde dies von einem erfahrenen Team aus Bühnen-, Ton– und Lichttechnikern. Und nach einer Projektwoche Mitte Januar im Jugendfreizeitzentrum Ronneburg erfolgte der letzte Schliff auf der Bühne des Aufführungsortes im Deutschen Ledermuseum, das das Projekt wie in den Vorjahren wieder unterstützte.

Nun galt es mit Mikrofon, Kulisse, Kostüm das Stück zu präsentieren. Und selbst wenn einzelne Jugendliche gerade nicht auf der Bühne waren, so erforderten hinter der Bühne Mikro- und Kostümwechsel, und die raschen Szenen- und Auftrittswechsel höchste Konzentration. Bei fast 60 Darstellern ist bereits das ein Kunstwerk für sich. Dass all dies möglich wurde, ist der gewohnt hervorragenden Zusammenarbeit von Jugendkulturbüro, Schulen, Kultureinrichtungen und Künstlern zu verdanken. Der Förderverein Sicheres Offenbach e. V. unterstützte das Projekt mit einer Spende.

Der größte Teil der Produktionskosten wurde allerdings durch das Jugendamt der Stadt Offenbach getragen. „Wir sind überzeugt davon, dass dies gut investiertes Geld ist. Denn diese jungen Menschen haben in einem fast einjährigen Prozess nicht nur erstaunlich viel Kreativ-Künstlerisches gelernt und geleistet sondern auch ein hohes Maß an sozialer Leistung in ihrer Zusammenarbeit, der gegenseitigen Unterstützung und Rücksichtnahme und des vorurteilfreien Miteinanders demonstriert.“, so die Projektleiter des Jugendkulturbüros, was auch die neue Jugendamtsleiterin Claudia Kaufmann-Reis bei ihrer Rede am Premiere-Abend unterstrich.

Die drei Vorstellungen plus die öffentliche Generalprobe wurden von über 600 Zuschauern besucht. Die Story des mit Livemusik, elektronischen Sounds, professionellen Videoeinspielungen und Lichteffekten unterlegten Stückes ist schnell erzählt. Ein altes Handy trifft die Generation neuester Smartphones und wird dort nur ausgelacht. Darauf schwört es die absolute Innovation zu schaffen, ein Handy mit allen denk- und undenkbaren APPS. Das anfänglich so geniale Handy des Typs FAUSTO entfaltet über Apps aber bald aufgrund einer Software-Manipulation seinen zerstörerischen Charakter, bis dies am Ende einige Betroffene merken. Nein eine solche Zukunft wollen sie nicht. Und so sagen sie „Ja“ zu digitaler und nicht-digitaler Welt, empfinden die Zeit ohne Medien und Freundschaften auch als Freiheit, entdecken sich und ihre Umwelt neu mit offenen Sinnen.

Eine frühere Projektteilnehmerin fasste es so zusammen: „Erst ist man fasziniert von den vielen raschen Szenenwechseln. Dann merkt man aber auch, dass da viel Nachdenkliches in dem Stück als Botschaft ist“. Und vor dem Theatersaal verkündeten einige junge Besucher, beim nächsten Projekt unbedingt mitmachen zu wollen. Das Kernteam des Projektes hat dies wohl vernommen und bereits in einem ersten Reflexionsgespräch beschlossen, 2020 mit dem fünften MultiArtTheater-Stück auftreten zu wollen. Nun hoffen sie auf die erneute Bereitschaft von Schulen und Jugendamt, dies zu ermöglichen.

Bildinformation:

Impressionen aus verschiedenen Szenen des MultiartTheater-Stücks.
Fotos: Stadt Offenbach

Zwei junge Frauen spielen Gitarre auf der Bühne.
© Stadt Offenbach
Jugendliche sind als Smartphone verkleidet auf der Bühne.
© Stadt Offenbach
Zwei junge Bühnendarsteller im Gespräch.
© Stadt Offenbach