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Eindämmung des Corona-Virus: Grundsätzlich keine Großveranstaltungen mehr in Offenbach

Offenbach am Main, 11. März 2020 – Zum Schutz der älteren Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen muss das Corona-Virus in Deutschland eingedämmt werden. Deshalb sollen auch in Offenbach ab sofort keine Großveranstaltungen mehr stattfinden. Wie Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke am frühen Abend mitteilte, folgt die Stadt einer entsprechenden Empfehlung des Landes Hessen und der Bundesregierung. Hintergrund sind unter anderem die steigenden Infektionen in Deutschland und die Entwicklungen in Italien. Diese Entwicklungen haben die Gesundheitsministerien dazu veranlasst, sich für eine Absage von Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen auszusprechen. Diese Aussagen haben jedoch keine rechtliche Bindung, es bleibt auch nach diesen Empfehlungen dabei, dass die Entscheidung für jede Veranstaltung einzeln und von den Städten und Landkreisen vor Ort getroffen werden muss.

Schwenke erläuterte, dass der Umgang mit dem Corona-Virus kompliziert sei, weil mit vielen Unbekannten gearbeitet werden müsse. Deshalb änderten sich auch die Empfehlungen der Bundesregierung laufend. „Wir müssen jeweils angemessen und mit den geeigneten Mitteln auf diese Entwicklungen reagieren. Alleingänge sind da unsinnig. Ein sofortiges komplettes Lahmlegen des öffentlichen Lebens wird von der Bundesregierung und vom Robert-Koch-Institut im Moment ausdrücklich nicht empfohlen.“ Da aber viele Fachleute davon ausgehen, dass ein Großteil der Bevölkerung langfristig mit dem Erreger in Kontakt kommen wird, könne man auch nicht so weitermachen wie bisher: „Oberste Priorität hat jetzt das Ziel, die Ausbreitung zu verlangsamen, damit unser Gesundheitssystem die Lage gut bewältigen kann. Wir kommen deshalb an Einschränkungen nicht vorbei.“

Die Stadt werde entsprechend der Empfehlungen der Gesundheitsministerien und des RKI alle Maßnahmen treffen, die verhältnismäßig und geeignet sind, die Ausbreitung des Virus einzudämmen. „Es ist unsere Pflicht, Menschen zu schützen, für die der Virus gefährlich werden kann. Deshalb ist es nicht egal, was wir machen. Wir können mit den richtigen Maßnahmen ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen schützen. Die Bundeskanzlerin hat heute gesagt: Unsere Solidarität, unsere Vernunft und unser Herz füreinander werden auf eine Probe gestellt. Ich wünsche mir, dass wir Offenbacherinnen und Offenbacher diese Probe bestehen“, so Oberbürgermeister Schwenke.

Eine Debatte um mögliche Überreaktionen oder um die Frage, ob manche Maßnahmen früher hätten greifen müssen, hält Schwenke zwar für grundsätzlich gerechtfertigt, aber gegenwärtig für nicht zielführend: „Für Deutschland wie für Offenbach gilt: In einem Jahr werden wir wissen, was richtig und was falsch war. Wir müssen unsere Entscheidungen aber mit dem heute zur Verfügung stehenden Wissen treffen. Und hier ist die Abwägung zwischen Gesundheit und wirtschaftlichen Auswirkungen für uns in Offenbach klar: Unsere Gesundheit geht vor.“

Aus diesem Grund hat der Verwaltungsstab in Offenbach heute entschieden, dass bis einschließlich Karfreitag alle Outdoor-Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern und alle Indoor-Veranstaltungen mit mehr als 500 Besuchern abgesagt werden sollen. Auch auf kleinere Veranstaltungen, an denen Risikogruppen (ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen) teilnehmen, sollte jetzt besser verzichtet werden. Gesundheitsdezernentin Sabine Groß rief alle Veranstalter auf, ihre Planungen zu überdenken und ihre Veranstaltungen abzusagen oder zu verschieben. „Veranstalter von großen Messen, Festen, Sportevents oder anderen Freizeitvergnügen stehen in der jetzigen Situation in einer besonderen Verantwortung, die Gesundheit ihrer Besucher zu gewährleisten. Wo viele Menschen auf engen Raum zusammenkommen, steigt das Risiko einer Ansteckung.“

Falls notwendig nimmt die Stadt für Großveranstaltungen mit mehr als 500 Teilnehmern in geschlossenen Räumen und mit mehr als 1000 Teilnehmern unter freiem Himmel eine Risikobewertung vor. Auf dieser Grundlage kann die Stadt dann gegebenenfalls auch von der rechtlichen Möglichkeit Gebrauch machen, Veranstaltungen zu untersagen. Die Risikobewertung nehmen das Ordnungsamt und das Gesundheitsamt anhand der Risikokriterien für Veranstaltungen vor, die das Robert-Koch-Institut aufgestellt hat.

Die Risikokriterien des RKI können über diesen Link aufgerufen werden: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Risiko_Grossveranstaltungen.pdf?__blob=publicationFile